Von (cf) |
23.07.2010
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Weiden
100 Jahre Seltmann: "Branchen-Primus"
Bescheiden und bodenständig zum Erfolg
Weiden. (cf) Im 100. Jahr seines Bestehens hat das Familienunternehmen Seltmann nichts an Glanz verloren. Nach der desaströsen Porzellan-Strukturkrise steht Seltmann international als eine Art Branchen-Primus dar. Der Erfolg gründet auf alten kaufmännischen Tugenden, Bescheidenheit und Bodenständigkeit. Bis heute bewahrt sich die Familie Seltmann ihre Unabhängigkeit von den Banken.
Mit Christian Seltmann sen. (74), Christian Seltmann jun. (45), Geschäftsführer Werner Weiherer und Geschäftsführer Josef Kallmeier sprach Clemens Fütterer.
Die Position ist exotisch - als letzter Familienbetrieb der Branche.
Seltmann sen. : In dieser Größenordnung sind wir tatsächlich das einzige Porzellan-Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum. Wir pflegen kurze Entscheidungswege und den Zusammenhalt der Familie. Wir können hier ohne Vorbehalte über alles reden.
Was macht den Erfolg von Seltmann Weiden aus?
Seltmann sen. : Der Appell "Mass halten" von Ludwig Erhard hat mich schwer beeindruckt. Er ist die Quintessenz. Jeder Unternehmer muss das tun, was er kann - und darf nicht irgendwelchen Hirngespinsten und Luftschlössern nachlaufen. Wer äußerst sparsam ist, verfügt in harten Zeiten über einen Notgroschen.
Ist es richtig, dass die Firma Seltmann keinen Bankkredit braucht, die Investitionen bar bezahlt und die Gewinne reinvestiert?
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23.07.2010
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100 Jahre Seltmann: "Branchen-Primus"
Bescheiden und bodenständig zum Erfolg
Seltmann sen.: Wir sind auch unabhängig von den Banken, sonst würde unsere Firma vermutlich nicht mehr existieren. Es ist für jedes Unternehmen schwer, den Kapitaldienst zu erwirtschaften. Unsere Gewinne verbleiben im Unternehmen.
Gerade bei den Seltmann-Jubilarehrungen ist eine besondere Unternehmenskultur spürbar.
Seltmann sen. : Ohne Mitarbeiter geht nichts. Es liegt an einem selber, gute Leute zu finden und zu halten. Dies geht nur über persönlichen Kontakt. Es ist Teil des Erfolgsgeheimnisses, dass unsere Mitarbeiter oft seit Generationen dem Unternehmen verbunden sind. Deshalb produzieren wir auch nicht in China.
Weiherer : Wo Seltmann draufsteht, ist auch Seltmann drin.
Renommierte Hersteller wie Rosenthal oder Hutschenreuther mussten aufgeben.
Seltmann sen. : Wir sind stolz darauf, während der letzten 100 Jahre allen Wandel gemeistert zu haben.
Wie ist die Firmengruppe Seltmann heute strukturiert?
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Bescheiden und bodenständig zum Erfolg
Weiherer : Wir zählen 1000 Beschäftigte. Hochmoderner Hauptproduktionsstandort mit 80 Robotern und Schulungszentrum ist Erbendorf. In Weiden erfolgen Veredelung und Versand. Der Standort Krummenaab dient als Logistikzentrum. Mit dieser Struktur ist Seltmann für die Zukunft bestens aufgestellt. Wir haben in den vergangenen Jahren mehr als 20 Millionen Euro investiert.
Sie nahmen auch viel Geld in die Hand, um Anfang der 90-er Jahre die traditionsreichen Porzellanmanufakturen in Thüringen zu retten.
Seltmann sen. : Das war eine dramatische Aktion. Unsere Familie sah es als moralische Verpflichtung, die Aelteste Volkstedter in Rudolstadt nicht sterben zu lassen, sondern als Kulturgut zu erhalten. Zudem rundet das figürliche Porzellan das Sortiment ab. Sicher, wir investierten hier viel Geld. Der Schmerz wäre aber größer, diesen Kunstschatz kaputt gehen zu lassen. Der Markt für figürliches Porzellan ist schwierig, seitdem die Nachfrage aus Asien und USA völlig eingebrochen ist.
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Bescheiden und bodenständig zum Erfolg
Wie weiß der Hersteller, welches Produkt zum Markterfolg wird?
Weiherer : Der Geschmack richtet sich nach dem Markt, man muss ein Gefühl für den Trend entwickeln. Früher war ein Service mit 60 bis 70 Teilen angesagt, heute mehr der Partylook. Unser Haus entwickelt selber die Design-Ideen. Die Tischkultur muss wieder eine andere Bedeutung gewinnen. Der deutsche Porzellanhersteller kann mehr, als eine Unter- und Obertasse produzieren.
Seltmann jun. : Unser Vorteil ist auch die Flexibilität. Wir setzen Design-Änderungen schnell um.
Weiherer : Der Importdruck auf die Porzellanhersteller in Deutschland wird immer stärker. In Fernost sind sie nicht auf moderne Maschinen angewiesen, dort ist die Arbeitskraft billig. Die Konkurrenz aus Asien liefert inzwischen Produkte von relativ guter Qualität - zu günstigen Preisen.
Sie gehen rechtlich gegen Kopien von Seltmann-Design vor?
Weiherer : Wir haben rechtlich sämtliche Entwicklungen von Seltmann auf dem europäischen Markt geschützt. Dies kostet uns zwar einiges Geld, wir können jedoch nicht die Entwicklungsabteilung für China sein. Wir strengten in den vergangenen Jahren rund 30 Geschmackmuster-Verfahren an, bei denen die Händler die Ware wieder vom Markt nehmen mussten.
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Bescheiden und bodenständig zum Erfolg
Seltmann baut auf die Geschäftsführer Weiherer und Kallmeier.
Seltmann jun. : Ohne Werner Weiherer und Josef Kallmeier geht nichts. Sie sind eine einmalig tüchtige Führungscrew, mit der unser Betrieb steht und fällt. Sie arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam mit der Belegschaft für unser Unternehmen.
Wie ist die Auftragslage?
Weiherer : Im ersten Halbjahr 2010 erzielten wir einen guten Umsatz. Gegenwärtig befindet sich der Handel allgemein im Sommerloch. Aber wir sind zuversichtlich.
Wird es eine 100-Jahr-Feier für die Mitarbeiter geben?
Seltmann jun. : Es ist nicht die Zeit für große Feiern. Wir müssen schauen, wie wir zu Aufträgen zur Sicherung der Arbeitsplätze kommen.
Kallmeier : Seit 20 Jahren gab es bei Seltmann übrigens keinerlei Kurzarbeit. Unsere Mitarbeiter verfügen über Jahresarbeitszeit-Konten.
Herr Seltmann, Ihr Mercedes-Geländewagen genießt Kultstatus.
Seltmann sen. : Der Mercedes G ist 20 Jahre alt und hat rund 420 000 Kilometer auf dem Tacho. Gelände-Kilometer, das war nie ein Auto für die Oper. Der Wagen bringt mich zur Holzarbeit in den Wald oder zur Wildfütterung auf die Jagd.
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