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Von (rdo)  |  17.03.2012  | Netzcode: 3178053  |  173 Mal gelesen.
Weiden

"Das Gewissen hat keine Chance"

Experte Dr. Wolfgang Kessler: Gier der Märkte wird belohnt - Abhilfe mit Fünf-Punkte-Programm

Weiden. (rdo) Es ging um Geld im Seniorenheim St. Konrad. Dr. Wolfgang Kessler, ehemaliger Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds und Chefredakteur der Zeitschrift "Publik Forum", sprach dort auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung Weiden/Neustadt über die Macht der Finanzmärkte und fragte: "Geld regiert die Welt - wer regiert das Geld?"

Die Finanzmärkte regieren die Welt. "Das wissen wir seit der Finanzkrise", sagte Kessler. "Mit der Liberalisierung der Märkte entstand jene Finanzoligarchie, die heute das Geld regiert - große Fonds, die den Markt beherrschen", erläuterte Kessler weiter. Entstanden sei ein System, das persönliche Verantwortung ausblendet und die Gier belohnt. "Das Gewissen hat keine Chance." Seit der Finanzkrise seien die Politiker damit beschäftigt, den Zusammenbruch der Banken und eine wirtschaftliche Depression zu verhindern. Die Banken dagegen spekulierten weiter, trotz der hohen Verschuldung der meisten Regierungen. "Dies kann der Auslöser für die nächste Schulden- und Eurokrise sein."

Kessler argumentierte daher: "Entweder die Politik und die Menschen dienen auch künftig dem Geld, oder sie sorgen dafür, dass es ihnen und damit dem Gemeinwohl dient." Der Referent bietet deshalb einen Fünf-Punkte-Plan an, der erstens die Abkehr vom Wirtschaftsliberalismus umfasse. Denn ein freier Markt lenke Geld nur dahin, wo es Rendite bringt, nicht wo es gebraucht wird. Zweitens brauche es klare Regeln für den Finanzmarkt wie das Verbot von Leerverkäufen. Die Euro-Krise müsse drittens gemeinsam bewältigt werden, etwa mit einer Finanztransaktionssteuer. Die Mehreinnahmen daraus könnten in Schuldenländer investiert werden. So entstünde ein starkes und gemeinsames Europa.

Viertens sei ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld wichtig, bei Banken und Sparern. Er forderte die Trennung von Investment- und Geschäftsbanken. Zuletzt müssten die Regionen gestärkt werden, mit Regionalsparbriefen oder Regionalwährungen wie dem "Chiemgauer". Kessler appellierte an die Zuhörer: "Geld kann viel anrichten. Wir können aber auch viel ausrichten!"


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