Vor 90 Jahren wurde der legendäre US-Untergrundliterat Charles Bukowski in Deutschland geboren
In seinen Geschichten setzte er Verlierern und Gescheiterten ein Denkmal. Nach dem Willen eines rührigen Vereins soll der US-amerikanische Untergrundliterat Charles Bukowski auch selbst ein Museum erhalten - im rheinland-pfälzischen Andernach. Dass der 1994 in Los Angeles gestorbene Kult-Autor deutsche Wurzeln hat, ist nur wenigen bekannt: Der "Poet der Gosse" kam am Montag vor 90 Jahren, am 16. August 1920, in Andernach als Heinrich Karl Bukowski zur Welt. Als Kleinkind zog der Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen mit seinen Eltern in die USA.
Die Stadt Andernach und die Eigentümer des Geburtshauses stünden dem Museumsprojekt wohlwollend gegenüber, erklärt die in Bamberg ansässige Charles-Bukowski-Gesellschaft, die das Vorhaben seit Jahren vorantreibt. Doch noch sei die veranschlagte Summe, die allein aus privaten Spenden finanziert werden soll, nicht zusammen. "Bis zum Geburtstag schaffen wir es nicht", bedauert der 39-jährige Vorstandsvorsitzende, der mit Künstlernamen Roni heißt.
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Vor 90 Jahren wurde der legendäre US-Untergrundliterat Charles Bukowski in Deutschland geboren
Immer deutsche Fans
In Deutschland hatte Bukowski schon zu Lebzeiten eine treue Anhängerschaft. Als der US-Kulturbetrieb den Trinker mit dem vernarbten Gesicht noch weitgehend ignorierte, wurde er auf seinen Lesetouren durch deutsche Städte bereits in den 70er Jahren gefeiert. Der Lyriker und Schriftsteller Wolf Wondratschek ernannte Bukowski 1977 zum "neuen Schreib-Weltmeister im Schwergewicht, Gewichtsklasse Hemingway". Das Scheitern war das große Lebensthema von "Buk", wie ihn seine Fans nennen. In seinen Geschichten geben sich Säufer, Huren und Spieler zwischen zwielichtigen Bars, verwanzten Absteigen und Wettschaltern ein Stelldichein. Ausweglose Situationen milderte er mit der trotzigen Selbstironie eines Underdog, der nichts mehr zu verlieren hat. Bukowski habe die Fäkalsprache poesiefähig gemacht, schrieb das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in einem Nachruf.
Verhängnisvolle Trunksucht
"Ich würde mich als eine merkwürdige Type bezeichnen, als eine seltsame Kreatur, die plötzlich auftaucht und eigenartige Töne von sich gibt", hat sich der Autor einmal selbst beschrieben. Vieles, was Charles Bukowski nachts bei Dosenbier und klassischer Musik wie besessen in seine Schreibmaschine hackte, kannte er aus eigenem Erleben. Bevor er Kultstatus und später Weltruhm erlangte, schlug sich der Vater einer Tochter als Gelegenheitsarbeiter bei Eisenbahn und Post oder in Bars durch. Seine Trinkerei führte ihn in die Psychiatrie und auch ins Gefängnis, eine Magenblutung überlebte der Alkoholiker nur knapp.
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Vor 90 Jahren wurde der legendäre US-Untergrundliterat Charles Bukowski in Deutschland geboren
Vom Schreiben leben konnte der passionierte Pferdewetter erst nach dem Erfolg des Romans "Der Mann mit der Ledertasche"- da war er bereits 50 Jahre alt. Bis zu seinem Lebensende - er starb mit 73 Jahren an Leukämie - veröffentlichte er mehr als 40 Bücher. "Ich habe viele Briefe von Lesern, die sagen, meine Bücher wären ihre Rettung gewesen", notierte Bukowski kurz vor seinem Tod in seinen Tagebüchern. "Aber dafür habe ich sie nicht geschrieben. Sondern um meinen eigenen Arsch zu retten."
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