Von Susanne Wolke |
30.12.2011
| Netzcode: 3090567 | 211 Mal gelesen.
Regensburg
Schwarz-weiße Welt in farbigen Räumen
Sehenswerte Regensburger Ausstellung zeigt meisterhafte Druckgrafiken von Dürer bis Schongauer
Der Holzschnitt Albrecht Dürers zeigt die Beweinung Christi. Das Blatt aus der Zeit um 1510 ist in der aktuellen Ausstellung in Regensburg zu sehen. Repro: Wolke
Ein liebenswerter Sammler, eine Handvoll engagierter Wissenschaftler, ein Künstler, der die Ausstellungsräume in Vibrationen versetzt, und natürlich ein Konvolut meisterhafter Druckgrafiken des 15. und 16. Jahrhunderts: Diese Kombination zündet auch in Regensburg. Eine Ausstellung mit Blättern von Dürer bis Schongauer zeigt momentan, was man aus dem Historischen Museum und dessen Beständen machen kann, wenn man nur will.
"Himmel und Erde in Schwarz-weiß" lautet der Titel der dort jüngst eröffneten Sonderausstellung. Gezeigt wird ein kleiner Schatz: mehr als 50 Druckgrafiken von Künstlern wie Hans Baldung, Sebald Beham und Lucas Cranach dem Älteren. Der Naturwissenschaftler, Sammler und seiner Heimat Regensburg stets verbunden gebliebene Hans Dachs hat die Blätter dem Museum vermacht. Es handelt sich dabei nur um einen kleinen Teil der wertvollsten Schenkung, die das Haus je erhalten hat.
Dass Hans Dachs, der "überaus liebenswerte und umfassend gebildete ältere Herr", wie ihn Oberbürgermeister Hans Schaidinger charakterisiert, selbst nicht mehr an der Eröffnung teilnehmen konnte, stimmt viele traurig. Der Sammler ist vor wenigen Wochen gestorben.
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Regensburg
Schwarz-weiße Welt in farbigen Räumen
Sehenswerte Regensburger Ausstellung zeigt meisterhafte Druckgrafiken von Dürer bis Schongauer
Keine grauen Relikte
Was die Kuratoren mit seinem kostbaren Erbe gemacht haben, überrascht durchaus. Denn schwarz-weiß ist die Ausstellung eigentlich nur im Titel. Die Räume, in denen die atemberaubende Bilderflut der deutschen Druckgrafik nach knapp 500 Jahren wieder hervorbricht, schwelgen in Farbe.
Der Künstler Klaus Caspers, der für die visuelle Präsentation herangezogen wurde, führt die Druckgrafiken nicht als graue Relikte der Vergangenheit vor, sondern als das, was sie einst waren: eine durchschlagende Neuheit, die die Welt veränderte.
"Die Malerei war gut für die Reputation, die Druckgrafik war gut fürs Geschäft", umschreibt Prof. Dr. Albert Dietl vom Regensburger Institut für Kunstgeschichte die Situation in Deutschland um 1500. Von Albrecht Dürer ist eine Hochrechnung erhalten, in der er zu einem deutlichen Schluss kommt: Hätte er Druckgrafiken produziert anstatt einen Altar gemalt, "so wollte ich um 1000 Gulden reicher sein". Förmlich aus der Hand gerissen wurden Dürer und seinen Kollegen die bedruckten Blätter. Und zwar nicht mehr nur von reichen Mäzenen, sondern auch von Gläubigen, die ein Andachtsbild brauchten, von Hausbesitzern, die ihre Möbel verschönern wollten, von Trauernden, die ihren Verstorbenen ein Bild mit auf den letzten Weg geben wollten. "Die Druckgrafik veränderte den traditionellen Status des auftragsabhängigen Künstlers", so Dietl.
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Regensburg
Schwarz-weiße Welt in farbigen Räumen
Sehenswerte Regensburger Ausstellung zeigt meisterhafte Druckgrafiken von Dürer bis Schongauer
Totentänze und Körper
Die Ausstellung im Historischen Museum gibt einen Einblick in die Drucke, die die Menschen des 15. und 16. Jahrhunderts mit einer bis dahin unvorstellbaren Fülle an Bildern versorgten.
Märtyrerszenen, Totentänze, Endzeitvisionen, aber auch naturgetreu dargestellte menschliche Körper spiegeln diese Epoche an der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit.
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Die Ausstellung ist bis zum 18. März im Historischen Museum in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr (geschlossen am 31. Dezember sowie am 1. Januar und am 21. Februar). Begleitend zur Schau ist ein Katalog erschienen.
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