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Von Albert Franz  |  15.07.2004  | Netzcode: 10586107  |  436 Mal gelesen.
Thanhausen/Schönau

Millionending am Königssee

Morgen eröffnet Alfred Stier das touristische Großprojekt "Fischerlebniswelt"

Thanhausen/Schönau. Zwei Oberpfälzer zeigen den Oberbayern, wo es lang geht: Nach 18 Monaten Bauzeit feiern der Thanhausener Alfred Stier und der Weidener Investor Klaus Schnurrer morgen die Einweihung der Fischerlebniswelt Königssee. Rund 150 Gäste werden sich zu Füßen des Watzmanns einfinden, um die größte Investition in der bayerischen Fischwirtschaft der vergangenen Jahre offiziell in Betrieb zu nehmen.

Die Festrede hält Pater Johannes Pausch, Prior des Klosters Gut Aich in St. Gilgen, Berater von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl - und gebürtiger Parksteiner. Über die Investitionssumme schweigen sich der Betreiber und Prokurist Alfred Stier und sein Kompagnon Klaus Schnurrer aus. Sie dürfte allerdings nach groben Schätzungen zwischen drei und fünf Millionen Euro liegen. Zur Zeit arbeitet die Königssee KG vor Ort mit acht Beschäftigten, bis Ende 2005 will Stier 20 neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Fischerlebniswelt, 400 Meter vom Königssee entfernt und direkt am Fußweg gelegen, der von Berchtesgaden heraufführt, besteht eigentlich aus fünf Bereichen: Dem Forellenzuchtbetrieb, einem Verarbeitungskomplex samt Verwaltungsräumen und Wohnungen für die Beschäftigten, einem Verkaufsladen, einem Gastronomiebetrieb für den Verzehr vor Ort und einem Fischlehrpfad.

50 Tonnen Forellen



Baubeginn auf dem gut zwei Hektar großen Gelände mit Blick auf den Watzmann war im September 2002. Den Betrieb der traditionsreichen Fischzucht Königssee, die auf das Jahr 1856 zurückgeht, hat Stier auf Vordermann gebracht und publikumswirksam "verpackt". 50 Tonnen Forellen kann er dort jährlich erzeugen - im Wasser aus dem Königssee, dem saubersten Deutschlands. Nach altem Recht sind der Fischzucht 300 Liter pro Sekunde verbrieft, die Stier aus dem Königssee entnehmen darf.

Bereits im August 2003 war die Verarbeitungsanlage fertig. Auf 500 Quadratmetern kann die Königssee KG damit 10 000 Forellen pro Tag verarbeiten. Die hochmoderne Manufaktur reicht vom Schlachten, Filettieren und Räuchern in vier Kammern bis zur Vakuumverpackung. Per Versand will Stier von hier aus den gesamten deutschen, österreichischen und Schweizer Markt bedienen. Direkt vermarktet wird im Laden nebenan - dem einzigen Betriebsteil, der bisher weitgehend unverändert geblieben ist.

Neu errichtet hat die Königssee KG die Fischerhütte, im Berchtesgadener Land Kaser genannt, in der bis zu 100 Personen Platz finden. Dort können die Gäste geräucherte Forellen und Steckerlfische verzehren. In der Fischerhütte zeigt Stier außerdem Störe und zahlreiche andere Fische in Aquarien. Präsentiert wird zum Beispiel auch ein präparierter Waller, 201 Zentimeter lang und 110 Pfund schwer. Mit aufwändiger Technik ausgestattet haben die Investoren sogar zwei große Schaubecken in den Boden der Gaststätte eingelassen. In der Fischerhütte plant Stier außerdem eine Fischleder-Sonderschau - mit Häuten, aber auch Produkten wie Geldbeutel, Handtaschen und Koffer.

Die Erlebniswelt setzt sich fort mit dem Fischlehrpfad im Freigelände. In acht Schauteichen präsentiert Stier schon jetzt 50 und im Endausbau bis zu 65 verschiedene Fischarten, die größte derartige "Ausstellung" mit imposanten Exemplaren weit und breit.

800 000 Touristen pro Jahr



Größtes Kapital und fast eine Erfolgsgarantie ist der Touristenstrom von 800 000 Menschen, die jährlich den Königssee besuchen. Allein 6000 Busse reisen jährlich an. "Wenn ich an zehn Prozent davon rankomme, reicht das", so Stier. Daneben will Stier allerdings auch selbst neue Kundschaft ins Berchtesgadener Land holen, vor allem über die Kontakte zu Busunternehmern. Aber auch als Angebot für Betriebsausflüge und Schulklassen versteht er die Fischerlebniswelt. Nicht zuletzt soll das Gelände zum "Mekka" der Fischereivereine im gesamten deutschsprachigen Raum werden.

Schon jetzt verfügt er über eine Option auf 300 Busse eines Bielefelder Reiseunternehmers, nach erfolgreicher Probephase. Alles in allem geht Stier davon aus, die avisierten 50 000 Besucher pro Jahr leicht zu schaffen. Voraussichtlich ab morgen ist die Fischerlebniswelt auch im Internet vertreten.

Weitere Informationen unter

www.fischzucht-koenigssee.de


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