Weiden
Der "Karl May" des Krimi-Genres
Horst Eckert stellt neuen Roman "Purpurland" vor: "Ich war weder in Afghanistan noch bei der Bundeswehr"
"Ich hab mich schon etwas gefühlt wie Karl May", gibt Krimi-Autor Horst Eckert zu. Deshalb heißt der Romanheld auch Felix Mey. Eckert, gebürtiger Weidener (1959) und Wahl-Düsseldorfer, will damit unterstreichen, dass er nie in Afghanistan gewesen ist, wo die ersten 40 Seiten seines jüngsten Krimis "Purpurland" angesiedelt sind. Auch habe er persönlich keinerlei militärische Erfahrung vorzuweisen. Im Gegenteil: "Ich war nicht mal bei der Bundeswehr."Eckert: "Jeder Schriftsteller lügt, weil er Geschichten erfindet." Der Mittlere Osten und ein Soldat, Mitglied des geheimen Kommandos Spezialkräfte (KSK), spielen eine gewichtige Rolle in seinem Werk. Am Donnerstaglas der Schriftsteller in der Veranstaltungsreihe zum zehnjährigen Jubiläum der Regionalbibliothek.
Eckert zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Krimiautoren unserer Zeit. 1997 erhielt er für seinen Roman "Aufgeputscht" den "Marlow" für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des Jahres. "Die Zwillingsfalle" wurde mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. Mit "Purpurland" (288 Seiten), erschienen 2003, schlägt der ehemalige Tagesschaureporter einen neuen Weg ein.
Seine bisherigen Krimis drehten sich alle um das KK 11 der Düsseldorfer Polizei. Diesmal zieht sich die Geschichte eines Soldaten, dessen Frau nach seiner Rückkehr aus Afghanistan ermordet wird, wie ein roter Faden durch die Story. "Purpurland" befasst sich in schonungsloser Sprache mit Tim Sander, der seine junge Frau betrauert. Zwei Polizisten stürzen sich in die Ermittlungen: Felix Mey, der sich nach einem verunglückten Einsatz vom Sondereinsatzkommando Mitte versetzen lässt, hat die Tote gefunden.
Für ihn wird die Suche nach dem Mörder zur fixen Idee, denn einerseits hat er Sander in einem speziell für Polizeibeamte und Afghanistan-Rückkehrer ausgewiesenen Kurhotel kennen gelernt. Andererseits glaubt er, dass der Täter derselbe ist, der den verunglückten Einsatz ausgelöst hatte. Seine Kollegin glaubt an einen Sadisten. Doch bald gerät der Ehemann der Toten ins Visier der Fahnder. Eine Jagd voller Überraschungen beginnt.
Der Erzählton ist "Bullen-Alltag". In Parallelblenden schildert Eckert den emotionalen, später seelischen Verfall von Meys Partner, der sich schlussendlich mit einer Dienstwaffe das Leben nimmt, weil er im Einsatz einen Menschen erschossen hat. Ein Unglück mit dem sich auch Mey quält.
Ein kleines Meisterwerk
Eckert ist mit diesen finsteren Seelen ein kleines Meisterwerk gelungen. Recherchiert hat er im Spezialeinsatzkommando der Düsseldorfer Polizei: "Da kenn ich jemanden." Eckert: "Wenn man einem Polizisten erst einmal näher kommt, dann öffnet er sich gern." Als Fernsehjournalist beim WDR sei er einmal mehrere Tage mit einer Streife unterwegs gewesen. "Polizeigeschichten finde ich deshalb so interessant, weil sie an der Schnittstelle zwischen Sicherheit und Verbrechen stattfindet." Bild: Kunz
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