Von Marielouise Scharf |
12.01.2012
| Netzcode: 3102087 | 377 Mal gelesen.
Amberg
Helmut Zierl brilliert als Schwerenöter
"Die Wahrheit - von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen" im Stadttheater
Um die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit ging es am Dienstag im Stadttheater Amberg. Und dabei wurde gelogen, dass sich die ehrwürdigen Balken nur so bogen. Nach solch einem tollen Abend war klar, dass das Publikum die Akteure begeistert feiert. Helmut Zierl, Karin Boyd, Uwe Neumann und Susanne Berckhemer zelebrierten Florian Zellers Komödie "Die Wahrheit - von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen" mit so brennender Energie, wie es nur selbstsichere und außergewöhnliche Schauspielerpersönlichkeiten vermögen.
Entspannter Regisseur
Da hatte Regisseur Peter Lotschak gut lachen. Völlig entspannt saß er in der Seitenloge und verfolgte seine Schützlinge, wie sie sich am Premierenabend durch das Lügen-Labyrinth hangelten. Von Bild zu Bild, vom Hotelzimmer zum Praxisbüro, von der Wohnlounge zum Umkleideraum - die Männer mit den Kappen beherrschten die schnellen Umbauten im Dämmerlicht perfekt. Und die hervorragende Lichtkonzeption sowie das puristische Bühnenbild von Rolf Spahn illustrierten die sieben Szenen unkompliziert, aber markant.
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Amberg
Helmut Zierl brilliert als Schwerenöter
"Die Wahrheit - von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen" im Stadttheater
"Ich liebe es, mit dir zu schlafen", tönt die Stimme von Alice (Susanne Berckhemer) aus einem zerwühlten Bett, das als einziges Möbel auf der Bühne steht. "Ach ja?", brummt Michel (Helmut Zierl). Das Stück des jungen französischen Dramatikers und preisgekrönten Romanciers rollt an. Übersichtlich und in klaren Entwicklungsschritten wird von Michel berichtet - verheiratet und seit sechs Monaten mit Alice, der Ehefrau seines besten Freundes Paul, liiert.
Sehr schnell wird klar: Für Michel ist Wahrheit etwas sehr Zweifelhaftes. "Wenn die Leute von heute auf morgen aufhören würden, sich zu belügen, gäbe es kein einziges Paar mehr auf Erden. Und in gewisser Hinsicht wäre das das Ende der Zivilisation", so lautet sein Credo. Modern, maliziös und pikant-charmant inszeniert Lotschak das ebenso amüsante wie tragische Stück. Er führt seine Schauspieler an der langen Leine. Michel, der "beste Freund, beste Ehemann und beste Ehebrecher", wird von Helmut Zierl herausragend charakterisiert. Anfangs noch ein wenig leise, dann aber auch akustisch immer besser verständlich, steigert er sich in die Rolle. Fein nuanciert ist sein Spiel, funkelnd sind die Facetten des betrogenen Betrügers, der sich angesichts der Unwahrheiten der anderen schockiert gibt.
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Amberg
Helmut Zierl brilliert als Schwerenöter
"Die Wahrheit - von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen" im Stadttheater
Triumph der Lüge
Er beschwört die Geliebte Alice, ihrem Mann Paul nicht die Wahrheit zu sagen, einfach aus Rücksicht auf ihn, aus Liebe und Respekt. Kongenial spielt Uwe Neumann die Rolle des betrogenen Ehemannes, besten Freundes und Tennispartners. Laurence, Michels Frau, wird von Karin Boyd souverän skizziert. Sie fühlt bei ihrem Mann, mit dem sie 20 Jahre verheiratet ist, keine Schmetterlinge im Bauch mehr - dafür sind die Falter auf ihrem Pullover aufgedruckt.
Am Ende steht im Namen der Wahrheit ein Triumph der Lüge: Laurence und Michel nehmen sich in die Arme, erleichtert, wieder einmal um die Wahrheit herumgekommen zu sein. Wer hat nun mit wem, wann und wie oft ... und überhaupt? Licht aus, Vorhang.
So kann es heuer im Stadttheater weitergehen: das Haus voll, das Stück intelligent, die Schauspieler brillant.
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