Wurz
Folklorismus und viel russische Seele
Kammerphilharmonie St. Petersburg eröffnet mit unterhaltsamen Programm die Wurzer Sommerkonzerte
Sommer ist, wenn der Wurzer Pfarrgarten seine Tore öffnet. Oder wie ließe es sich sonst erklären, dass pünktlich zu Beginn der Konzertsaison sich der Sommer, an den nun wirklich niemand mehr glauben wollte, plötzlich und wie aus dem sprichwörtlich heiterem Himmel einstellte?Beste Voraussetzungen für ein stimmungsvolles Eröffnungskonzert mit der russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg, das einzig und allein durch die Tatsache getrübt wurde, dass nur knapp 100 Besucher am Wochenende den Weg in den malerischen Pfarrgarten fanden. Ein kleiner Wermutstropfen, eine kleine Molleintrübung in der ansonsten rundum gelungenen, harmonisch verlaufenden Auftaktveranstaltung.
Frack- und zwanglos
Für alle, die ihre Zeit lieber mit Würstelgrillen verbracht haben: Der Abend mit der russischen Kammerphilharmonie wäre schon einen Besuch wert gewesen. In reiner Streicherbesetzung präsentierten die zwölf sympathischen Musiker unter der Leitung des erst 36-jährigen Juri Gilbo frack- und zwanglos ein ansprechendes, unterhaltsames Programm, das vor allem in der fulminanten Interpretation von ungarischen und georgischen Volkstänzen seinen Höhepunkt fand. Markenzeichen des renommierten Ensembles, das in diesem Jahr mit keinem geringeren als Giora Feidman durch die Lande tourt, ist ihr enorm engagiertes, zupackendes Spiel, das nach etwas unkonzentriertem Beginn mit Edvard Griegs Suite "Aus Holbergs Zeit" bei Sulkhan Tsintsadzes "Georgische Volkstänzen" und den für Streichorchester eingerichteten "Rumänischen Volkstänzen" von Bela Bartok wirkungsvoll zum Vorschein kam: Spannungsgeladene, expressiv gestaltete Melodik, Elan, Präzision und rhythmisches Standvermögen bei Ostinato-Motorik oder burlesken bis ekstatischen Ausbrüchen. Sonderapplaus für den Herrn am ersten Pult!
Liebenswert unbeschwert
Stimmungswechsel nach der Pause: Mit emotionalem, klangintensivem Spiel zauberte die russische Kammerphilharmonie romantisch-sehnsuchtsvollen Serenadenton in den Wurzer Pfarrgarten. Authentischer kann eine Interpretation von Tschaikowskys Streicherserenade C-Dur wohl kaum ertönen: liebenswert unbeschwert der dur-selige Walzer, verhalten andachtsvoll das Larghetto elegiaco und kraftvoll temperamentgeladen das Thema Russo zum Schluss. Klarheit und Schönheit der Stimmen gepaart mit viel russischer Seele.
Damit eroberten die Petersburger die Herzen des Oberpfälzer Publikums, das sich mit herzlichem und lang anhaltendem Applaus bedankte. Als Zugabe noch einmal Tänze von Tsintsadze und Bartok.
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