Fliegender Teppich, Lampengeist und Sultanstochter
Kinderstück "Aladin" lässt bei den Burgfestspielen Leuchtenberg den Orient lebendig werden
Sogar die Sonne zeigte am Samstag, was sie kann. Sie war noch das Tüpfelchen auf dem i der gelungenen Inszenierung von "Aladin" auf der Burg. Über 70 spannungsreiche Minuten konnten die Familien auf der voll besetzten Tribüne nicht nur bei Aladins Abenteuern im Orient mitfiebern, sondern auch mitsingen, mitklatschen und dem Helden helfen. Dafür wurden sie - Simsalabim - auf bezaubernde Art und Weise belohnt und in das magische Märchenreich von Tausendundeiner Nacht entführt.
Beim ersten Kinderstück der Burgfestspiele Leuchtenberg (unter neuer Ägide des "Landestheaters Oberpfalz") führt Susanne Stangl mit ihrer reichen Erfahrung auf, hinter und vor der Stadtbühne Vohenstrauß Regie. Ohne jede Länge, dafür reich an märchenhaftem Zauber für Augen und Ohren, einer heiteren Brise Humor und gehöriger Respektlosigkeit gegenüber Wesiren und Sultanen sorgt "Aladin" mit dem Fund der Wunderlampe in seinem Kampf gegen den bösen Großwesir für einen Theaternachmittag der Spitzenklasse.
Fliegender Teppich, Lampengeist und Sultanstochter
Kinderstück "Aladin" lässt bei den Burgfestspielen Leuchtenberg den Orient lebendig werden
Hier auf der Burg spielen Kinder und Jugendliche für Kinder, hier stehen "Behinderte" und "Normale" gemeinsam auf der Bühne, hier legen sich alle mit großer Leidenschaft ins Zeug. Und das "Zeug" wurde in diesem Fall von Hildegard Schmucker (Bühnenbau), Eva Schwab (Kostüme) und Stefanie Gallitzendörfer (Maske) mit größtem Aufwand und stimmig bis in kleinste Details (orientalische Schnabelschuhe) gestaltet: Ein Sultanspalast mit fünf goldenen Kuppeln, ein Basar und eine monumental große Wunderlampe gehören dazu wie der fliegende Teppich, Haremsdamen in Samt und Seide, Gold und Glimmer.
Zwei Wanderer bauen dem Publikum die Brücke in das Morgenland: Sie machen die Kinder mit den Hauptfiguren bekannt und helfen Aladin dabei, vom bitterarmen Halbwaisen bis zum Märchenprinz mit Palast, Edelsteinen und Sultanstochter Jasmin (zickig und attraktiv: Katharina Stark) aufzusteigen. Alleinerziehend und in dem gewissen Alter einer Frau, wo sowieso alle Welt nur denkt, "die spinnt ja", hat es Aladins Mutter (Sigrid Künkler) nicht immer leicht, der raketenhaften Karriere ihres Sohnes zu folgen.
Fliegender Teppich, Lampengeist und Sultanstochter
Kinderstück "Aladin" lässt bei den Burgfestspielen Leuchtenberg den Orient lebendig werden
Beeindruckend sind auch die mit Knallerbsen gewürzten Auftritte des bösen Großwesirs Jassaraf (souverän: Matthias Berthelshofer) mit der schwarzen Ghula (teuflisch gut: Christiane Schieder). Und eine perfekt pointierte Lachnummer bot schwerhörig und wohlbeleibt "Sultan" Lukas Höllerer. Die Nebenrollen und das Tanzensemble aus Haremsdamen setzen gewinnende Akzente, doch alles wäre nichts ohne Musik und die contestverdächtigen Songs von Markus Engelstädter und Bernd Meyer ("Nenn mich Aladin!") sowie die "bezaubernde Jeannie", den silber-blauen Dschinn-Geist (Max-Ferdinand Kreuzer).
Papas und Opas dürften sich über die zwei orientalischen Tänze von Lisa Scheck (Tanzstudio Sent Mahesa, Vohenstrauß) freuen, und eine gehörige Portion Kolorit trägt die eingestreute arabische Sprache bei, deren Artikulation selbst die Arabistin erstaunt. Am Ende erweist es sich, dass Freiheit wichtiger ist als alle blinkenden Reichtümer, und alle feiern ein opulentes Fest, bis die Sultanspalastwände wackeln. Zu sehen ist das Stück noch bis zum 1. August. Karten sind erhältlich unter Telefon: 09659/93 100.
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