Otfried Preußlers Kinderstück "Die kleine Hexe" eröffnet die Luisenburg-Festspiele 2010 in fetziger Neufassung
Es riecht nach Feuer, Hölle und Schwefel. Rauchwolken und Nebelschwaden ziehen geheimnisvoll durch die Fichten und Birken der Luisenburgbühne. Heftige Blitze deuten mit Donner und Doria die Welt der Magie an. Und mittendrin heizt Otfried Preußlers "Kleine Hexe" dem frierenden Publikum am Mittwochvormittag tüchtig ein.
Der Klassiker aus dem Jahr 1957 wurde von Regisseurin Petra Wüllenweber tüchtig entstaubt, durch aktuelle Bezüge, Komik, Tanz und Musik so gehörig beschleunigt, so dass die ganze Familie über achtzig rasende Minuten einen Riesenspaß bei einem Mega-Spektakel haben kann.
127 Jahre jung
Mit ihren nur 127 Jahren ist die kleine Hexe (Katharina Schwägerl, letztes Jahr die "Magd Lina" im "Michel von Lönneberga") ein quicklebendiger und rotzfrecher Teenie. In ihrem pinken Outfit und mit ihrem Turbo-Besen "Horsti-Borsti", den sie in "Pfefferkorns Besen-Boutique" eigentlich "lieber als Viersitzer" erworben hätte, rast sie einmal die ganze beachtliche Höhe der Felsenbühne hinunter - nachdem sie trotz Aschewolke die Flugerlaubnis erhalten hat.
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Otfried Preußlers Kinderstück "Die kleine Hexe" eröffnet die Luisenburg-Festspiele 2010 in fetziger Neufassung
Die Nachwuchshexe im Azubi-Status, die sich auf die große Zauberprüfung vor dem Hexenrat zur Walpurgisnacht vorbereitet, erliegt nur einem Missverständnis dessen, was unter einer "guten" Hexe zu verstehen ist. Sie verwechselt die teuflische Profession mit dem Ehrenkodex der Pfadfinder und verrichtet jeden Tag eine gute Tat. Sie hilft mit ihren magischen Kräften, wo sie nur kann, unterstützt von ihrem Freund, dem Raben Abraxas (Johann Anzenberger), einem richtigen Spaßvogel. Die 27-jährige Passauerin Katharina Schwägerl verkörpert ihren Part einfach hinreißend: Mit ihrer Gesangs-, Tanz- und Schauspielausbildung samt Kabaretterfahrung ist sie ein wahrer Tausendsassa, wie geschaffen für diese verzaubernde Rolle.
Doch ist das ganze große Ensemble mit preisverdächtig fantasievollen Kostümen (von Heide Schiffer-El Fouly) an der höchst amüsanten Handlung behexend beteiligt. Als investigative Journalistin, stark gehandicapt durch einen Hexenschuss, bewaffnet mit einer Fotokamera und stets auf die auffälligste Weise "getarnt", dokumentiert die Muhme Rumpumpel (Caroline Hetenyi) für die bevorstehende Inquisition durch den Hexenrat sämtliche Fehltritte des Nesthäkchens. Henetyi glänzt hier sowohl durch ihr ungeheures komisches Talent wie durch ihre opernreifen Koloraturen.
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Rockige Songs
"Das war so richtig gemein!," protestiert die Kleine gegen die Mächtigen in einem ihrer rockigen Songs, und auch das an "Stomp" erinnernde Besen-Ballett der Straßenfeger setzt ein musikantisches Highlight. Am Ende wird die Walpurgisnacht zur kunterbunten Blocksberg-Disco und das Hexenfest zum Maskenball der Grausamkeiten.
Oberhexe (Alfred Schedl) lehrt einen das Gruseln in der Kostümmischung aus Bavaria und Walküre. Und die kleine Hexe hat eine grandiose Idee, wie sie ihrer Bestrafung entgehen und sich nachhaltig rächen kann. Achtung: Die ersten Reihen in der Mitte bekommen einiges ab!
"Die kleine Hexe" zaubert vom 13. Juni bis 7. August weiter auf der Luisenburgbühne, Beginn jeweils 10.30 Uhr. Karten beim NT/AZ-Ticketservice unter Telefon 0961/855-50 und 09621/306-230..
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