Regensburg
Eine Hölle, die besser ist als die Welt
Galnert-Oper "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" in einer Neuinszenierung in Regensburg
Im März des Jahres 2000 brachte das Theater Regensburg Detlev Glanerts Oper "Joseph Süß" unter der Regie von Fritz Groß mit großem Erfolg zur Uraufführung. Jetzt wagte sich das Regie-Duo Francoise Terrone und Philippe Godefroid an die Glanert-Oper "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung". Das Regensburger Theater am Bismarckplatz war aber leider nur zur Hälfte gefüllt.Zu Unrecht. Denn wie sich schnell herausstellte haben sowohl das Werk als auch die Inszenierung einiges zu bieten. Mit Einfallsreichtum, Witz und Sinn für eine auf das Detail achtende Affektgestaltung fand Glanert hier zu einer ausdrucksstarken Tonsprache, wofür er 2001 - also schon im Jahr der Uraufführung - den bayerischen Theaterpreis erhielt. Die stilistische Palette reicht von vitalistischer Motorik mit viel Schlagwerk über eine dissonante Leitmotivik bis hin zu Klangflächen, die man in die Nähe eines neoromantischen Ansatzes bringen kann.
In diesem humoristischen Spektakel, dessen Libretto Jörg W. Gronius frei nach der Komödie des deutschen Schriftstellers Christian Dietrich Grabbe (1801 bis 1836) schuf, kommt der Teufel auf die Erde, um Intrigen zu spinnen. Als er aber in dieser durch und durch verdorbenen Welt selbst in eine Falle tappt, wird er von seiner Großmutter fürsorglich abgeholt und zurück in die vertraute Hölle gebracht.
Das Regie-Team, das auch das Bühnenbild, die Kostüme und das Licht übernahm, kreierte hier ein buntes Treiben, welches das humoristische Potenzial des Werks beeindruckend und packend umzusetzen weiß. So zerbrechen sich die mit einem Schlüssel im Rücken wie aufgezogene Spielzeugfiguren agierenden vier Naturhistoriker über die Identität des Teufels im wahrsten Sinne des Wortes ihre immer mehr angeschwollenen Köpfe, so präsentiert sich das vom Schulmeister brutal zum vermeintlichen "Nationalgenie" erzogene Gottliebchen als bockiger Struwwelpeter mit wilder Mähne und ebenso langen Stahlfingernägeln wie der Teufel selbst, dessen zweigeschlechtliches Wesen hier nicht nur durch die vom Komponisten zugedachte, teils elektronisch verfremdete Countertenor-Stimme, sondern auch durch ein verführerisches, travestie-ähnliches Äußeres aus schwarzem Leder und Netzstrumpf-Erotik umgesetzt wird.
Des Teufels Großmutter taucht mittels Hebebühne mit komplettem Biedermeier-Wohnzimmer aus der Tiefe des Theaters auf, und Mollfells zieht seine ihn begleitenden Gendarmen auf einem Rollwägelchen hinter sich her.
Den Bühnenakteuren muss man für diesen Abend geschlossen großes Lob aussprechen. Frank Valentin im Countertenorpart als Teufel, Jóhann Smári Saevarsson als Baron, Elvira Soukop als Liddy, Michael Doumas als Freiherr von Mordax, Jin-Ho Yoo als Herr von Wernthal, Markus Georg Herzog als Dichter Rattengift sowie all die anderen trugen schauspielerisch wie gesanglich zur gelungenen Premiere bei. Beeindrucken war auch die Leistung des Orchesters unter der Leitung von Guido Johannes Rumstadt. Der Applaus war zurecht intensiv und anhaltend.
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