Von (rg) |
22.07.2011
| Netzcode: 2899458 | 285 Mal gelesen.
Weiden
Brennende Augen statt glühende Ohren
Johanna Mauermann veröffentlicht Buch über "Handyromane" - Hits in Japans Bestseller-Listen
Weiden. (rg) Zeitgenossen, die am Telefon Romane erzählen. Das klingt nach glühenden Ohren. Bei dem Phänomen, dem Johanna Mauermann nachspürt, sind brennende Augen jedoch viel wahrscheinlicher: Handy-Romane. Also "Romane, die mit dem Handy geschrieben sind, um auf dem Handy gelesen zu werden", wie sie sagt.
Darüber hat nun wieder die gebürtige Weidenerin geschrieben. Keinen Roman, sondern eine wissenschaftliche Abhandlung, nicht fürs Mini-Display, sondern ganz traditionell in Buchform. Der Titel: "Handyromane - Ein Lesephänomen aus Japan".
Die 27-Jährige beleuchtet darin eine wahre Erfolgsstory. In Japan dominieren Handyromane inzwischen die Bestseller-Listen. Johanna Mauermann las zwölf, analysierte vier: "Deep Love", "Lover Link", "Koizora" und "Clearness". Leicht lesbar und verständlich seien sie alle, stellt die Autorin fest, eine Form der Trivialliteratur zwar, meist Liebesgeschichten. "Aber es hat schon Spaß gemacht, sie zu lesen." Denn Handyromane stellen die Erlebniswelten junger Mädchen aus. Diese sind Autorinnen vieler Werke - und zugleich Zielpublikum. "Jungen machen lieber Spiele auf dem Handy."
Und Johanna Mauermann selbst? Sie ist froh, ihre Abhandlung buchstäblich in den Händen zu halten. Will heißen: gedruckt, nicht virtuell - "ein tolles Gefühl", schwärmt sie. Bei dem Sachbuch handelt es sich um eine erweiterte und aktualisierte Version ihrer Magisterarbeit (Note 1,0), die sie 2008 und 2009 verfasst hat.
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Brennende Augen statt glühende Ohren
Johanna Mauermann veröffentlicht Buch über "Handyromane" - Hits in Japans Bestseller-Listen
Japanisch fließend
Bereits ab 2003, nach dem Abitur am Augustinus-Gymnasium, hatte die Tochter des bekannten Weidener Künstlers Günter Mauermann Japanologie sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt studiert. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Japanologie. Sie jobbte als Helferin beim Filmfestival "Nippon Connection" und als Fluggastbetreuerin bei Japan Airlines, absolvierte ein Auslandspraktikum bei der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde in Tokyo. Japanisch spricht sie fließend.
Grundvoraussetzung wohl, um ein "japanisches Lesephänomen" analysieren zu können. Medienträchtig seien Handyromane in Asien, "wirtschaftlich relevant", sagt die Expertin. Und anderswo? In den USA tauchen gerade die ersten Portale auf. Südafrika startete eine Initiative zur Leseförderung, welche die Jugend via Handy zum Lesen bringen will. In Deutschland leistet Oliver Bendel mit Detektiv-Geschichten Pionierarbeit am kleinen Tastenfeld.
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Johanna Mauermann veröffentlicht Buch über "Handyromane" - Hits in Japans Bestseller-Listen
Geübte Tastentipper
Allerdings ist Johanna Mauermann skeptisch, was die Akzeptanz und kommerziellen Chancen von Handyromanen in anderen Staaten betrifft: Die Japaner begeisterten sich seit jeher für technische Neuerungen, liebten ihr Handy, könnten da längst auf eine "kulturelle Infrastruktur" zurückgreifen, weiß sie. Wegen dieser "Tradition" falle es ihnen viel leichter als Bürgern anderer Staaten, lange Texte ins Handy zu tippen.
Und was sie da tippen, unterscheidet sich doch mitunter gewaltig vom konventionellen Roman. Handyromane entstehen völlig losgelöst vom Literaturbetrieb und sind extrem lesefreundlich - nicht zuletzt dank vieler Dialoge. Anders als beim E-Book sei das Display nicht mit Text zugekleistert, sagt Johanna Mauermann: Nach jedem Komma folge ein Zeilenumbruch. Und meist handelt es sich um abonnierte Fortsetzungsgeschichten. Wobei eine Folge wie bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und ähnlichen Soaps - natürlich - an der spannendsten Stelle endet.
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Weiden
Brennende Augen statt glühende Ohren
Johanna Mauermann veröffentlicht Buch über "Handyromane" - Hits in Japans Bestseller-Listen
Japanischen Phänomenen bleibt die Autorin treu. Derzeit arbeitet sie an ihrer Doktorarbeit mit dem Arbeitstitel "Kreative und kreativ-industrielle Strukturen" - eine Abhandlung über den japanischen Buchmarkt. Ein Jahr ist sie noch an der Uni angestellt; sie hofft aber, "dass es auch danach weitergeht". Für die Semesterferien 2012/13 plant sie einen längerfristigen Aufenthalt in Japan. Beruflich wünscht sie sich eine Aufgabe "im Bereich der Kulturwissenschaft mit Japan-Bezug". Möglicherweise eben auch im Verlagswesen.
Ob sie es da noch häufiger mit Handyromanen zu tun hätte? Die Sehnsucht hält sich doch in Grenzen. Wegen der brennenden Augen. Und so hat sich Johanna Mauermann auch ihre Studienobjekte nicht auf den kleinen Bildschirm geholt, sondern auf Authentizität gepfiffen und doch lieber die Buchversion zur Hand genommen. "Anders wär's auf Dauer sehr anstrengend gewesen."
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