Die totgesagte Malerei wieder zum Leben erweckt: Gerhard Richter wird 80
Manches Malergenie wurde erst nach seinem Tod entdeckt, weil die Zeitgenossen seine Bedeutung noch nicht zu erkennen vermochten. Gerhard Richter fällt nicht in diese Kategorie. Ihm ist es vergönnt, schon zu Lebzeiten als "Picasso des 21. Jahrhunderts" (The Guardian) oder "Europas größter moderner Maler" (The New York Times) gerühmt zu werden.
Auf Ranglisten der wichtigsten Künstler stand er oft auf Platz 1. Seine Gemälde erzielen Rekordpreise. Wenn Richter an diesem Donnerstag (9. Februar) 80 Jahre alt wird, dann feiert die Welt den Geburtstag eines Mannes, von dem jetzt schon feststeht, dass er in die Kunstgeschichte eingehen wird.
In der Neuen Nationalgalerie in Berlin öffnet zu Ehren des Künstlers am 12. Februar das "Gerhard Richter Panorama" mit rund 150 Gemälden aus allen Schaffensperioden. Das Gerhard-Richter-Archiv in Richters Heimatstadt Dresden versammelt in der Ausstellung "Atlas" Fotografien, Zeitungsausschnitte, Skizzen und Entwürfe, die der Künstler über Jahrzehnte zusammengetragen hat.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Die totgesagte Malerei wieder zum Leben erweckt: Gerhard Richter wird 80
Einhellige Begeisterung
Richter selbst sieht Lobeshymnen auf sich eher skeptisch: "Was mir bei diesen Anlässen immer sehr unangenehm ist, sind die vielen Menschen, die sagen werden, wie toll die Ausstellung ist", sagte er kürzlich der "Welt am Sonntag". "Das sagen sie immer, es sei ganz toll. Und das bedeutet ja nichts."
Auch mit Sammlern, die Millionenbeträge für seine Werke zahlen, kann er nichts anfangen. "Ein guter Sammler ist für mich jemand, den ich noch nie getroffen habe", sagte er. Die einhellige Begeisterung der Kunstwelt für Richter steht dabei in einem merkwürdigen Gegensatz zu der Ratlosigkeit, mit der das große Publikum seine Bilder betrachtet. Die "Kerze" zum Beispiel, die im Oktober zwölf Millionen Euro erzielte, wirkt geradezu banal. Was soll daran nun so toll sein?
Richter gilt heute als derjenige, der der Malerei doch wieder eine neue Bedeutung gegeben hat. Er belebte alle altbekannten Genres neu: Landschaften, Seestücke, Porträts, Aktbilder, Stillleben - wie die "Kerze" - oder auch Historienbilder: Beispiele dafür sind sein RAF-Zyklus oder sein Gemälde zum 11. September. "Seine Wolkenbilder erinnern sogar an religiöse Malerei, da fehlen eigentlich nur noch die Engelchen", meint Wenzel. "Richter hat das alles wieder aufgegriffen, aber eben ganz anders als vorher."
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Die totgesagte Malerei wieder zum Leben erweckt: Gerhard Richter wird 80
Viele seiner Gemälde sind verwischt und erscheinen dadurch eigenartig diffus. Damit wendet er sich gegen die scheinbare Objektivität der Fotografie. Fotos können ein trügerisches Gefühl von Sicherheit vermitteln: So ist die Wirklichkeit und nicht anders. Richter meint: "Wir sehen doch nur, wie es unser Linsen-Apparat Auge zufällig vermittelt." Ein bekannter Ausspruch von ihm lautet: "Alles sehen, nichts begreifen."
Die Menschen des 21. Jahrhunderts wissen so viel wie nie zuvor, aber nur wenige würden wohl für sich in Anspruch nehmen, die Welt durchschauen zu können. Richter kann es auch nicht. Wenn man ihn fragt, was er dem Betrachter mit seiner Kunst sagen will, pflegt er zu antworten: "Gar nichts." Und doch: Seine Malerei ermutigt in jedem Fall dazu, genauer hinzusehen.
