Von Rudolf Barrois |
02.02.2012
| Netzcode: 3126006 | 188 Mal gelesen.
Weiden/Flossenbürg
Dunkle Erinnerung an gelebten Alptraum
Der ehemalige KZ-Häftling Jack Terry stellt in Weiden einen ZDF-Dokumentarfilm über seine "zwei Leben" vor
Ein rüstiger alter Mann in den Straßen von New York. Er lächelt in die Frühlingssonne, blickt hinüber zur Freiheitsstatue und zur Skyline von Manhattan. Der 82-jährige Jack Terry hat einen amerikanischen Traum gelebt, genießt jetzt sein Leben, wenn er sich im Kanu über den East River gleiten lässt. Es ist sein zweites Leben. Das erste hatte im Osten von Polen begonnen, in einer kleinen Stadt, die im Oktober 1942 von der SS umstellt wurde.
Das ZDF hat in einer bemerkenswerten Dokumentation versucht, diese beiden Leben nebeneinander zu stellen. "Die zwei Leben des Jack Terry" wurde von Terry persönlich am Dienstagabend einem sehr betroffenen Weidener Publikum in der Regionalbibliothek vorgestellt.
Der neunjährige Jakub Szabmacher, so Terrys Geburtsname, konnte nicht ahnen, dass die Flugzeuge, die er Anfang September 1939 über seiner ostpolnischen Heimatstadt hört, einen Schatten auf seine Jugend werfen werden. Er ahnt es, als im Februar 1940 auch in Ostpolen Jagd auf Juden gemacht wird, und er weiß es, als im Oktober 1942 SS-Truppen die Stadt umstellen und die jüdische Bevölkerung verschleppen - vermutlich ins Vernichtungslager Sobibor.
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Weiden/Flossenbürg
Dunkle Erinnerung an gelebten Alptraum
Der ehemalige KZ-Häftling Jack Terry stellt in Weiden einen ZDF-Dokumentarfilm über seine "zwei Leben" vor
Auf der Spurensuche
70 Jahre danach ist er wieder dort. Die Menschen, die jetzt sein Elternhaus bewohnen, empfangen ihn freundlich. Bilder seiner Familie werden wieder gegenwärtig: der Vater, die Mutter, die beiden Schwestern und der Bruder, der mit zwölf Jahren als erster aus der Familie den Mördern zum Opfer fiel. Und dann hält er eine Namensliste aus dem Konzentrationslager Neuengamme in der Hand. Sie ist alles, was ihm von seinem Vater geblieben ist.
Jack Terry auf der Fähre nach Manhattan: Die Freiheitsstatue hat für ihn, der fünf Jahre lang als Bub Unfreiheit und Terror erlebte, eine besondere Bedeutung. Mehrmals entgeht er mit viel Mut und Glück dem Tod, begegnet dabei auch jenem Ammon Göth, der als Kommandant des Lagers Plassow in "Schindlers Liste" traurige Berühmtheit erlangte. Und dann Flossenbürg. Zwei Monate im Steinbruch, danach in der Flugzeugmontage und in der Wäscherei. "Ich habe erfahren, was Vernichtung durch Arbeit bedeutet", sagt Terry. Im März 1945 kann der 15-Jährige, inzwischen auf 35 Kilo Körpergewicht abgemagert, sich in den Heizungskanälen des Lagers verbergen, bis am 23. April amerikanische Truppen das Lager befreien. Im April 2010 steht Terry wieder auf dem Appellplatz, den er als Bub fürchten gelernt hatte.
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Dunkle Erinnerung an gelebten Alptraum
Der ehemalige KZ-Häftling Jack Terry stellt in Weiden einen ZDF-Dokumentarfilm über seine "zwei Leben" vor
Gespräch mit Zuschauern
Sein fotografisches Gedächtnis lässt wieder jene schreckliche Szene lebendig werden, als Häftlinge auf dem Appellplatz einen Mithäftling unter sich begruben, um ihm sein Stück Brot wegzunehmen. Tränen in den Augen des alten Mannes, als ihn Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit in die ehemalige Wäscherei führt, wo eine beeindruckende Dokumentation an die Zeit von 1938 bis 1945 erinnert.
"Ihr habt uns unsere Würde zurückgegeben", sagt Terry. Und dann führt er junge Menschen durch die Gedenkstätte. Jack Terry wird wieder zu Jakub Szabmacher, wenn er ehemaligen Mitgefangenen begegnet. David Arben zum Beispiel, der wie er in den Vereinigten Staaten ein zweites Leben beginnen konnte.
Die Frage stand im Raum: Was wird sein, wenn die Zeitzeugen nicht mehr leben? Das beschäftigte auch die Zuhörer, die im Dialog mit Terry und Skriebeleit nach der Filmvorführung das Gesehene vertiefen wollten. Dabei wurde klar: Das Interesse der Jugend an den Vorgängen von damals, die Fragen nach Motiven und Hintergründen, geben doch Anlass zur Hoffnung.
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Dunkle Erinnerung an gelebten Alptraum
Der ehemalige KZ-Häftling Jack Terry stellt in Weiden einen ZDF-Dokumentarfilm über seine "zwei Leben" vor
Am Ende bleibt aber Terrys Erkenntnis, dass die Welt nichts dazugelernt hat seit jenen Tagen, als aus Jakob Szabmacher Jack Terry wurde, der sich als Botschafter einer besseren Zukunft begreift.
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Jack Terry stellt den ZDF-Film " Die zwei Leben des Jack Terry" auch heute, 2. Februar, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Flossenbürg vor. Karten an der Abendkasse.
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