Von Reinhold Tietz |
07.09.2010
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Walderbach
Ein weit gefächerter Klavierkosmos
Gesprächskonzert über Leben und Werk von Frederic Chopin im Barocksaal des Klosters Walderbach
Es lag wohl am schönen Spätsommerwetter, dass beim Abschluss des Festivals "Klassik am Regen" am Sonntagnachmittag nicht alle Plätze besetzt waren. Am Programm kann es nicht gelegen haben, denn in dem Gesprächskonzert erzählte Siegfried Mauser viel Interessantes aus dem Leben Chopins. Zudem spielten Gastgeberin Elena Nesterenko und Mauser wichtige Werke für Klavier aus dessen OEuvre.
Schon zu seinen Lebzeiten gab es den Begriff "Chopiniana" für ein Konzert, in dem Chopin ausschließlich seine eigene Musik vortrug. In Erinnerung an seinen 200. Geburtstag widmete "Klassik am Regen" dem Klaviervirtuosen ein Konzert, in dem deutlich wurde, welche Bandbreite das Schaffen dieses Komponisten erreichte.
Polonäse zum Auftakt
Mit der Polonäse cis-Moll op. 26/1 eröffnete Mauser das musikalische Programm und spielte diesen ursprünglich zeremoniellen Schreittanz in schwungvollem Tempo, wobei er den Mittelstimmen ebenfalls gebührendes Gehör verschaffte. Ganz anders der Dreierrhythmus, den Nesterenko in den Mazurken op. 7/2 und op. 68/4 gestaltete: Hier zeigt sich die musikalische Verdichtung, die Chopin selbst in solch kleineren Werken gelang.
Von Reinhold Tietz |
07.09.2010
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Walderbach
Ein weit gefächerter Klavierkosmos
Gesprächskonzert über Leben und Werk von Frederic Chopin im Barocksaal des Klosters Walderbach
Das gleiche Phänomen erzielte Mauser mit den Walzern op. 34/2 und op. 64/1 - nicht mehr nur Spielstück, nein, das romantische Klavierstück wird laut Mauser zum poetischen Charakterstück, dargestellt am Scherzo b-Moll op. 31. Nesterenko ließ die technischen Schwierigkeiten vergessen und arbeitete sowohl im melodiösen Mittelteil als auch in den ungestümen, nie zur Ruhe kommenden Außenteilen eine solch intensive Gestaltung heraus, dass der Beifall zum Schluss zu Recht riesig ausfiel.
Nach der Pause zunächst ein Einzelwerk. Die Barcarole Fis-Dur op. 60 hat Chopin laut Mauser 1838 auf Mallorca komponiert, während er dort zusammen mit der Schriftstellerin George Sand, einer sehr emanzipierten Frau, weilte. Etwas von dieser schwierigen Beziehung mag wohl in die ruhigen Bahnen der Musik eingeflossen sein, dürfte aber auch die heftigen Ausbrüche zwischendrin geprägt haben.
Ballade zum Abschluss
Einen wahren Ausbruch stellt die "Revolutionsetüde" op. 10/12 dar, zumindest im wilden, mitreißenden Spiel Elena Nesterenkos. Ein anderer Kosmos erschließt sich indes im Nocturno H-Dur op. 32/1, das von Mauser eher schwebend elegisch angelegt wurde - wobei allerdings die Hektik am Schluss zeigt, wie brüchig bei Chopin das Bemühen um Ruhe letztendlich ist. Die 4. Ballade f -Moll op. 52 beendete das Programm. Nesterenko brachte dabei selbst die Umspielungen zum Singen, in der enormen Steigerung zum Ende hin gelang ihr ein würdiger Abschluss eines gelungenen Konzerts.
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