Ein Vielschreiber - Zum 200. Geburtstag des englischen Schriftstellers Charles Dickens
Auch 200 Jahre nach seinem Geburtstag kennen seinen Namen noch die meisten. Eine lebensgroße Statue erinnert in Sydney an den britischen Schriftsteller Charles Dickens. Bild: dpa
Er wollte mehr: Ein Löffel Haferschleim war dem Waisenknaben Oliver Twist zu wenig. Auch sein geistiger Vater, der englische Schriftsteller Charles Dickens (1812-1870), wollte stets mehr, selbst als er schon ein erfolgreicher Schriftsteller war. Das bekamen seine Herausgeber zu spüren, seine Frau und seine Kinder. Die Leser rührte Dickens mit seinen Sozialromanen, im privaten Umfeld galt er als egozentrisch und habgierig. Vor 200 Jahren, am 7. Februar 1812, wurde er in Landport bei Portsmouth geboren.
Als Dickens seinen berühmten Roman "Oliver Twist" (1837) schrieb, wusste er, wovon er sprach. Schließlich hatte er selbst als Zwölfjähriger in einer Fabrik für Schuhwichse und Ofenschwärze zwölf Stunden täglich Büchsen mit Etiketten beklebt und verpackt, um den Unterhalt für seine Familie zu sichern. Sein Vater, ein Büroangestellter der Navy, saß derweil im Schuldgefängnis, weil er seine acht Kinder nicht mehr ernähren konnte. Vorbei war damit "die goldene Zeit meiner Kindheit", wie der Autor später seine ersten Jahre an der Küste nannte.
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Ein Vielschreiber - Zum 200. Geburtstag des englischen Schriftstellers Charles Dickens
Name als Romancier
Im Londoner Stadtteil Camden Town lernte er die Leidensgefährten kennen, die später seine Romane bevölkerten: Sie kamen aus der Gosse wie die kleinen Taschendiebe des Hehlers Fagin in "Oliver Twist". Sie arbeiteten in den Fabriken der frühen industriellen Revolution wie David Copperfield, Titelheld des gleichnamigen Bildungsromans (1849), in dem Dickens seine Jugend verarbeitete. Oder sie befreiten Verbrecher von ihren Ketten und stiegen später in die versnobte Oberschicht auf, wie Pip in "Große Erwartungen" (1860).
Mit den "Pickwickiern", die 1836/37 in monatlichen Heften erschienen, machte sich Dickens einen Namen als Romancier. Mr. Pickwick war der geistige Mittelpunkt eines Klubs. Nachdem Dickens die bodenständige und warmherzige Figur des Sam Weller, Hausknecht bei Pickwick, eingeführt hatte, stieg die Auflage rasch von 400 auf 40 000 Exemplare. Der Mann aus dem Volk eroberte die Herzen der Leser. Den Medizinern unter ihnen fiel eher der schläfrige Joe auf: Nach ihm nannten sie die Schlafapnoe zunächst "Pickwick-Syndrom".
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Dickens, bald selbst Mitglied des Garrick-Clubs und Herausgeber der liberalen Tageszeitung "Daily News", veröffentlichte nach seinem Erfolg mit "Oliver Twist" von 1843 an jährliche Weihnachtsgeschichten. Am bekanntesten wurde die erste: "A Christmas Carol" mit dem hartherzigen Geizkragen Scrooge, der sich zum Wohltäter wandelt. Dickens wollte seine Zeitgenossen aufrütteln und zur Wohltätigkeit bewegen. Berühmtheiten wie der Historiker Thomas Carlyle oder der Herzog von Wellington ließen sich von den sentimentalen Passagen in den Frühwerken rühren. Doch daheim schalt Dickens seine Gattin wegen ihrer ständigen Schwangerschaften, das Ehepaar hatte zehn Kinder. 1858 verließ er Catherine Hogarth nach 22 Jahren Ehe wegen einer jungen Schauspielerin.
Letztes Werk unvollendet
Sein letztes Werk "Das Geheimnis des Edwin Drood" blieb unvollendet. Am 9. Juni 1870 erlitt er im Speisezimmer seines Landsitzes Gad's Hill Place in Rochester einen Schlaganfall. Forscher bemühen sich seitdem, die kriminalistische Schauergeschichte zu Ende zu schreiben. Dickens wurde in der Westminster Abbey beigesetzt.
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