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Von Marielouise Scharf  |  17.10.2011  | Netzcode: 3004391  |  132 Mal gelesen.
Amberg

Ein Vibrieren, eine Traurigkeit, ein Feuer im Herzen

Die sechsköpfige Formation "Bolero Berlin" weckt beim Herbtskonzert in Amberg mit einzigartiger Musik große Gefühle

Glücklich, wer dieses Herbstkonzert mit "Bolero Berlin" am Freitagabend im großen Rathaussaal miterleben durfte. Vier Solisten der Berliner Philharmoniker gemeinsam mit zwei Vollblut-Jazzern bescherten einen außergewöhnlichen Abend mit Bolero, Tango, Jazz und Oper. Mit großer Leidenschaft und fantastischer Technik spielte das Ensemble Stücke, die entweder lateinamerikanischen Ursprungs waren oder in blitzenden Arrangements dazu umfunktioniert wurden.

Kein einziger Berliner



Bemerkenswert und äußerst ungewöhnlich ist die Besetzung des Ensembles, zu dem kein Berliner zählt! Aus Nürnberg kommt Martin Stegner, Bratschist bei den Berliner Philharmonikern, mit der inspirierenden Brillanz eines argentinischen Stehgeigers und dem geschmeidigen Charme eines Conferenciers. Ebenfalls aus Bayern stammt Manfred Preis, Bassklarinettist bei den Berliner Philharmonikern. Er überzeugt auf Bassklarinette, Klarinette, Sopran- und Altsaxophon und verzaubert mit der Raffinesse eines Schlangenbeschwörers. Professor Esko Laine aus Finnland präsentiert sich als sensibler Perfektionist auf dem Kontrabass. Mit der Grandezza eines Konzertpianisten sitzt Raphael Haeger, "der Schwabe", am Flügel (bei den Berliner Philharmonikern Schlagzeuger). Im reichen Repertoire von Klassik wie Jazz kennt er sich bestens aus. Komplettiert wird "Bolero Berlin" durch den argentinischen Percussionisten Daniel "Topo" Goia, der mit bloßen Händen Congas und Becken bearbeitete. Der Regensburger Gitarrist Helmut Nieberle, der mit flinken Fingern glasklare Tonfolgen produzierte, rundet das BB-Charakterprofil ab. Diese Musik passt in keine Schublade. Zwischen E- und U-Musik entsteht hier völlig Neues, Intensives. Astor Piazzolla gibt es unverstärkt im Duett mit Bratsche und Klarinette. Die Gitarre swingt feinfühlige Soli, der Rhythmus ist lateinamerikanisch. Duke Ellingtons "Caravan" wird im sehr schwierigen, kunstvollen 7/8-Takt gespielt, "Quizas, quizas, quizas" eröffnet dem Meister an der Bassgeige eine eigene Showbühne. Mit ihrer eigenwilligen Bearbeitung von Bizets "Carmen", Django Reinhardts "Troublant Bolero", oder Piazollas "Vier Jahreszeiten" (Winter und Sommer) inszenieren die Ausnahmemusiker ein betörend schönes und völlig neues Klanginferno. Sie zelebrieren leise Passagen, spielen mit atmosphärischen Schwingungen und locken mit sinnlich-akustischen Reizen.

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