Luisenburg-Festspiele 2010 starten mit "Rocky Horror Show" - Schrille Inszenierung, krasse Verjüngungskur
Musicalfreunde schleppen diesen Sommer nicht nur die obligatorische "Kissen- und Deckentasche" mit hoch auf die Luisenburg, sondern noch einen zweiten Beutel, gefüllt mit Reis, Zeitung, Feuerzeug, Toilettenpapier, Toastbrot und Wasserspritzpistolen. Das Mitmachmusical "Rocky Horror Show" (uraufgeführt 1973 in London, verfilmt 1975) eröffnete am Freitag die 120. Saison der Luisenburg-Festspiele.
"Altneihauser" rotzfrech
Die älteste Naturbühne Deutschlands erlebte mit der schrillen Inszenierung von Hardy Rudolz (in deutscher Sprache mit englischen Originalsongs) eine ziemlich krasse Verjüngungskur, die alten Luisenburghasen in Sehnsucht nach der deutschen Klassik schon ein paar Tränen in die Augen treiben kann. Aber vermutlich bedeutet dies auch eine Stabilisierung der einzigartig erfolgreichen Intendanz unter Michael Lerchenberg.
Das alljährlich drög-steife Eröffnungsritual, diesmal angeführt von Minister Joachim Herrmann als stellvertretendem Schirmherrn, von Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg sowie Ehrengästen ("Das sind Personen, die sich überhaupt nicht lohnen, weil sie sich vor der Bühne aalen und gar keinen Eintritt zahlen") wurde von der "Altneihauser Feierwehrkapell'n" rotzfrech reanimiert.
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Luisenburg-Festspiele 2010 starten mit "Rocky Horror Show" - Schrille Inszenierung, krasse Verjüngungskur
Kommandant Norbert Neugirg teilte sauber aus, nicht nur als er den Intendanten einen "verkrachten Bier- und Fastenprediger aus München" nannte. Mitten hinein in das grüngraue Wald- und Felsenidyll setzt Bühnenbildner Jörg Brombacher für die "Rocky Horror Show" eine orangerostige Ruinenlandschaft des postindustriellen Krisen-Deutschlands. Hier landet ein Ufo, etabliert sich ein seltsames spaßiges und rockendes Völkchen aus "Transsexualien". Man mag Hardy Rudolz (entgegen all seinen Beteuerungen) nicht unbedingt glauben, dass er dem Regietipp des Autors Richard O'Brien "Einen Joint rauchen - Augen zu - und durch!" nicht doch irgendwie gefolgt ist.
Noch nie ist die 30 mal 30 Meter große und hohe Luisenburg-Naturbühne (über volle zwei Stunden) so geheimnisvoll, so bunt, so laut, so erotisch und effektvoll bespielt worden. Die Bühne wird durch das Riesenensemble zum Tollhaus - und die Tribüne wird von den Zuschauern zum Schlachtfeld verwandelt. In der Doppelrolle des Pausenclowns und Erzählers steht Michael Boettge schräg im Mittelpunkt.
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Ideal dargestellt
Als seltsame Hausdame "Magenta" setzt Gudrun Schade unter die Haut gehende Akzente, und das unschuldige Pärchen, das sich nach einer Autopanne in das Gruselschloss verläuft, wird entsprechend dauerschockiert von Isabella Leicht und Matthias Lehmann verkörpert. Den "tumben Tor" gibt Jürgen Fischer als Kunstmensch Rocky. Doch getragen wird die ganze Inszenierung von Dr. Frankensteins sexuell und chirurgisch experimentierendem Enkel Frank N. Furter, ideal dargestellt von Norman Stehr, einem international ausgebildeten Musicalstar und erfahrenen Solisten vom Münchner Gärtnerplatztheater.
131 000 bereits vor der Eröffnung verkaufte Karten bedeuten, dass man sich für einen Besuch schnell entscheiden sollte. Karten gibt es beim NT-Kartenservice, Telefon 0961/85-550.
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