Von Susanne Wolke |
24.01.2012
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Regensburg
Die andere Seite des Kunsthistorikers
Ausstellung im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg zeigt den renommierten Professor Jörg Traeger als Maler
Auf dem Gebiet der Kunstgeschichte war er eine Koryphäe - wenn er selbst malte, gönnte er sich eine anachronistische Haltung: Jörg Traegers Bilder schweben zwischen Impressionismus und Expressionismus. Bild: Wolke
Irgendwann hätte er wohl sowieso selbst angefangen zu malen: Jörg Traeger, jahrelanger Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg, widmete sein Leben der Kunst. Und bei seinem Talent war es nahe liegend, dass er selbst einmal den Pinsel in die Hand nahm. Doch für Traeger war die Malerei mehr als nur ein Ausgleich zur Wissenschaft. Von Anfang an fuhr der spätere Professor zweigleisig: Parallel zum Studium der Kunstgeschichte besuchte er schon als junger Mann die Akademie der Bildenden Künste in München.
Ein Aspekt, der oft übersehen wird. Zu Unrecht, wie nun die Ausstellung "Jörg Traeger - als Maler" im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein deutlich vor Augen führt. In Zusammenarbeit mit der Universität wird die schaffende Seite des international renommierten Kunsthistorikers hervorgehoben. 2005 ist Traeger überraschend gestorben, in diesen Tagen wäre er 70 Jahre alt geworden.
Farbintesiver Reigen
Die Ausstellung stellt nun den ansonsten stets Forschenden selbst in den Mittelpunkt. In einem farbintensiven Reigen wird die künstlerische Entwicklung Traegers nachgezeichnet: von den frühen Aquarellen, die unter Oskar Kokoschka in der Salzburger Sommerakademie entstanden, bis hin zu den schillernden Landschaftsdarstellungen der späteren Jahre.
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Ausstellung im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg zeigt den renommierten Professor Jörg Traeger als Maler
Auch die Linolschnitte, mit denen Traeger 1965 Kafkas "Der Prozess" illustrierte, sind zu sehen. Bei dem Zyklus handelt es sich um Traegers Staatsexamen. Mit den deutlich an den Expressionismus angelehnten Darstellungen ging er 1966 als Jahrgangsbester von der Akademie der Bildenden Künste ab.
"Man hätte ihm durchaus auch eine eigenständige Karriere als Maler zutrauen können", sagt Professor Dr. Hans-Christoph Dittscheid im Nachhinein über den Kollegen. Dass der Maler Jörg Traeger gegenüber dem Wissenschaftler in den Hintergrund trat , hängt mit dessen überragenden Leistungen auf dem Gebiet der Kunstgeschichte zusammen: Mit Rasanz legte der 1942 in Rosenheim Geborene eine Karriere hin, die ihresgleichen sucht.
Im Alter von gerade einmal 34 Jahren wurde Traeger 1976 an den Regensburger Lehrstuhl für Kunstgeschichte berufen. Die Liebe zu der Stadt behielt ihn hier bis zu seinem Tod. Als Gastdozent reiste er um die Welt. Noch kurz vor seinem tödlichen Herzinfarkt lehrte Traeger als "Visiting Professor" an Universitäten in Taiwan und Finnland.
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Ausstellung im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg zeigt den renommierten Professor Jörg Traeger als Maler
"Quer zum Mainstream"
Auch bei seinen Bildern schimmert Traegers kunsthistorische Ader durch. Und sein Selbstbewusstsein: Mit deutlicher Lust an der Sache und völlig unberührt von aktuellen Anforderungen malte Traeger, wie es ihm passte: in späteren Jahren vor allem Landschaftsansichten, die stilistisch irgendwo zwischen Impressionismus und Expressionismus liegen.
"Dass Kritiker seine Malerei einmal als 'quer zum Mainstream stehend' bezeichnen würden, war dem in historischen Perspektiven denkenden Jörg Traeger von vornherein klar", betonte Dittscheid anlässlich der Vernissage. "Er hätte dieses Urteil selbst unterschrieben, ohne es als Verurteilung zu empfinden."
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Die Ausstellung "Jörg Traeger - als Maler" ist bis zum 20. Februar im Kunst- und Gewerbeverein (Ludwigstraße 6) in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr sowie Samstag, Sonn- und Feiertag von 10 bis 18 Uhr. Telefon 0941/58160.
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