Von Stefan Rimek |
06.02.2012
| Netzcode: 3129492 | 495 Mal gelesen.
Regensburg
Prinz und Prinzessin im Schrebergarten
Veit Güssow inszeniert Büchners "Leonce und Lena" am Theater Regensburg als amüsantes absurdes Spektakel
Prinzessin Lena (Julia Baukus), der Hofmeister (Christoph Bangerter), König Peter (Jan-Hinnerk Arnke) und Prinz Leonce (Daniel Tille) feiern doch noch die ersehnte Hochzeit. Bild: Theater Regensburg
Bei einer Neuinszenierung des von Georg Büchner 1836 geschriebenem Lustspiels "Leonce und Lena" stellen sich zwei große Fragen. Erstens: Will ein Regisseur die Botschaft gegen das kleinkarierte Denken der Kleinstaaterei zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ihrem ursprünglichen Anliegen heutzutage noch so vermitteln wie sie von Büchner geplant war? Und zweitens, wenn ja, wie kann er diese Vermittlung so gestalten, dass eine Produktion dieses Stücks die Botschaft des Autors über die Bühne bringt und gleichzeitig für das heutige Publikum packend und amüsant wirkt?
Neue Sicht auf Büchner
Das ist keine geringe Herausforderung. Aber Regisseur Veit Güssow hat bei seiner Inszenierung des Stücks am Theater Regensburg einen faszinierend eigenständigen Weg gefunden, der beiden Fragen gerecht wird. Es ist ihm mit einer Übertragung des Stoffes in eine spießige Schrebergarten-Atmosphäre gelungen, Büchner als Vorreiter des absurden Theaters, wie wir es von Ionesco oder Beckett her kennen, für das heutige Publikum fesselnd zu gestalten.
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Regensburg
Prinz und Prinzessin im Schrebergarten
Veit Güssow inszeniert Büchners "Leonce und Lena" am Theater Regensburg als amüsantes absurdes Spektakel
Güssow dreht die Schraube vollends ins Absurde und Groteske. Da vergöttert der vertrottelte König Peter vom Reiche Popo seine Gartenzwerge als Berater, Valerio läuft als durchgeknallter Cowboy durch die Gegend, die Gouvernante von Lena hat permanent deutlich hörbare Verdauungsprobleme und da werden zu Bier und Bratwürsten dreckige Witze vom Stapel gelassen. So wird Büchners Originaltext viel hinzugefügt, unter anderem auch Songs von Howard Carpendale bis Marianne Rosenberg, die zum Teil Leonce auf der Gitarre begleitet. Damit aber nicht genug. In seinem Frust auf die verwöhnte Belanglosigkeit seiner Welt wird der Prinz Leonce hier und da schon mal gehörig aggressiv, was am Anfang seine ihn langweilende Geliebte Rosetta, die hier als Schlampe agiert, deutlich zu spüren bekommt. Dennoch verträgt das Stück das ganze Spektakel und den Slapstick, auch weil Güssow sich hier wirklich ein Feuerwerk an amüsierenden Details ausgedacht hat.
Vom Feinsten
Allen Bühnenakteuren ist ein großes Kompliment zu machen. Was Paul Kaiser hier als durchgeknallter Cowboy Valerio auf die Bühne bringt, ist schauspielerisch vom Feinsten und beweist einmal mehr sein großes komödiantisches Talent. Aber auch Daniel Tille als genervter und nach dem Sinn des Lebens suchender Leonce, Julia Baukus als Disco-Girlie Lena, Jan-Hinnerk Arnke als vertrottelter König, Doris Dubiel als Gouvernante, Gabriele Fischer als Rosetta und Christoph Bangerter in der Rolle des sich im Gartenzwerg-Outfit leicht autistisch verhaltenden Hofmeister zeigen große Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke.
Zu diesem amüsanten Spektakel schufen Bühnenbildner Martin Scherm und die Kostümbildnerin Esther Bätschmann das passende Ambiente. So war der Applaus im Theater am Haidplatz an diesem Premiere-Abend in jeder Hinsicht zurecht intensiv und anhaltend.
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