Wasserfarbbilder, Fotocollagen und eine lange krumme Narbe
Die internationalen Künstler Anna Lisa Blöth, James Watson und Quintan Ana Wikswo sind zu Gast im Oberpfälzer Künstlerhaus
Einblick in seine internationale Künstlerförderung, von der im Austausch auch die Oberpfälzer profitieren, gab am Montag das Oberpfälzer Künstlerhaus in Fronberg. Zurzeit sind für mehrwöchige Arbeitsaufenthalte drei vielfach ausgezeichnete Künstler zu Gast, die sehr klare Vorstellungen von ihren Projekten geben können.
Bilder statt Boote
Die finnische Malerin Anna Lisa Blöth etwa kommt aus Nykarleby. Mit dem dortigen Künstlerhaus bestehen seit acht Jahren gute Kontakte. Vermittelt durch das "Virginia Center for the Creative Arts" sind der Zeichner James Watson aus Boone (North Carolina/USA) und die Fotografin und Schriftstellerin Quintan Ana Wikswo aus Los Angeles (Kalifornien/USA) derzeit im Künstlerhaus.
Die Künstler kann man am 11. Juli beim "Tag der offenen Studios" von 11 bis 16 Uhr kennenlernen. Bis dahin werden auch noch die Komponistin Andrea Clearfield (USA) und der Glaskünstler Juan Carlos Quintana (USA) eingetroffen sein. Zur Kunst kam Anna Lisa Blöth (Jahrgang 1951) durch die Arbeitslosigkeit: Als sie als Bootsbauerin in der finnischen Finanzkrise Anfang der neunziger Jahre keine Aufträge mehr erhielt, studierte sie 1993 bis 1997 an der "Svenska Konstskolan i Nykarleby", hängte noch ein Jahr an der "Svenska Yrkeshögskolan" (Schwedische Gewerbeschule) dran und arbeitet seit 1998 als freie Künstlerin.
Wasserfarbbilder, Fotocollagen und eine lange krumme Narbe
Die internationalen Künstler Anna Lisa Blöth, James Watson und Quintan Ana Wikswo sind zu Gast im Oberpfälzer Künstlerhaus
Vom Figurativen und der Darstellung des menschlichen Körpers entwickelte sie sich mit der Zeit hin zum Abstrakten. In ihrem Schwandorfer Atelier arbeitet Blöth mit Wasserfarben an konstruktivistischen Bildern, die nicht der üblichen Aquarellmalerei ("Nass in nass") entsprechen, da die jeweiligen Formen klar abgegrenzt sind und nicht ineinander verlaufen. Inzwischen klappt es aber auch wieder mit dem Bootsbau, so dass die Malerin nur noch in der Freizeit zum Pinsel greifen kann.
Secondhand-Schätze
Ein hervorragender Zeichner ist James Watson (geboren 1972 in Pitt County, North Carolina), seit drei Jahren Dozent an der Appalachian State University seines Heimatstaats in Boone.
Watson gehört der Künstlervereinigung "Elsewhere" an, die über einen einzigartigen Schatz verfügt: einen Secondhand-Shop, der sich über drei Jahrzehnte in eine Sammlung verwandelte und nun nach dem Tod der Ladenbesitzerin ein unermessliches Sammelsurium bietet. Verschiedene Gegenstände hat Watson fotografiert und in seiner Erinnerung abgespeichert, um diese nun in wilden und bunten Collagen miteinander zu vereinen.
Wasserfarbbilder, Fotocollagen und eine lange krumme Narbe
Die internationalen Künstler Anna Lisa Blöth, James Watson und Quintan Ana Wikswo sind zu Gast im Oberpfälzer Künstlerhaus
Quintan Ana Wikswo besitzt eine Sammlung aus dreißig analogen alten Fotokameras, die sie samt dem Filmmaterial auf das Schändlichste misshandelt, um ungewöhnliche Effekte zu erzielen: Sie widmet sich seit 1989 in Wort, Bild und Installationen dem Thema Menschenrechte. Auf der alles andere als schwierigen Suche nach Unrecht behandelt sie den Holocaust, die Judenverfolgungen im Mittelalter sowie die menschenverachtende Behandlung der aus Afrika nach Nordamerika verschleppten Sklaven.
Bei ihrem jetzigen Aufenthalt setzt Wikswo ihr Projekt "A long curving scar where the heart should be" (Eine lange krumme Narbe, wo das Herz sein sollte) auch durch Besuche im Konzentrationslager Flossenbürg fort. Vom 11. Juli bis 22. August gehört die Kalifornierin zu den Künstlern, die in der Ausstellung "Jeder Tag ist eine Reise" im Künstlerhaus Schloss Plüschow gezeigt werden, dem mecklenburgischen Partner der Fronberger Institution.
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