Macerata im Ausnahmezustand - In Supermärkten wird Frischware knapp - Rita Lischke im Interview
Lischke:. Weiden. (rg) Weidens Partnerstadt versinkt im Schnee. Nein, nicht etwa Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, sondern Macerata im sonst so milden Mittelitalien. Sämtliche Schulen haben geschlossen. Damit ist auch Rita Lischke vorübergehend arbeitslos: Die gebürtige Bambergerin und Wahl-Maceratesin, vielen Weidenern von Partnerschafts-Besuchen her bestens bekannt, unterrichtet als Lehrerin in einer Nachbarstadt am Meer. Am NT-Telefon schildert sie das Schneechaos.
Sie haben schulfrei?
Rita Lischke: Ja, schnee-schulfrei. Das ist aber nichts Neues.
Dass in Macerata die Schule wegen starken Schneefalls ausfällt?
Lischke: Ja, das kommt eigentlich jedes Jahr vor. Aber nur immer für ein bis zwei Tage. Die derzeitige Schneemenge - und vor allem die Dauer - sind wir dagegen überhaupt nicht gewohnt. Immer wieder schneit es, und kein Ende ist in Sicht. Seit Samstag - in Italien ein regulärer Schultag - sind die Schulen zu.
In der gesamten Region?
Lischke: Ja. Obwohl das bei uns jeder einzelne Bürgermeister entscheidet - weil die Orte ja so unterschiedlich liegen, im Tal oder auf einem Hügel wie Macerata. Heute fällt er die Entscheidung, ob morgen Schule ist oder nicht.
Die Tendenz?
Lischke: Wohl nicht. Von den Dachrändern hängen Schneezungen herrüber, die dann je nach Gewicht abbrechen und runterstürzen, genau wie die Eiszapfen an den Dachrinnen. Ich denke, dass ab Mittwoch die Gehsteige deshalb gesperrt werden. Wir haben nach wie vor enorme Schneemassen in den Straßen. Parkende Autos schauen aus wie kleine rundliche Schneehügel. Die Bäume biegen sich. Alle Bürgermeister fordern die Leute auf, möglichst zu Hause zu bleiben oder öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Die Busse fahren mit Ketten.
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09.02.2012
| Netzcode: 3133482 | 215 Mal gelesen.
Lischke:
Schulfrei wegen Schneechaos
Macerata im Ausnahmezustand - In Supermärkten wird Frischware knapp - Rita Lischke im Interview
Wie hoch liegt der Schnee?
Lischke: 50 bis 60 Zentimeter. Man kommt kaum noch durch. Passanten bewegen sich entweder auf kleinen Pfaden auf dem Gehsteig oder gleich auf der Straße.
Wird nicht geräumt?
Lischke: Doch, die Stadt hat 18 Fahrzeuge im Einsatz - zum Beispiel Bagger, auf die Schneeschaufeln montiert sind. Aber sie kommen einfach nicht hinterher. Bis gestern waren die Straßen durchgehend weiß vom plattgefahrenen Pulverschnee - das wird langsam besser. Viele versuchen, ihr Auto freizuschaufeln und wieder anzuwerfen, um mit angelegten Ketten mal Probe zu fahren.
Und Sie?
Lischke: Ich habe neue Winterreifen und absolut keine Lust, trotzdem an einem Hang im aufgewühlten Mehlschnee hängen zu bleiben. Also warte ich erstmal ab, wann die Schulen wieder starten, um mich dann mit Bus oder Zug zu organisieren.
Wo unterrichten Sie?
Lischke: In Civitanova, eine Stadt am Meer, 30 Kilometer von Macerata entfernt. Am Freitag war dort sogar der Strand weiß. Das ist sehr selten.
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Lischke:
Schulfrei wegen Schneechaos
Macerata im Ausnahmezustand - In Supermärkten wird Frischware knapp - Rita Lischke im Interview
Wie lange wird das Schneechaos noch anhalten?
Lischke: Eine Besserung ist nicht in Sicht. Für Freitag ist ein weiterer Schneesturm angesagt. Den Supermärkten ist die Frischware ausgegangen. Die Zulieferer kamen nicht durch, der Lastwagenverkehr war landesweit lahmgelegt. Frisches Gemüse oder teilweise auch Waren wie Mehl gibt es nicht mehr zu kaufen. Gerade habe ich erfahren, dass die Supermärkte am Meer wieder mit frischem Obst und Gemüse beliefert worden sind. Da das Essen hier in Italien ja ganz wichtig ist - Gesprächsthema Nr.1 - ist diese Neuigkeit unheimlich beruhigend und gibt Hoffnung auf baldiges Regaleauffüllen auch hier auf dem Hügel von Macerata.
Was kommt bei Ihnen notfalls auf den Tisch?
Lischke: Dosen aus dem Keller. So lange noch was übrig ist.
Haben Sie ein solches Schneechaos schon mal erlebt?
Lischke: Nein - nicht, dass es so lange dauert. Und ich lebe jetzt seit 20 Jahren in Italien. Sogar in Rom haben die Schulen geschlossen. Eine absolute Ausnahme. Momentan haben wir um die null Grad, aber jetzt wird es wieder kälter. Der Schnee schmilzt also ganz bestimmt nicht. Es gibt Prognosen, wonach diese Zustände noch bis Ende Februar anhalten sollen.
Wir in Weiden haben dagegen mehr Eis als Schnee.
Meine Nichte Ida (in Drosendorf bei Bamberg) war gestern am Telefon ganz neidisch. Sie wollte auch etwas Schnee und sowieso schulfrei. Dafür hat sie mit ihrem Papa eine Eisfläche im Garten angelegt, um ihre neuen Schlittschuhe auszuprobieren.
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