Von Stefan Rimek |
07.02.2012
| Netzcode: 3131010 | 428 Mal gelesen.
Regensburg
Antikes Feuer und Neue Sachlichkeit
Ausführende brillieren in "Elektra" am Theater Regensburg - Inszenierung nicht restlos überzeugend
Die 1909 uraufgeführte Oper "Elektra" aus der Feder von Richard Strauss nach dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal stellt nicht gerade geringe Anforderungen an das Orchester und die Bühnenakteure. Deshalb sollte man sich an einem Theater gut überlegen, ob man die befähigten Kräfte hat, um sich dieser Herausforderung zu stellen.
Treffende Besetzung
Am Theater Regensburg hat man diese Kräfte. Das beweist die aktuelle Produktion der Oper unter der Regie von Kay Metzger und der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban. Weil sie es verdient haben, fangen wir ausnahmsweise mal mit den Ausführenden und nicht mit der Regie an. So waren an diesem Premierenabend im Theater am Bismarckplatz alle Hauptrollen treffend besetzt und in all diesen Rollen konnten die Bühnenakteure den Anforderungen gerecht werden.
Sabine Hogrefe gibt in dieser Produktion eine durchsetzungskräftige und präsente Elektra, welche in den leidenschaftlichen Rezitativen und in den großen Intervallsprüngen souverän agiert und auch zu dynamischen Nuancen fähig ist. Ihre Textartikulation lässt kaum etwas zu wünschen übrig. Ihr in nichts nach steht Allison Oakes (Chrysothemis), die auf beeindruckende Art zeigt, wie sicher und kraftvoll sie auch in den Höhen ist.
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Regensburg
Antikes Feuer und Neue Sachlichkeit
Ausführende brillieren in "Elektra" am Theater Regensburg - Inszenierung nicht restlos überzeugend
Seymur Karimov gibt mit angenehm sonorer Bass-Stimme und verständlicher Textartikulation einen würdigen Orest. Auch die schauspielerische Leistung konnte überzeugen. Aber auch Manuela Bress als Klytämnestra, Enrico Lee als Aegisth und alle anderen tragen durch ansprechende Leistungen zum Wert dieser Premiere bei. Letzteres gilt auch für den von Christoph Heil einstudierten Chor. Sehr großes Lob muss man dem Orchester machen, das unter Bans Leitung die nicht leicht zu nehmende Partitur mit Energie und Leidenschaft umzusetzen wusste. Man spürte in der Ausführung auch Sinn für Details. Selbst in den wilden Fortissimo-Ausbrüchen wirkte der Klangkörper beeindruckend geschlossen und diszipliniert.
Sachliches Ambiente
Über die Atmosphäre, die Regisseur Kay Metzger zusammen mit Ausstatter Michael Heinrich hier schuf, lässt sich diskutieren. Sowohl Bühnenbild als auch Kostüme weisen eine Neue Sachlichkeit auf, wie man sie Ende der zwanziger Jahre im 20. Jahrhundert zelebrierte. Die Inszenierung spielt ausschließlich in einem leicht an den sachlichen Bauhausstil erinnernden Treppenvorraum mit dunkelgrauen Marmorsäulen und der passend dazu gestalteten großen geschwungenen Treppe.
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Regensburg
Antikes Feuer und Neue Sachlichkeit
Ausführende brillieren in "Elektra" am Theater Regensburg - Inszenierung nicht restlos überzeugend
Bühnenbild und Kostüme sind von Schwarz bis Weiß in verschiedenen Graustufen gehalten. Insgesamt bietet dieses sachliche Ambiente einen nur schwer nachvollziehbaren Rahmen für einen Stoff, in welchem das heroische Feuer der Antike brennt. Pathos und Mythos werden von dieser Sachlichkeit erdrückt.
Die Inszenierung birgt aber auch noch andere Unzulänglichkeiten. So ist kaum zu verstehen, warum Aegisth bei seiner Ermordung durch Orest nach zahlreichen Messerstichen immer noch kraftvoll nach Hilfe rufen kann, und das klischeehafte Spiel mit dem Rollstuhl der Klytämnestra, in dem dann auch noch sinnigerweise Elektra ihr Ende findet, wirkt leicht ermüdend. Die Bewegungsabläufe erscheinen zum Teil etwas standardisiert und weisen kaum Überraschendes auf. Der Applaus war anhaltend - für die Ausführenden zu Recht, für die Inszenierung schmeichelhaft.
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