Weiden
Vergammelte Wirtshaussemmel bekommt neues Verfallsdatum
Landestheater startet mit Christian Hofmanns urkomischer Szenenrevue "Valentin & Karlstadt - Ernst gemeint" in die Winterspielzeit
Zugegeben, so einige der an die 400 Sketche des Kabarettduos locken heute beim Publikum nur ein müdes Lächeln hervor, weil vielfach die inhaltlichen Bezüge zu den frühen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts fehlen. Auch der - auf den ersten Blick - oft sehr einfach gestaltete Witz zündet heute nicht immer.
Hofmann begeht dennoch nicht den Fehler, Valentins Humor mit Gegenwarts-Anspielungen modernisieren zu wollen. Bei seinem gleichzeitigen Regiedebüt, das die Winterspielzeit des Landestheaters Oberpfalz (LTO) einläutet, lässt der Hauptdarsteller das dürre Komikergespenst in schlotternden Klamotten und abstrus langen Schuhen in einer intensiven, bis ins Detail originalgetreuen Darstellung in aller Authentizität aufleben. Mal sprachakrobatisch, mal brutal derb, mal slapstickhaft gelingt dem LTO-Charakterdarsteller schlechthin eine zeitgemäße, stimmige Reminiszenz an den "Wortzerklauberer" rein durch seine Bühnenpräsenz und die bewusste Auswahl zeitloser Stücke aus dem Fundus des Komikerduos.
Denn kleinbürgerliches Ehegeplänkel wie im großartigen "Theaterbesuch", das sprichwörtliche Von-Hinz-zu-Kunz-geschickt-Werden des armen "Buchbinder Wanninger" oder die fein verpackte Kritik am Theaterbetrieb ("Zwangsvorstellungen") können die meisten Premierengäste in der Regionalbibliothek ohne Weiteres nachvollziehen. Maria Ahke ergänzt als Conférencier zudem hilfreiche Hintergrundgeschichten.
Heimspiel für Hofmann
Quasi in seinem Wohnzimmer - im Lesesaal der Bibliothek brillierte Hofmann bereits als Henker Reichhart und Cherubim-Holzknecht Wenzel - vertieft sich der Mime zur Gänze in den Charakter des Exzentrikers Valentin. Egal in welcher noch so verändernden Maske (besonders komisch: das Sammelsurium an skurrilen Nasen), schimmert immer das Valentinhafte durch. Dies gelingt selbst bei so abstrakten Solo-Figuren wie der goldgelockten Loreley (ein Brüller!) oder einer klagenden, weil nicht mehr taufrischen Wirtshaussemmel.
Doch es sind die Szenen zu zweit, die den meisten Beifall ernten. Die überzeugende Martina Meier bewältigt dabei als Partnerin - wie ehedem Karlstadt - die schwierige Aufgabe, in der One-Man-Show eines so dominierenden Gegenparts nicht unterzugehen. Als ausgelassener "Firmling" oder genervte Ehefrau, die die schrulligen Eigenheiten ihre Mannes erträgt, trifft Meier in den oft fast rhythmischen Dialogen traumhaft sicher stets den richtigen Ton.
Vollends musikalisch setzt das selten aufgeführte Ohrwurm-Couplet "Kare, Kare rauch' doch nicht diese Zigarre" (mit musikalischer Begleitung von Johannes Gruber, Waltraud Janner-Stahl und Maria Ahke) den schrägen Schlussakkord hinter einen vergnüglichen Abend, der dem angegrauten Werk Valentins einen verdienten neuen Zeitstempel verpasst.
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