"Von Kamen nach Corleone": Die Autorin und Mafia-Expertin Petra Reski bei den Weidener Literaturtagen
Der sechsfache Mord in Duisburg vom Sommer 2007 ist bei uns schon fast vergessen - ein Streit unter italienischen Mafiosi. Selbst Norditaliener halten die Mafia oft für kaum mehr als eine Spielart sizilianischer Folklore. Dabei haben sich die kriminellen und menschenverachtenden Strukturen dieses Geheimbundes der Blutsverwandten schon über die halbe Welt ausgebreitet. Auch vor deutschen Haustüren ist die Mafia ein großes und stetig wachsendes Problem.
Mutig packten die Veranstalter der 27. Weidener Literaturtage am Mittwochabend dieses heiße Eisen an - zusammen mit der Sachbuchautorin, Journalistin und Romanistin Petra Reski. Vor ausverkauftem Haus las die Trägerin des "Emma-Journalistinnenpreises" in der Sparkasse Oberpfalz Nord aus ihrem dritten Mafia-Sachbuch "Von Kamen nach Corleone - Die Mafia in Deutschland".
Auf der fast 2500 Kilometer langen Fahrt vom Ruhrgebiet in den Süden Italiens hatte für die damals 20-Jährige alles begonnen: Mario Puzos Roman "Der Pate" auf dem Schoß, fuhr sie mit ihrem Freund in einem rostigen Renault 4 davon - und kehrte von diesem Trip eigentlich nie mehr richtig zurück.
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"Von Kamen nach Corleone": Die Autorin und Mafia-Expertin Petra Reski bei den Weidener Literaturtagen
Die Weidener Lesung war Teil einer Lesereise Reskis, die in Lübeck begann und sie kommende Woche für die landesweite Aktion "Nächte gegen die Mafia" unter anderem nach Turin, Rom, Neapel und Palermo führen wird.
Die deutsche Erfolgsgeschichte der Mafia begannen Ende der Sechziger Jahre Gastarbeiter in den Fabriken von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Ein recht neues Kapitel wurde 2005 mit dem jungen Fremdsprachenassistenten Paolo Provenzano aus Palermo aufgeschlagen: Der Sohn des Paten Bernardo Provenzano lehrte unbehelligt an einer Schule in Schwerte, wurde von deutscher Seite geschützt. Das öffnete Verbrechen im großen Stil die Tür, wie Reski in detailgenauer Recherche herausarbeitete.
Ärger mit deutscher Politik
Auch die engen Verstrickungen der Mafia mit Banken, dem Vatikan und der Politik machte die Autorin deutlich. Während sie in Italien durch ein Antimafia-Netzwerk geschützt wird, ist werden ihr gerade in Deutschland Buchstellen geschwärzt, wird sie angegriffen und bedroht - keineswegs nur von Südeuropäern, sondern auch von deutschen Politikern, die im Buch genannt werden.
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"Von Kamen nach Corleone": Die Autorin und Mafia-Expertin Petra Reski bei den Weidener Literaturtagen
Doch Petra Reski lässt sich nicht einschüchtern, arbeitet unermüdlich an der Bloßlegung von Schutzgelderpressungen, Geldwäsche und Korruption, die sich im Schatten der Diskussion um den islamistischen Terror ungestört entwickeln können. Beim "Mafia-Hearing" im europäischen Parlament in Brüssel referierten jüngst nicht nur 40 italienische Staatsanwälte vor dem Gremium - auch Petra Reski gehörte dazu.
Die hohe Aufmerksamkeit, die große Spannung im Publikum wurde nur einmal durch allgemeines Gelächter gebrochen: Reski antwortete auf die Zuschauerfrage, wie es denn der Mafia gelänge bei uns unbemerkt allerorten Fuß zu fassen. "Naja", sagte die Mafia-Spezialistin überlegend, "da tritt beispielsweise ein ausländischer Großinvestor auf und plant, inmitten einer Stadt ein Einkaufszentrum zu bauen ..."
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