Unterhaltsame 20er-Jahre-Revue "Gib 'n Kuss auf Lottchen" der Volksbühne Spinnrad in der Regionalbibliothek
Mondän, lebenslustig und witzig: Nina von Düsterlho, Kirstin Rokita und Christine Wagner (von links) ließen in der unterhaltsamen, aber schwach besuchten Revue "Gib 'n Kuss auf Lottchen" die "Goldenen Zwanziger" wieder aufleben. Bild: T. Schwarzmeier
Wer kann da widerstehen? Die reizenden Damen mit den Federboas schmachten ihre Opfer nach allen Regeln der Kunst an. Was sich eher nach intimen Tête-à-têtes als nach einer glamourösen Revue anhört, ist es in gewisser Weise auch. Denn nur 20 Kulturfreunde verlieren sich am Freitagabend beim gelungenen 20er-Jahre-Revival "Gib 'n Kuss auf Lottchen" im Innenhof der Regionalbibliothek.
Obwohl die spielfreudigen Darstellerinnen der Regensburger Volksbühne Spinnrad auf die losgelöste Stimmung eines mitsingenden und -tanzenden (Ball-) Saals und andere Reibungspunkte weitgehend verzichten müssen, schmälert das den intensiven Eindruck nicht.
Leichtlebiges Lottchen
Denn die pikante satirische Revue mit immergrünen Schlagern mit Nina von Düsterlho, Christine Wagner und Kirstin Rokita trifft die Stimmung dieser kurzen, wilden Ära der ungebremsten Lebenslust exakt. Wie Tucholskys namensgebende Nicht-Beichte Lottchens an ihren abwesenden "Daddy" - "Erstens war überhaupt nichts, und zweitens kennst du den Mann nicht, und drittens weil er Seemann war, und ich hab ihm gar nichts geschenkt" -, die von Düsterlho so glaubhaft unschuldig vorträgt.
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Unterhaltsame 20er-Jahre-Revue "Gib 'n Kuss auf Lottchen" der Volksbühne Spinnrad in der Regionalbibliothek
Glitzernde Liebeslieder, wunderbare Balladen wie "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn", witzige Texte von Brecht bis Kreisler, sowie Charleston- und Stepptanzeinlagen, bei denen die Federn fliegen, vermitteln eine einnehmende Stimmung zwischen Ballsaal, Operettenhaus und Seemannskneipe.
Mit herrlicher Theatralik, frechen Stimmen, erfrischenden Albernheiten und vielen kleinen Bonmots philosophieren und polemisieren die drei Diven federleicht über die wahre Liebe, flüchtige Affären - und natürlich die im Grunde äffische Natur der Männer. Nicht nur wenn Rokita Brigitte B.'s Mitleids-Sex-Geschichte mit einem "Individium" beschreibt oder Wagner zuckersüß-zynisch das vorzeitige Dahinscheiden von Liebhabern erläutert, haben die Männer einen gefährlich schweren Stand.
Missbrauch einer Zwiebel
Nur Eberhard Geyer scheint da mithalten zu können. Neben saloppen Interpretationen am Klavier gibt der Pianist mit melancholischem Blick und viel zu langen Rockschößen lakonisch die Erotik des Entkleidens einer Zwiebel oder Gassenhauer wie "Ich wollt, ich wär ein Huhn" (mit Tierstimmen-Begleitung) zum Besten. Es spricht für die Stückeauswahl, dass unter den leichten Chansons mit Kästners nachdenklichem "Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?" auch der Freiheitsgedanke dieser Aufbruchszeit nicht fehlt. Kurz: Ein stimmiges Sittenbild und ein rundum angenehmer Abend - für die wenigen, die da waren.
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