Von Peter Geiger |
07.02.2012
| Netzcode: 3131014 | 361 Mal gelesen.
Sulzbach-Rosenberg
Schmidt, Kafka, Mühsam und der Beat
Literaturhaus leistet mit Frühjahrsprogramm Beitrag zur Wiederauferstehung großer Figuren der Literaturgeschichte
Ob da Magie im Spiel ist? Oder ist es nur der Frühling? Jedenfalls wird das Programm im Literaturhaus Oberpfalz für die kommenden Monate einen gewaltigen Beitrag zur Wiederauferstehung von Figuren wie Arno Schmidt, Franz Kafka, Erich Mühsam und den Vertretern der amerikanischen Beat-Generation leisten. Die Kraft des Wortes vermag so viel! Ein Gespräch mit Patricia Preuß, der Programmleiterin des Literaturhauses.
Am 9. Februar kommt mit Uwe Timm einer der wichtigsten Chronisten der Bundesrepublik ins Literaturhaus - und er wird begleitet von Thomas Geiger. Worauf dürfen sich die Besucher da freuen?
Patricia Preuß: Uwe Timm wird aus seiner Novelle "Freitisch" lesen - eine Hommage an Arno Schmidt und gleichzeitig ein ironischer Text über literarischen Personenkult. Zwei Arno-Schmidt-Leser treffen sich nach langer Zeit wieder und erinnern sich an ihre Studentenzeit in den 1960er Jahren, in der sie am Freitisch in der Kantine eines Versicherungsunternehmens verköstigt wurden und sich dort über Arno Schmidt die Köpfe heißredeten.
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Sulzbach-Rosenberg
Schmidt, Kafka, Mühsam und der Beat
Literaturhaus leistet mit Frühjahrsprogramm Beitrag zur Wiederauferstehung großer Figuren der Literaturgeschichte
Der Englischlehrer Horst Spandler wird mit Schülern eine Ausstellung zum Thema Beat-Generation konzipieren: Auf welche Archivbestände kann er da zurückgreifen?
Preuß: Das P-Seminar des Neumarkter Gymnasiums hat eine sehr kreative Kabinettausstellung zur Beat-Generation zusammengestellt und den Briefen und Manuskripten von Größen wie Allen Ginsberg, die sich dazu in Höllerers Nachlass finden, schöne Buchexemplare und Plakate, ja sogar T-Shirts mit Bezügen zu dieser Frühzeit der Popliteratur beigefügt. Vernissage ist am 29. Februar.
Am 16. März wird Michael Kumpfmüller aus seinem hochgelobten Roman "Die Herrlichkeit des Lebens" lesen. Kumpfmüller erzählt das letzte Lebensjahr Franz Kafkas, über das man aus den Quellen nur recht wenig weiß.
Preuß: Kumpfmüller hat sich sehr intensiv mit Kafkas Tagebüchern, seinen Briefen und auch den letzten Texten auseinandergesetzt und zeigt Kafka von einer unbekannten Seite: nicht den düsteren, unglücklichen, sondern einen heiteren Kafka. Seine letzte Liebe, Dora Diamant, war wohl die Einzige, auf die er sich so richtig einlassen konnte, obwohl er in dieser Zeit schon schwer erkrankt war.
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Schmidt, Kafka, Mühsam und der Beat
Literaturhaus leistet mit Frühjahrsprogramm Beitrag zur Wiederauferstehung großer Figuren der Literaturgeschichte
Am 21. März und 26. April setzen Sie eine Tradition im Literaturhaus fort: Sie wollen ganz junge und jugendliche Leser ansprechen.
Preuß: Seit ein paar Jahren veranstalten wir zum Welttag des Buches Lesungen für Kinder und Jugendliche: dieses Jahr mit Juma Kliebenstein, die ihren aktuellen Titel "Bettys ultimativer Berater-Blog" vorstellt. Am 21. März (15 Uhr) setzen wir unsere Reihe "Kinderbuchschnuppern" fort, eine Mischung aus Vorlesen und Vorstellen neu erschienener Bücher, zu der Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern eingeladen sind.
Am 29. März geht es dann wieder zurück in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, wenn die Tagebücher von Erich Mühsam vorgestellt werden. Herausgeber Chris Hirte wird zu Gast sein.
Preuß: Im März erscheint bereits der zweite Band dieser Tagebücher, die Chris Hirte präsentiert und aus denen der Regensburger Schauspieler Fritz Barth lesen wird. Hirte ist auch der Biograph des Dichters und Anarchisten Erich Mühsam. Die ersten Bände umfassen Aufzeichnungen aus den Jahren 1910 bis 1912 - Mühsams Münchener Zeit zwischen Polit-Propaganda und Künstler-Boheme.
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Am 28. April setzen Sie mit den "TexTouren" eine weitere Tradition fort - diesmal aber in anderer Form als die beiden ersten Male.
Preuß: Die lange Nacht der Literatur wird sich diesmal auf sechs Orte konzentrieren. Dafür sind für Lesungen und Aktionen 30 bis 40 Minuten eingeplant. Jeder kann sein Programm selbst zusammenstellen: So wird Harald Grill mit neuen Mundartgedichten dabei sein oder Klaus Bittermann mit dem Titel "Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol".
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