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Eine neue Welt und ein abgebrochener Taktstock
Abonnentenorchester des DSO Berlin krönt Finale des 23. Wurzer Sommers in Wöllershof
Wöllershof. Was war es nur, das die Besucherscharen mitten in der Urlaubszeit in den Festsaal zog? War es das verführerisch attraktive Konzertprogramm? Interessierten die Musiker aus der Bundeshauptstadt, die ihr Bayern-Debüt in der Oberpfalz gaben? Vermisst die Öffentlichkeit die zur Tradition gewordenen Orchesterkonzerte im Bezirkskrankenhaus, die dortigen Musikmenüs im Herbst?Profis und Amateure
Jedenfalls füllten eindrucksvolle dreihundert Musikfreunde am Samstag zum Finale des 23. Wurzer Sommers den akustisch hervorragenden Festsaal. Als Veranstalterin begrüßten Dr. Rita Kielhorn, als Hausherr Ärztlicher Direktor Dr. Heribert Fleischmann Zuhörer und Interpreten: das Abonnentenorchester des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, bestehend aus professionellen Musikern der großen Berliner Orchester und erfahrenen Amateurmusikern. Den Taktstock ergriff Heinz Radzischewski, der das Ensemble vor sieben Jahren gegründet hat. Ein fremder Konzertsaal ist immer eine fremde, neue Welt. Noch sehr auf Sicherheit bedacht, prüfte das Berliner Orchester bei Beethovens Bühnenmusik zu Goethes "Egmont"-Drama den Saal. Während der gräfliche Titelheld seinen musikalischen Freiheitskampf in dichter Schickssalsschwere führte, eroberte sich das leistungsstarke Ensemble nicht nur die akustische Oberhoheit, sondern auch zunehmend die hohen Erwartungen des Publikums. Diese wurden bei Mozarts Doppelkonzert der "Sinfonia concertante" sehr erfreulich erfüllt: Hier traten Heidrun Ganz-Dittberner - ehemalige Stimmführerin der Violinen im Deutschen Symphonie-Orchester Berlin - und Johanna Kubina - aktuelle Solo-Bratschistin an der Komischen Oper Berlin - ins Rampenlicht. Das 1780 entstandene prächtige Werk bietet alles an Mozart'scher Schönheit und verstrickt die beiden Streicherstimmen in hinreißend liebliche Dialoge, denen nur von einer Seite her Gefahr drohen kann: vom Orchester. Doch dieses hielt der Dirigent so vorbildlich im Zaum, dass die Solistinnen ihr virtuoses Können lächelnd zelebrieren konnten. Diese leidenschaftliche Freude am Musizieren bei hohem Niveau (und nur gelegentlichen kleineren technischen Ungenauigkeiten) zeichnete auch Antonin Dvoraks 9. Symphonie "Aus der Neuen Welt" aus. Weiche Hornrufe, schmetternde Trompeten, samtige Celli, zarte Flöten und die melancholisch singende Oboe im Largo schufen vor der stimmlich ausgewogenen Kulisse des Orchesters ein grandioses Klanggemäle vom Amerika-Aufenthalt des großen Böhmen.
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