Chor der Basilika Waldsassen, Solisten und Basilika-Orchester Bamberg mit überragender Interpretation von Haydns "Schöpfung"
"Wo viel Licht ist, ist viel Schatten", heißt es. Das Licht, das bei der Erschaffung der Welt in schmetterndem C-Dur am Anfang von Joseph Haydns "Die Schöpfung" erstrahlt, behielt am Sonntag seine Strahlkraft über die vollen zwei Stunden des Oratorienkonzerts in der ausverkauften Basilika. Mit dem großen Herbstkonzert sucht der das Jahr über liturgisch arbeitende Chor alljährlich eine Herausforderung und krönt die Konzertreihe.
Der Chor der Basilika Waldsassen, der tschechische Chor "Rastislav Blansko" (einstudiert von Jaroslav Martinásek), das Basilika-Orchester Bamberg (mit Mitgliedern der Bamberger Symphoniker) und die drei Spitzensolisten Esther Kretzinger, Johannes Klüser und Christian Maria Schmidt wurden vom souveränen Regionalkantor Andreas Sagstetter geleitet.
Das Chaos der von Gott noch ungeordneten Erde ist dem guten Haydn zumindest angesichts der Musikentwicklung der vergangenen 100 Jahre tüchtig misslungen: Für heutige Hörgewohnheiten herrscht schon hier nichts anderes als paradiesische Harmonie und eitel Sonnenschein. Das dreiteilige Oratorium, das nicht nur wegen der kunstvollen floralen Darstellungen im Chorgestühl bestens zur barocken Basilika passt, gehört für Besucher und Veranstalter zum regelmäßig dargebotenen Standardrepertoire.
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Chor der Basilika Waldsassen, Solisten und Basilika-Orchester Bamberg mit überragender Interpretation von Haydns "Schöpfung"
Textheft eigentlich unnötig
Die Orchestermusiker aus Bamberg, ergänzt um ausgewählte lokale Kräfte, boten schon in ihren Einleitungen absolut lupenreine Intonation, begeisternd punktgenaue Einsätze beim Zusammenwirken mit Chor und Solisten sowie eine extreme Begabung für hinreißende Klangmalereien. Etwa, wenn Haydn die verschiedenen Formen der Niederschläge beschreibt und die Musiker in enger Taktfolge zwischen Regen, Schauern und flockigem Schnee zu unterscheiden haben.
Die biblischen Genesis-Texte wurden von den Solisten als Erzengel mit großer Würde und so bewundernswert deutlicher Artikulation vorgetragen, dass das ausführliche Textheft eigentlich unnötig war.
Der Name der Sopranistin Esther Kretzinger ist eng mit Salzburg verbunden: "Mit reizendem Gesang" verkörperte sie Gabriel und Eva, brachte manchmal sogar eine Prise ihrer in der Operette erprobten Soubrettenfähigkeiten mit ein und erstaunte mit ihrem effektvollen Taubengurren beim Vierten Tag. Als Uriel überzeugte Tenor Johannes Klüser mit biblischer Tragweite, verklärte den Zauber der Erschaffung des ersten Menschenpaares mit stimmlichen Rosenwolken.
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Den künstlerischen Schwerpunkt des Konzerts setzte allerdings der Regensburger Bassist Christian Maria Schmidt: Bei jeder seiner Darbietungen - ob als Raphael oder Adam - hielt das Publikum den Atem an. Man glaubte kaum, was da in feierlicher Deutlichkeit und aus dem tiefsten Keller an Wohlklang zu hören war.
Ohne Protzen und Prahlen
Und dann erst dieser hundertstimmige Chor, der nicht mit seiner Potenz protzt, nicht prahlt, übertreibt oder künstelt, sondern in souveräner Schönheit die ersten sieben Tage der Welt bejubelt. Diese zweite Zusammenarbeit mit dem tschechischen Chor "Rastislav Blansko" erwies sich als sehr erfreulich und mündete in einem festlichen Finale, bei dem die Chor-Altistin Christina Kohl das Solisten-Trio zum Quartett verstärkte. Der Chor berührte durch seine übersprühende Schöpfungsfreude und führte zu Jubel beim Publikum. Und wer wusste, dass er Grund zur Dankbarkeit hat, der sang das "Alleluja" innerlich mit.
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