Gelius-Trio schildert in Waldsassen die Höhen und Tiefen einer Künstlerehe
Eigentlich bildete sich das Gelius-Trio vor zwölf Jahren durch puren Zufall: Die Pianistin Micaela Gelius traf damals nur zu einer CD-Aufnahme mit dem Violinisten Sreten Krstic (Erster Konzertmeister der Münchner Philharmoniker) und dem Cellisten Michael Hell zusammen - doch es wurde mehr daraus.
Neben der Harmonie zwischen den drei gut aufeinander eingestellten Musikern bestachen am Samstag im vollbesetzten Rathaussaal bei dem Konzert des Kammermusikkreises Waldsassen die Dialoge zwischen der Nicolaus-Gagliano-Geige und dem von dessen Bruder Januarius 1736 gebauten Cello.
Das Konzertprogramm war ebenfalls beziehungsreich geplant und beschäftigte sich mit dem spannenden Dreiecksverhältnis von Clara und Robert Schumann zu ihrem jungen Hausfreund und Babysitter Johannes Brahms. Da man von einem Publikum, das einen angenehmen Abend verbringen möchte, nicht zu viel an spezieller Vorbereitung erwarten kann, hätten einige Anmerkungen der Musiker zum Thema den Hörgenuss sicher noch erhöht. Doch gab es auch so genug zwischen den Notenzeilen zu hören.
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Gelius-Trio schildert in Waldsassen die Höhen und Tiefen einer Künstlerehe
Feminine Anmut
Nach dem Motto "Ladies first" stammte das erste Klaviertrio aus der Feder Clara Schumanns. Die zu ihren Lebzeiten europaweit populäre Konzertpianistin komponierte auch und schuf 23 nummerierte Werke. Ihr g-Moll-Trio aus der glücklichen Zeit um 1847 besticht durch feminine Anmut - etwa durch perlende Arpeggien - und ist dabei etwas zu schön, um bedeutungsschwer zu sein. Beim Piano solo im eleganten Andante hatte man den Eindruck, die attraktive und bewunderte Musikern betrete den Saal selbst.
Ebenfalls in g-Moll folgte das op. 110 ihrer besseren Hälfte Robert, der sich die Ehe mit seiner großen Liebe Clara 1840 gegen deren Vater gerichtlich erstreiten musste.
Kraftvoll und dicht zeigten die vier Sätze sogleich eine sehr maskuline Handschrift. Während der zweite Satz dem Gelius-Trio nicht ziemlich, sondern sehr langsam und bleischwer gelang, fühlte sich der Hörer beim Scherzo wie einst Clara "bis in die wildesten Tiefen mit fortgerissen". Die Probleme einer Künstler-ehe - acht Kinder und ständige Finanznot - forderten ihren Tribut. Nach einem Selbstmordversuch 1854 endete Schumann in einer Heilanstalt, in der er zwei Jahre später verstarb.
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Gelius-Trio schildert in Waldsassen die Höhen und Tiefen einer Künstlerehe
Genau zu dieser Zeit trat der junge Komponist Johannes Brahms auf, der von Schumann gefördert wurde, auf den Plan. Sein H-Dur-Trio spricht Bände, denn nicht die entrümpelte Fassung von 1889, sondern die erste von 1854 hatte das Gelius-Trio mitgebracht. Aus den Ecksätzen spricht die pure Sehnsucht und Verzweiflung eines über beide Ohren Verliebten - das Finale spricht deutlich von Protest und Trauer.
Hätte es damals schon eine Yellow Press gegeben, sie hätte ein Fressen daran gefunden, dass Brahms eine Zeit in Düsseldorf mit der einsamen Clara unter einem Dach wohnte. Dem jungen Komponisten, der nie heiraten sollte, war dies voll bewusst. In einem der wenigen erhaltenen Liebesbriefe klagte er: "Es kommt ja alles in die Zeitungen!" Viel Applaus aus zweihundert Händen, dann Astor Piazzollas "Frühling" als Zugabe.
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