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Von (uz)  |  12.07.2004  | Netzcode: 10584543  |  681 Mal gelesen.
Weiden

Die Sümpfe Louisianas im Stadtbad

"Freebeer & Chicken Company": Leidenschaft, als wär's ihr erster Auftritt

Die Bahn war wieder einmal unpünktlich. Der kleine Zeiger der Uhr wanderte schon gegen 23 Uhr, als die "Louisiana Train" durch die Zuhörerreihen im Stadtbad stampfte. Die Lokomotive vorne weg: Bluesharp Slim. Dahinter Thomas Gugger mit dem Waschbrettbauch und Violinist Titus Waldenfels. Fred Emmert lehnte währenddessen Zigaretten qualmend an der ehemaligen Umkleidekabine.

Aber diesmal gab es wegen der Verspätung keinerlei Ärger am Bahnsteig. Im Gegenteil. Die buntgemischten Gäste hätten gerne noch länger gewartet, forderten Zugaben über Zugaben. Die "Freebeer & Chicken Company" aus München gab am Samstagabend beim Kultursommer "Live im Stadtbad" alles. Da wurde nicht auf den Busch geklopft. Da jammerte es von den Violinseiten, da wurden Harptöne gezaubert, die man vorher für unspielbar erklärt hätte.

Auch wenn das Quartett ausschließlich für Cajun- und Zydeco-Musik gemietet war, ließ es sich nicht in eine Ecke drängen. Das Programm umfasste stilistisch auch eine Mixtur aus Bluesstandards und Rock'n'Roll. Da näselte Bob Dylan, kesselten Van Morrison, Tom Waits und J.J. Cale. Natürlich wurden vor allem die Sümpfe Louisianas beschworen. Da passte das Stadtbad-Ambiente ganz gut dazu.

Wäre da nicht das miese Wetter gewesen. Gegen die Kühle half, in die Hände zu klatschen. Und dafür gab's Gelegenheit zuhauf. Und vor dem Regen, der immer wieder einsetzte, schützten Schirme und das Laub der Bäume auf der Terrasse. Die Combo spielte im Freien. Im Pavillon hätte man die vielen Besucher nicht untergebracht. Allerdings wurde die Bühne in die überdachte ehemalige An- und Rücknahme-Nase der Stadtbad-Garderobe verlegt.

Die vier Musiker spielten mitreißend wie eine komplette Bluesband, aber in biologisch abbaubarer Stärke, wie sich Geiger Titus Waldenfels in der Pause gepflegt ausdrückte. Er stand outfitmäßig für die frühen Sechziger Jahre. So abwechslungsreich das Repertoire, so vielfältig war das Instrumentarium. Von der klassischen Bluesbesetzung mit zwei Gitarren und Bluesharp über ein Zydeco-Ensemble mit Akkordeon, bis zum Waschbrett und dem mexikanischen Bajo Sexto. Für die exotischen Anleihen zeichneten Kalimba und zwölfsaitige Gitarre verantwortlich, dazu zwei Stimmen und ein Schlagzeug mit dem Klang tappender Füße.

Das war keine durchgestylte Show, das war ein Konglomerat an unverhofften Höhepunkten. Die Band spielte mit einer Leidenschaft, als wäre es ihr erster Auftritt und nicht einer in einer Reihe von vielen.

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