Gerd Lohmeyer brilliert mit Eichendorffs "Taugenichts" bei den Burgfestspielen Leuchtenberg
Dem Wutausbruch folgt die Trotzreaktion. Der kleine aufgeregte Mann im Gehrock wirft seine Ärmelschoner weg, schleudert die Akten zu Boden, schnappt sich seine Violine und steuert planlos in die Welt. Wie eines der Blätter, die eben durch die Luft flogen, lässt sich fortan auch die Hauptfigur von "Aus dem Leben eines Taugenichts" einfach treiben, landet aber dennoch am Ende an der richtigen Stelle.
Mit der Neufassung der romantischen Liebesgeschichte nach Joseph von Eichendorff unter der Regie von Wolfgang Bauschmid verzaubert Gerd Lohmeyer das Publikum bei seinem ersten Gastspiel bei den Burgfestspielen Leuchtenberg. Als der von seinem Vater als "Taugenichts" verstoßene, namenlose Müllerssohn wuselt und tänzelt der 66-Jährige leichtfüßig wie ein Jüngling durch einen anderthalbstündigen mitreißenden Monolog.
Was wie das Reminiszieren eines alten Mannes über seine glorreiche Jugend beginnt, wechselt im Empfinden der Zuschauer schnell von einer passiven Perspektive hin zum erlebten Abenteuer. Minimale Requisiten reichen dem glänzend aufgelegten Lohmeyer, um mühelos Bilder von prächtigen Schlössern und Gärten, wilden Fluchten und skurrilen Begegnungen zu erzeugen. Unversehens wird der Stuhl, auf dem er sitzt, zum Kutschbock, der Tisch zu einem der sieben Hügel Roms und ein Blatt Papier zum Blumenstrauß für die angebetete Aurélie (Berta Rieder).
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Gerd Lohmeyer brilliert mit Eichendorffs "Taugenichts" bei den Burgfestspielen Leuchtenberg
Romantisches Roadmovie
Die vermeintliche Gräfin lernt er gleich zu Beginn seiner Odyssee kennen, folgt ihr auf ein Schloss bei Wien und bleibt als Gärtnerbursche in ihrer Nähe. Als der Verliebte seine "Allerschönste" aber mit einem anderen sieht, rennt er einfach wieder los. In der Folge verschlägt es den verhinderten Cosmopoliten nach Italien, wo er Leonardo da Vinci trifft, entführt wird und - in einer immer verklärter werdenden Erzählung - den Spuren seiner Traumfrau nachjagt.
Überhaupt ist bei der federleichten Romanze an einem angenehmen Sommerabend der Weg das Ziel. Unzählige Handlungsstränge bleiben vorlagengetreu lange verworren. Dass dies nicht störend wirkt, liegt am sanften Humor und dem Emotionen weckenden Protagonisten Eichendorffs spätromantischer Novelle. Seit 26 Jahren spielt Lohmeyer, der in Nabburg aufwuchs, seine Paraderolle als sympathischer Lebenskünstler mit unverminderter Freude und ohne Abnutzungserscheinungen. Der aus Film und Fernsehen bekannte Mime navigiert den "Taugenichts" zwischen dramatischen Posen, weichen Wortspielen und Situationskomik direkt ins Herz der Zuschauer.
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Gerd Lohmeyer brilliert mit Eichendorffs "Taugenichts" bei den Burgfestspielen Leuchtenberg
Lyrische Gedichte, Volkslieder wie "Die Gedanken sind frei", die der versierte Kammermusiker und Rieder mit Violine und Gitarre begleiten, verstärken das gute Gefühl, das das Stück vermittelt. Berta Rieder bezaubert als fast ätherische Hintergrundfigur, die als Sängerin, personifizierte Gefühle, diffuse Traumgestalt oder Gemälde die Geschichte bereichert. Am Ende greift Aurélie aber doch noch aktiv ins Geschehen ein, korrigiert Missverständnisse und führt die Geschichte zu einem glücklichen Ende. Denn sonst würde der Taugenichts immer noch weiter laufen.
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