Amberg
"Die reine, gegenstandslose Farbe zum Erlebnis machen"
Der Amberger Künstler Raimund Drechsler: ein Meister der puristischen Form - Ausstellung in "Hausgalerie" in Aschach
"Unter den zeitgenössischen Künstlern, die das morphologische Potential der Farbe untersuchen, sich einer Fragestellung annehmen, ., ohne dabei die Fülle überraschender Möglichkeiten, die reine, gegenstandslose Farbe zum Erlebnis machen, auch nur andeutungsweise ausgeschöpft haben, reiht sich auch der Oberpfälzer Maler Raimund Drechsler." (Zitat: Wolfgang Herzer. Galerist, Weiden). Raimund Drechsler, der 1958 in Amberg geboren wurde, an der Hochschule der Künste in Berlin bei Professor Rudolph Kügler studierte und seit 1984 wieder in seiner Heimatstadt lebt und arbeitet kann heuer sein 20-jähriges Atelierjubiläum feiern."Uralte Geschichten und ganz neue Ergebnisse" hängen, liegen und stehen da über und nebeneinander, in Amberg in der Kugelbühlstraße. Große und kleinere Formate auf Papier, Leinwand und Holz, in Acryl, Aquarell, Holzlack, Tusche und Mischtechnik. Neuerdings sind auch Blechfaltungen zu entdecken. Dafür interessiert er sich seit seiner Teilnahme am ersten Amberger Bildhauersymposium ganz besonders. Diese "metallene Spur" will er auch intensiv weiter verfolgen.
Drechsler ist ein Meister der Farbe und der Form. "Er ist der puristische Maler, der sich in der Arbeit ausdrückt und nichts dazu sagt". (Zitat Galerist Wolfgang Münch, Amberg) Sein Thema ist nicht die Abbildung der Erscheinungsfarben aus der Natur (grün verwendet er übrigens praktisch niemals), sondern die absolute Farbe. Die satte Palette an teils künstlich gewonnenen, teils selbst angerührten Farben versetzt den Künstler in die Lage, schöpferisch tätig zu werden und Neues zu erfinden. "Mich interessiert einfach, was noch nicht da ist, was gerade entsteht. Ich liebe die freie Form. Das Aneinandersetzen der Flächen, Farbe und Struktur. Das Bild muss im Ganzen funktionieren, aber auch jede Fläche muss für sich funktionieren. Was mich reizt ist das Übereinanderschichten und Herausholen von Flächen, die darüber und darunter liegen. Das Zudecken und das Freilegen. Wie bei Häuserfassaden, wo die Farbe abbröckelt! Es ist das Abblättern und Schauen, was da noch alles zum Vorschein kommt. Das können zehn, das können auch nur mal zwei Schichten sein, die übereinander liegen," erläutert der eher sprechspröde Künstler erstaunlich ausführlich sein künstlerisches Konzept. "Früher war alles in meinen Bildern nicht so streng geometrisch, wie in den letzten Jahren!" Aber derzeit ist festzustellen, dass die Formen wieder aufbrechen, die Ausdrucksweise offener wird.
Aber Titel gibt Raimund Drechsler seinen Bildern immer noch nicht: "Ich will dem Betrachter durch einen festgelegten Titel nichts wegnehmen und seine Phantasie nicht einengen". Drechsler legt Schichten frei und Spuren hinein in seine Bilder. Auf weißem Untergrund kann er nicht arbeiten. "Eine weiße, monochrome Fläche, das ist für mich eine ästhetisch geschlossene Geschichte. Das ist wie ein fertiges Bild wo es schwer ist, etwas dran zu machen", erklärt er kategorisch. Deshalb legt er erst einmal eine grobe Struktur fest und kleckst dazu ein paar Farbspritzer auf die Leinwand. "Es ist eigentlich immer das Ockergelb, weil dann die Farben ganz anders leuchten. Dabei bildet sich fürs Auge schon automatisch irgendeine Form. So ist es für mich einfacher, mit dem Arbeiten zu beginnen, als auf einer weißen Fläche!" Flechtwerke aus Konstruktion und Farbfeld entstehen so. Spiele mit geometrischen Formen, Inszenierungen räumlicher Schauobjekte.
Vor monochromem Hintergrund baut Drechsler seine Konstrukte, fixiert den Horizont und löst Acryl-Farbenschichten wieder mittels Hitze oder Nitroverdünnung. Rot verwendet er bevorzugt und in schillernder Vielfalt. Die Linien streben nach oben: "Es wächst alles von unten raus". Sein bevorzugtes Format ist ein Meter auf 1,20. Derzeit stellt er sich dem Problem, das ihm die quadratische Vorlage 60 mal 60 aufgibt. "Anfangs war es für mich schwierig, das Format aufzuteilen. Aber die Idee - aus quadratischem Format mehrere Bilder zusammensetzen zu einem größeren Ganzen, die verfolge ich weiter!"
Raimund Drechsler geht selten in die Offensive. Seine Ausstellungen in der Region und darüber hinaus sind trotzdem, oder gerade deshalb immer ein besonderes Kunstereignis. Derzeit steht eine Einladung zu einer großen internationalen Ausstellung nach Japan im Raum.
Vernissage am 18. Juni
Aktuell sind Arbeiten von Raimund Drechsler in der "Hausgalerie" in Aschach bei Amberg zu sehen. Mit der Ausstellung "Klarheit und Fülle", die am 18. Juni (Vernissage von 19 bis 22 Uhr) eröffnet wird, starten in der Hausgalerie Aschach die Sommer-Galerie-Wochen. Mit dieser Aktion will Galeristin Angelika Przybilla Kunstfreunde ins Gespräch bringen und auch im künstlerischen Schaffen in das Galeriegeschehen einzubeziehen. Für die musikalische Unterhaltung sorgt "Jassik".
Galeristin Angelika Przybilla zeigt bei dieser Ausstellung erstmals wieder eigene Arbeiten (Leinwand und Acryl). Zudem sind Skulpturen von Raimund Drechsler (Amberg) und Karl-Hans Bergauer (Waldsassen) zu sehen. Gastkünstler sind Michaela Peter (Leiterin der Kinder- und Jugendkunstschule in Sulzbach-Rosenberg) sowie Angela Steinkohl (Gruppe Amberger Künstler) und Gerda Moser (Oberpfälzer Kunstverein Weiden).
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