Ein Vorbild für viele jüngere Künstler wurde Richter dadurch, dass er sowohl gegenständlich als auch abstrakt malt. In den 60er Jahren war das undenkbar - abstrakte und realistische Maler standen sich geradezu feindselig gegenüber. Heute gilt auch dank Richter: Alles geht.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Die totgesagte Malerei wieder zum Leben erweckt: Gerhard Richter wird 80
Bunkerähnlicher Riegelbau
"Es gibt für mich keinen Unterschied zwischen einer Landschaft und einem abstrakten Bild", sagte er einmal in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". "Bei einem gegenständlichen Bild male ich den Anblick einer vorhandenen Sache, bei einem abstrakten formt sich allmählich das Bild einer Landschaft, die ich nicht kenne. Aber die Mittel sind die gleichen."
Gerade vor einem abstrakten Bild von Richter denkt so mancher im Stillen: "Das könnte ich auch!" Manches sieht allerdings einfacher aus, als es ist. Und Richter macht es sich mit Sicherheit nicht leicht. Jeden Tag steht er Stunden in seinem Atelier, einem bunkerähnlichen Riegelbau im Kölner Villenviertel Hahnwald. An jedem Werk tüftelt er lange herum. So besteht sein Fenster für den Kölner Dom aus 72 Farbtönen, deren Anordnung von einem Zufallsgenerator zusammengestellt worden ist.
Im Grunde eine einfache Idee. Doch Richter beließ es nicht dabei. Nach langem Probieren entschied er sich dafür, nur die eine Hälfte des Fensters vom Rechner auszulosen, die andere aber zu spiegeln. Dadurch wurde der Gesamteindruck viel ruhiger.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Seit fast 20 Jahren verschönert Oleg Kuzenko Hausfassaden, Innenräume und Parkhäuser der Stadt
Oleg Kuzenko ist ein Allround-Künstler. Egal ob Leinwände, Möbel, Uhren, Hausfassaden oder Parkhauswände: Was dem gebürtigen Ukrainer in die Quere kommt, wird gnadenlos bemalt. Nachdem er bereits im
mehr...
Anna-Victoria Baltrusch gastiert bei "Musica Bayreuth"
1989 wurde sie in Berlin geboren, erhielt bereits mit fünf Jahren Klavierunterricht. Anna-Victoria Baltrusch ist sechsfache Preisträgerin des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" in den Kategorien
mehr...
Tage Alter Musik in Regensburg bieten von 25. bis 28. Mai ein breitgefächertes Programm
Am Pfingstwochenende vom 25. bis 28. Mai finden zum 28. Mal die "Tage Alter Musik" in Regensburg statt. Für die Fachwelt zählen sie zu den weltweit renommiertesten und traditionsreichsten Festivals
mehr...
Das Kindermusical "Ritter Kamenbert" feiert auf der Luisenburg eine gelungene Premiere
Wunsiedel.Ach, es ist schon ein Drama mit den Geschlechterrollen im 21. Jahrhundert: Die jungen Männer wollen einfach keine Machos, pardon, kühnen Recken mehr sein. Dafür gebärden sich die jungen
mehr...
Jos Schnurer hat sich an einem Kriminalroman versucht
Er war schon immer irgendwie ein komischer Kauz: der Doktor Huth von der Kriminalpsychologie. Komisch, aber nicht uninteressant. Denn der Mann, der seinem Namen verpflichtend nicht ohne Hut aus dem
mehr...
In Wolfgang Ammers erstem Krimi ist es vorbei mit der Ruhe im Ampertal
Es ist ein sogenannter Ampertal-Krimi, den Wolfgang Ammer unlängst im Oldenburger Schardt-Verlag vorgelegt hat. Und nicht nur der Leser stutzt über die sonderbaren Vorkommnisse im vermeintlich
mehr...
"Unser Leben ist voller Politik": Der Kabarettist Dieter Hildebrandt wird 85 Jahre alt
Einst war er Platzanweiser im Münchner Kabarett "Kleine Freiheit", heute ist Dieter Hildebrandt selbst der wohl bekannteste Kabarettist Deutschlands. Am heutigen Mittwoch wird er 85 Jahre alt und
mehr...
"Metropol Chamber Orchestra" bietet außergewöhnliches Konzerterlebnis im Amberger Kongregationssaal
Welch ein Debüt! Das erst jüngst von Studenten der Hochschule für Musik in Nürnberg gegründete "Metropol Chamber Orchestra" begann seine Karriere gleich mit zwei Konzerten an einem Tag.
mehr...