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Von Andrea Prölß  |  23.08.2004  | Netzcode: 10604216  |  330 Mal gelesen.
Wurz

Mit Verve in neue Klangwelten

Das Silesian String Quartett bei den Wurzer Sommerkonzerten

Zunächst die schlechte Nachricht: Tief hängende, dunkle Regenwolken und herbstliche Temperaturen zwangen Künstler und Publikum in die etwas beengten Verhältnisse des ehemaligen Pferdestalls. Das Gute daran: Musik, voll verhangener Melancholie, die zu strahlendem Sonnenschein so gar nicht recht gepasst hätte, und vier exzellente Musiker, die es wert waren, unter hervorragenden akustischen Bedingungen etwas genauer gehört zu werden.

Mit dem renommierten Silesian String Quartett, das bei keinen Geringeren wie dem LaSalle- oder dem Amadeus-Quartett in "die Lehre gegangen war", beschenkte Veranstalterin Frau Dr. Rita Kielhorn nicht nur sich, sondern auch die zahlreichen Besucher, die trotz des schlechten Wetters den Weg in den Wurzer Pfarrhof gefunden hatten.

Und wenn einem so viel Gutes wird beschert, dann nimmt man neue Klangerfahrungen mit Krzysztof Pendereckis Streichquartett Nr. 2 nicht nur willig in Kauf. Ganz im Gegenteil. Begeisterter, stürmischer Applaus für die dramatisch expressive, vor Spannung vibrierende Tonsprache Penderckis, die mit stark verfremdeten Streicherklängen und kraftvollen Glissando-Schmieren dem traditionellen Streicher-Schönklang eine drastische Absage erteilt und dennoch dank des engagiert kompetenten Spiels des Silesian Quartetts das Publikum begeisterte.

Dabei wären Beethovens Streichquartett op.74 und Rachmaninoffs Quartett Nr.1 zu Beginn fast schon Ereignis genug gewesen. Angenehm schnörkellos der Ton, doch hoch konzentriert und voller Verve das Spiel der vier polnischen Musiker, die sowohl Beethovens ungewohnt klangsinnliches Opus, das in vielen Momenten die Nähe Schuberts verrät, als auch Rachmaninoffs elegische, bittersüße Tonsprache zum Glühen brachten.

Spätromantischer, melodienseliger Wohlklang mit dem hierzulande unbekannten Quartett d-moll des polnischen Opernkomponisten Stanislaw Moniuszko und gefälligen Charakterstücken der russischen Komponisten Glasunow, Ladow und Sokolow nach der Pause, bevor Penderecki dem jäh ein Ende setzte.

Tänze von Schostakowitsch ("Polka") und Anatoly Ladow ("Sarabande") führten das Publikum schließlich in vertraute Klangwelten zurück. Dafür gab es lang anhaltenden, begeisterten Applaus des aufgeschlossenen Wurzer Publikums.

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