Von Andrea Prölß |
08.02.2012
| Netzcode: 3132216 | 377 Mal gelesen.
Weiden
"Genial, schwindelerregend und verdammt schwer!"
Der schwedische Geiger Ulf Wallin über Max Regers anspruchsvolles und selten aufgeführtes Violinkonzert A-Dur
Der schwedische Geiger Ulf Wallin, Professor an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, beschäftigt sich schon lange mit Max Reger. Er hat eine beispielhafte Aufnahme sämtlicher Werke Regers für Violine und Klavier vorgelegt. Jetzt hat er auch das Violinkonzert mit dem Münchener Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer auf CD aufgezeichnet. Bild: Annett Melzer
In der Reihe der "Weidener Meisterkonzerte" kommt am 10. Februar (20 Uhr) Max Regers Violinkonzert A-Dur zur Aufführung. Interpreten sind der schwedische Geiger Ulf Wallin und das Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Ulf Schirmer, die das anspruchsvolle Werk im letzten Jahr auf CD eingespielt haben. Die Kulturredaktion führte ein Gespräch mit dem Solisten und Reger-Kenner Ulf Wallin, Professor an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin.
"Hilary Hahn spielt Regers Violinkonzert!" Herr Wallin, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für diese Schlagzeile?
Wallin: Kann und will ich so nicht beantworten.
Anders gefragt, Max Regers Violinkonzert ist weder im Repertoire der internationalen Geigenstars, noch dem großen Publikum präsent. Woran liegts?
Wallin: Die Gründe sind vielfältig. Zum einen gehört das Violinkonzert zu den anspruchsvollsten Werken, die je für Violine und Orchester komponiert wurden. Es setzt vom Solisten immenses technisches und interpretatorisches Können voraus.
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Der schwedische Geiger Ulf Wallin über Max Regers anspruchsvolles und selten aufgeführtes Violinkonzert A-Dur
Und es ist immens lang...
Wallin: Ja, die Aufführungsdauer beträgt fast 60 Minuten. Eine physische wie mentale Herausforderung, die auch vom Publikum volle Konzentration fordert. Für den Veranstalter und den Dirigenten bedeutet das zudem, dass im selben Konzert kaum eine Symphonie gespielt werden kann. Im heutigen Konzertbetrieb sehr schwer vorstellbar. Also für alle Beteiligten ein großer Aufwand und völlig gegen den heutigen Zeitgeist.
Fände das Werk, wenn man es beispielsweise Gustav Mahler "unterjubeln" würde, mehr Beachtung?
Wallin: Kann ich so nicht beantworten. Merkwürdig ist es schon, dass viele Leute eine Abneigung gegenüber dem Schaffen von Reger hegen, ohne es überhaupt gehört zu haben.
Für alle, die das Werk nicht kennen, ein paar Worte zu den einzelnen Sätzen...
Wallin: Der erste Satz ist groß angelegt, lyrisch mit dramatischen Verwicklungen, der zweite ist von einer tief ergreifenden Melancholie und Sehnsucht. Das Rondo-Finale ist "froh und frech", um den Komponisten zu zitieren, hat aber auch schöne lyrische Kantilenen.
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Der schwedische Geiger Ulf Wallin über Max Regers anspruchsvolles und selten aufgeführtes Violinkonzert A-Dur
Reger preist das Werk als "echten Reger". Was darf man darunter verstehen?
Wallin: Genialer, intellektueller und komplexer architektonischer Aufbau, schwindelerregende Modulationen, Rastlosigkeit, unbeschreibliche Stimmungen, ausdrucksstarke Sätze, humorvolle Scherzi. Das macht meiner Meinung nach den "echten Reger" aus.
Reger war ein genialer Komponist, aber kein Geiger. Gibt es im Violinkonzert Stellen, wo sich das bemerkbar macht?
Wallin: Reger war zwar kein begnadeter Geiger, aber er hat das Instrument bis zu seinem 16. Lebensjahr gespielt. Nach Aussagen von Elsa Reger (Max Regers Ehefrau, Anm. d. Red.) hegte er den Wunschtraum "Geiger zu sein, um sein musikalisches Fühlen besser ausdrücken zu können". Das erklärt auch den bevorzugten Platz, den er dem Instrument in seinem Schaffen einräumt. Das Konzert ist nicht un-geigerisch, aber verdammt schwer!
An welche spieltechnischen Grenzen führt Reger den Solisten?
Wallin: An jede Grenze!
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"Genial, schwindelerregend und verdammt schwer!"
Der schwedische Geiger Ulf Wallin über Max Regers anspruchsvolles und selten aufgeführtes Violinkonzert A-Dur
Wie schwierig ist in diesem Konzert die Balance zwischen Solist und großem Orchester?
Wallin: Tatsache ist, dass der Violinpart nicht wie traditionsgemäß über den Orchesterpart dominiert, sondern sich inmitten aller, also frei im Satz bewegt. Eine wirklich gute Balance kann nur dann erzielt werden, wenn der Orchesterpart - übrigens wie Reger selbst betont - "höchst dezent" gespielt wird, wenn alle dynamischen Hinweise extrem genau realisiert werden. Ein wahres Kunststück für den Dirigenten und für das Orchester!
Ein Kunststück, das Ulf Schirmer und das Münchner Rundfunkorchester beherrschen?
Wallin: Ohne Frage, Ulf Schirmer hat die richtige Hand für diese Musik!
Wenn Sie mit einer Schlagzeile für Regers Violinkonzert werben sollten, wie könnte diese lauten?
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