Von Stefan Voit |
22.10.2010
| Netzcode: 2542719 | 278 Mal gelesen.
Taubenvergiften mit Beamtenmarsch
Fast schon wie ein Konzert: Lesung mit Georg Kreisler und Barbara Peters in Sulzbach-Rosenberg
Sulzbach-Rosenberg. Charlie Chaplin, Billy Wilder, Hans Eisler - das sind nicht nur Größen und Namen aus dem vergangenen Jahrhundert. Es sind auch Künstler, mit denen Georg Kreisler, einer der letzten großen deutschsprachigen Kabarettisten und Chansonniers, zusammen gearbeitet hat. 1922 in Wien geboren, musste er als Jude 1938 vor den Nazis in die USA fliehen. 1943 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an, blieb aber tief in seinem Herzen immer Wiener - und bescheiden. Das sieht man nicht nur daran, dass Kreisler seit Jahrzehnten das selbe Brillenmodell mit 50er-Jahre-Horngestell trägt. Sein ganzes Auftreten, seine Höflichkeit, sein Interesse am Publikum machen ihn zu einem äußerst sympathischen Menschen.
Weg vom Klavier
Seit fast zehn Jahren hat er sich vom Klavier verabschiedet, schreibt Romane, Gedichte, Kurzgeschichten und Essays. Kreisler ohne Klavier, geht denn das? Es geht, denn zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin Barbara Peters, mit der er in der Nähe von Salzburg lebt, hat er ein äußerst hörenswertes Programm zusammengestellt, das er am Mittwoch in der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg auf Einladung des Literaturhauses Oberpfalz präsentierte.
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Taubenvergiften mit Beamtenmarsch
Fast schon wie ein Konzert: Lesung mit Georg Kreisler und Barbara Peters in Sulzbach-Rosenberg
"Zufällig in San Francisco" ist ein Best-of-Abend mit Texten aus seinen aktuellen Büchern "Zufällig in San Francisco. Unbeabsichtigte Gedichte" und "Anfänge. Eine literarische Vermutung". "Ein Gedicht ist auch schön, so schön, dass es weh tut", propagiert Kreisler seine Lyrik und hebt damit aber auch die Bedeutung dieser Versform hervor. Humorvoll, zynisch, bissig, hintersinnig - so, wie man ihn eben kennt - tragen er und seine Frau die Texte vor.
Ein pointierter Satz jagt den nächsten. "Ein Kritiker kann intelligent sein, aber nicht, während er seine Kritik schreibt." Oder: "Im Grunde sind wir machtlos: In die Wiege und in den Sarg müssen wir gelegt werden." Oder: "Aller Anfang ist leicht. Das Durchhalten ist nur schwer".
Womit wir bei den Anfängen als nächstem Programmpunkt wären: Aus seinem Buch "Anfänge" tischt er literarische Vermutungen auf, er zeigt, wie ein Familienroman à la "Buddenbrooks", der Brief eines Jungregisseurs an einen Theaterintendanten oder das Schreiben eines Musikprofessors an Kreisler beginnen könnten. Skurrile Texte, köstlich zu hören.
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Taubenvergiften mit Beamtenmarsch
Fast schon wie ein Konzert: Lesung mit Georg Kreisler und Barbara Peters in Sulzbach-Rosenberg
Klassische Liedtexte
Höhepunkte des Abends sind jedoch seine Liedtexte aus den 50er, 60er und 70er Jahren, zu denen natürlich das "Wiener Lied" oder "Taubenvergiften im Park" gehören. Er singt sie fast, zelebriert sie, und im Kopf hört man leise die Melodien, so dass es fast zu einem kleinen Konzert wird. Einmal holt Kreisler sogar eine Mundharmonika hervor und beendet ein Lied, das seine Frau liebevoll vorträgt.
Ein Klassiker folgt dem anderen, von "Der Staatsbeamte" über die "Telefonbuchpolka", vom "Bluntschli" bis zu "Als wir noch dünner waren, standen wir uns näher". Eine Zeitreise mit "alten Texten" aus vergangen Zeiten, die aber noch immer aktuell sind und den Nerv der Gegenwart treffen. Nach eineinhalb Stunden verabschieden sich Kreisler und seine Frau. Es gibt stehende Ovationen für den großen Kabarettisten und seinen großartigen Abend.
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