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Von (vla)  |  25.08.2004  | Netzcode: 10605481  |  44 Mal gelesen.
Neustadt/WN

In 90 Tagen um die halbe Welt

Störche machen sich auf den Weg nach Afrika - Zehn Jungvögel in den Horsten des Landkreises

Neustadt/WN. (vla) Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Die Temperaturen werden kühler, die Weißstörche jedoch entfliehen der kalten Jahreszeit. Ungefähr 8000 Kilometer lang ist die Reise über den Bosporus nach Süd- und Ostafrika, zu der die großen Vögel in den nächsten Tagen aufbrechen werden.

Auch in diesem Jahr machte der Storch als Kinder- und Glücksbringer im Landkreis Neustadt seinem Namen alle Ehre. Der Nachwuchs bei den "Adebars" in den Horsten ist im Vergleich zu früheren Jahren konstant geblieben. Zehn Jungvögel aus fünf Horsten des Landkreises fliegen in den nächsten Tagen in wärmere Gefilde auf der südlichen Erdhalbkugel. Die Reise um die halbe Welt dauert drei Monate.

Adolf Küblböck, Mitglied des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern, ist aber dennoch nicht zufrieden: "Es wären pro Horst im Schnitt 2,5 Jungvögel notwendig, um die Art erhalten zu können." Im letzten Jahr hatte der Landkreis Neustadt 15 Jungvögel zu verzeichnen.

Die Nahrungssituation war in diesem Jahr besser als 2003. Der häufige Regen und das verhältnismäßig frühe Mähen der Wiesen sorgten für ausreichend Futter.

Tödlicher Absturz



Die Storchenbetreuerin in Neustadt/WN, Christine Fritsch, erklärt, dass die Aufzucht in diesem Jahr ohne größere Probleme von statten ging. Mitte Mai schlüpften drei Jungtiere. Eine tragische Begebenheit ereignete sich jedoch am Morgen des 1. August. An diesem Sonntag rutschte einer der Jungvögel auf einem regennassen Dach aus, stürzte ab und kam dabei zu Tode. "Bei der tollen Ausgangslage ist der Tod eines jungen Storches natürlich sehr schade", bedauert Fritsch, Vertreterin des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern. Dennoch äußert sie sich glücklich darüber, dass die anderen zwei Nachwuchsstörche ihren Weg über den Bosporus nach Süd- und Ostafrika antreten können. Die Beobachtung ihres Horstes gestaltet sich allerdings immer schwieriger, da der Rand des Nestes auf dem Alten Schloss immer höher wird.

Der Etzenrichter Horstbetreuer Max Hammer kann sich ebenfalls in diesem Jahr über zwei Jungvögel freuen. Seit ungefähr vier Wochen ist der Nachwuchs flügge und erobert immer größeres Land rund um den elterlichen Horst. Bald machen sich die Störche auf den Weg nach Afrika. "Zuerst fliegen die Jungen, die Eltern starten meistens erst einige Tage später", weiß Hammer. Die Zahl von vier hungrigen Schnäbeln aus dem letzten Jahr wurde zwar nicht erreicht, was jedoch die Etzenrichter Erfolgsbilanz nicht schmälert. Schließlich erziehen bereits seit über zwölf Jahren verschiedene Storchenpaare ihren Nachwuchs in der Weidener Nachbargemeinde.

Drei Jungstörche



Auch in Waidhaus erblickten auf dem Dach des Cafés Lindner drei Jungstörche das Licht der Welt. Nestbeobachter Rudi Theiß erklärt: "Unser Horst ist schon immer stark umkämpft." Dies bestätigt auch die Tatsache, dass auf dem vorhandenen zweiten Horst in Waidhaus keine Brut stattfindet. "Einer der Altvögel vertreibt immer die anderen Störche, die hier brüten wollen." Die Nahrungssituation, die sich zwar in diesem Jahr gebessert hat, reicht für ein zweites Storchenpaar nicht aus.

Eine traurige Geschichte ereignete sich in Trabitz. Nachdem einer der Altvögel verunglückt war, wurde die Brut abgebrochen. Das Gelege wurde in den Etzenrichter Horst gebracht. Nachdem die Vögel allerdings nur ein Ei ausgebrütet hatten, brachte man den noch sehr schwachen Jungvogel in den Nürnberger Zoo, wo er aufgezogen und später auch ausgewildert wird.

Auch im Eslarner Horst schlüpften zwei Jungvögel. In der vergangenen Woche verletzte sich jedoch einer der Altvögel am Fußgelenk. Otto Rolle, Mitglied des Landesbundes für Vogelschutz, brachte den Storch nach Regenstauf, wo er gesund gepflegt wird. Küblböck hofft, dass der Vogel die Reise nach Afrika mit den anderen Tieren antreten kann.

In Pressath gab es heuer keine Brut. Zwar kamen zwei Altvögel, wobei einer davon erst sehr spät den Horst erreichte und es deshalb in dieser Saison zu keiner Brut kam.

Trotz der Erfolge in diesem Jahr bleibt der Storch weiterhin eine bedrohte Tierart. Vor allem die Nahrungslage macht ihm immer mehr zu schaffen. Weil immer mehr Bauern feuchte Wiesen trocken legen, gehen viele traditionelle Futterplätze verloren. Für die Störche wird es immer schwieriger, ausreichend Frösche, Mäuse, Heuschrecken, Regenwürmer oder andere Kleintiere zu finden. Für die jungen Tiere sind die ersten Lebenstage besonders kritisch. Schaffen es die Eltern nicht, ausreichend Nahrung zu beschaffen, verhungern des öfteren einzelne Jungstörche, was in diesem Jahr in Etzenricht der Fall war.

Fünf Horste blieben leer



Auch Gefahren auf der langen Reise nach Afrika machen den Großvögeln das Leben schwerer. So kamen vor einigen Jahren bei einem Schneesturm viele Hundert Störche zu Tode.

Die Nistplätze in Pirk, Mantel, Steinfels, Hütten und Floß blieben heuer leer.


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