Von Stefan Voit |
12.07.2011
| Netzcode: 2882890 | 856 Mal gelesen.
Weiden/Klagenfurt
Angetrunkenes Wettschwimmen gegen Lektoren
"Maximale Wachheit": Der in Weiden aufgewachsene Autor Thomas Klupp über seinen Publikumssieg beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2011
Mit seinem Debütroman "Paradiso" überraschte der in Weiden aufgewachsene Schriftsteller Thomas Klupp 2009 die Literaturwelt. Für sein Buch wurde er mit dem Förderpreis des Nicolas-Born-Preises ausgezeichnet, 2010 folgte der Rauriser Literaturpreis. Am Wochenende nahm Klupp (33) an den "Tagen der deutschsprachigen Literatur 2011" in Klagenfurt teil und gewann den Ingeborg-Bachmann-Publikumspreis für seinen Text "9to5 Hardcore". Die Kulturredaktion führte mit ihm am Tag danach dieses Interview.
Sie haben beim Bachmann-Wettbewerb "nur" den Publikumspreis gewonnen. Sind Sie enttäuscht?
Thomas Klupp: Nein, sonst wäre mir ja auch wirklich nicht mehr zu helfen. Ich habe mich riesig darüber gefreut - und möchte ganz herzlich Danke schön an alle Leute in der Heimat sagen, die mir ihre Stimme gegeben haben.
Welche Erfahrungen nehmen Sie von einem so bedeutsamen Literaturwettbewerb mit?
Klupp: Unter anderem, wie es sich anfühlt, nach circa zwei Dutzend Weißweinschorlen im Wettschwimmen im Wörthersee gegen 60-jährige Lektoren zu verlieren. Im Ernst: Das waren so ereignisreiche Tage, dass ich da ein paar Nächte darüber schlafen muss, um eine vernünftige Antwort geben zu können.
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Angetrunkenes Wettschwimmen gegen Lektoren
"Maximale Wachheit": Der in Weiden aufgewachsene Autor Thomas Klupp über seinen Publikumssieg beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2011
Wie war es für Sie, vor einem so großen Publikum zu lesen und zu wissen, dass dies auch noch live im Fernsehen gesendet wird?
Klupp: Super! Maximale Aufregung, maximale Konzentration, maximale Wachheit. So etwas erlebt man als Autor viel zu selten.
Sie haben mit Ihrem Text zum Thema Pornografie den Publikumspreis geholt. Was denken Sie waren die Gründe dafür? Das Thema? Ihr Humor? Ihr sicheres Lesen?
Klupp: Ich glaube, dass der ironische Zugriff auf das Thema das Entscheidende war. Es ist sicher auch nicht verkehrt, einigermaßen flott zu lesen, aber das muss der Text auch hergeben.
Welche Gefühle haben Sie begleitet, als Ihr Text von den Kritikern "zerpflückt" wurde?
Klupp: Bestimmte Einwände fand ich durchaus berechtigt, bei anderen wiederum habe ich mich gefragt, ob der entsprechende Juror den Text vielleicht nur einmal im Vollrausch nach einer durchgemachten Nacht gelesen hat. Zu meinem Erstaunen habe ich mich beim Kritikergespräch aber relativ entspannt gefühlt.
Der Text stammt aus Ihrem neuen Roman. Wann dürfen wir uns auf Ihr Buch freuen, und können Sie uns noch ein wenig mehr darüber verraten?
Klupp: Ich bin ein recht langsamer Schreiber, arbeite außerdem an der Uni und sitze zudem noch an meiner Doktorarbeit. Vor Ende 2012 wird das also nichts. Jedenfalls hoffe ich, dass es ein wildes, fieses und lustiges Buch wird.
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