"Der Waffenschmied" beendet Rekordsaison auf Luisenburg
Die Filzpantoffeln waren daheim in Radebeul geblieben. Auf der grünen Felsenbühne der Luisenburg standen den Chor-Statisten die Straßenschuhe besser: Als 16 Touristen stolperten und saßen sie über zweieinhalb Stunden lang inmitten der Opern-Szenerie von Albert Lortzings "Der Waffenschmied". Das Gastspiel der Landesbühnen Sachsen setzte mit drei Vorstellungen den Schlusspunkt der Rekord-Jubiläumssaison auf der Luisenburg. Die ausgezeichnete musikalische Leitung hatte GMD Michele Carulli, der Chor war mächtig, die Solisten überzeugend, und besonders die Ensemblestücke (bis zum Sextett und Septett) glückten hinreißend. Die Premiere am Freitag war nicht ausverkauft.
Die komische und unbekannte Oper Lortzings, der eher durch seinen "Zar und Zimmermann" sowie den "Wildschütz" Ruhm erntete, beruht auf einem Lustspiel vom Burgtheater und hat mit Albernheiten und Klischees des Biedermeiers schwer zu kämpfen. Wolfgang Lachnitt war das bei seiner offensiv frech angelegten Inszenierung offenbar bewusst, trotzdem konnte er manche Unerträglichkeiten (Haus reimt sich auf Maus) nicht vermeiden. Dass die enttäuschte Marie beim Sopransolo als "armes, armes Mädchen" nicht am Spinnrad saß, sondern wütend mit Dreck um sich warf, war eine der erfreulichen Überraschungen um den spießigen Mief kurzzeitig zu verscheuchen.
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"Der Waffenschmied" beendet Rekordsaison auf Luisenburg
Um das heiratsfähige Schmiedstöchterlein Marie (sehr mädchenhaft: Linda Heins) drehte sich auch alles. Die Tochter Hans Stadingers soll unter die Haube, aber keinesfalls einem Adeligen angehören, da ein Ritter einst ihre Mutter ver- und entführte. Der Schmied favorisiert seinen Gesellen, doch wird es am Ende anders kommen: Graf von Liebenau (sehr elegant verkörpert von Bariton Fred Bonitz) schleicht sich in Haus und Werkstatt ein, tritt (etwas unverständlich) auch als "Phantom der Oper" mit weißer Gesichtsmaske und Zylinder auf, und wird seine Marie nach Widerständen erhalten.
Alls mannstolle Schachtel musste Silke Richter als "Jungfer Irmentraut" den Anstandswauwau Maries geben: Stimmlich und komödiantisch überzeugend hätte der Regisseur sich bei dieser Figur auch noch einen wohltuenden Klischee-Bruch einfallen lassen können. Als schwäbelnder "Ritter von der traurigen Gestalt" wirkte Michael König als Running Gag mit. Gastwirt Kay Frenzel machte seine Geschäfte mit allen verwirrten Seiten und Tenor Falk Hoffmann schindete als Knappe Georg mächtig Eindruck, sodass man von ihm noch mehr hören und sehen möchte.
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"Der Waffenschmied" beendet Rekordsaison auf Luisenburg
Doch die alles beherrschende Rolle des Waffenschmieds und Tierarztes (darum der weiße Kittel!) wurde von Hagen Erkrath in jeder Hinsicht imposant ausgefüllt. Schade nur, dass ausgerechnet sein grandioses achtstrophiges Lied "Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar" rund um die Hälfte gekürzt worden war. Für diese wirklich "köstliche Zeit" hagelte es Sonderapplaus für den herausragenden Solisten, der im kommenden Jahr auf der Luisenburg den Sarastro in Mozarts "Zauberflöte" geben wird und das Musiktheater endlich von seinem Mauerblümchendasein erlösen könnte.
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