Hinreißend: Olivier Francs Band zum 35. Geburtstag des Jazz-Zirkels Weiden
Sopransaxophonist Olivier Franc (Zweiter von links) zollte am Samstag mit Traditional Jazz vom Feinsten seinen "Tribute to Sidney Bechet" zum 35. Geburtstag des Jazz-Zirkels Weiden. Bild: apz
Der Maiball und Köng Fußball forderten am Samstag ihren Tribut. Da fiel die Besucherzahl zur Feier des 35. Geburtstags des Jazz-Zirkels Weiden mit Oliver Francs "Tribute to Bechet Band" nicht allzu üppig aus. Die weltbekannten fünf Musiker aus Paris, die eine selten reiche und kostbare Verbindung von New Orleans Jazz und Swing à la Francaise für die Jazzlegende Sidney Bechet boten, waren genau die richtigen Interpreten für die festlich gestimmte Jazzfamilie Weidens.
War doch Olivier Franc, der übrigens das Instrument Sidney Bechets spielt, schon im Gründungsjahr des Jazz-Zirkels mit seinem Vater René vor Ort gewesen, so hatte der zu den weltweit führenden Sopran-Saxophonisten zählende Musiker diesmal seinen eigenen Sohn Jean-Baptiste Franc (Piano), sowie Daniel, den Sohn Sidney Bechets, am Schlagzeug dabei. Und mit dem Konzerttermin, dem 15. Mai, hatten die Veranstalter Sidney Bechets Geburts-und Sterbetag nur um 24 Stunden verfehlt.
Familienfeier war also auf dem Podium und im Gustav-von-Schlör-Saal angesagt. Im ersten Set stellte sich der Saxophonist auch als Komponist vor und spazierte bei "Rosemay" gemächlich durch den Jazzgarten, jagte flott durch die Oktaven beim "Chicken Boogie Woogie" und beschrieb sich vielleicht selbst als "Big Boss", und erzählte mit femininer Eleganz des Stücks "Pour Indira" von seiner Schwester. Vor den Fenstern ballten sich dicke dunkle Wolken zusammen, als Olivier Franc Sidney Bechets blühende Interpretation von George Gershwins "Summertime" anstimmte, und die Anwesenden daran erinnerte, dass da noch so etwas war und wieder sein könnte wie Sonne und Wärme.
Hinreißend: Olivier Francs Band zum 35. Geburtstag des Jazz-Zirkels Weiden
Doch der Saxophonist war nur ein "Primus inter Pares": Posaunist Benoit de Flamesnil agierte samtweich bei den Dialogen, brachte mit seinen Untermalungen Francs Sopran zum Leuchten. An seinem hellen Kontrabass für die dunklen Töne verblüfft Gilles Chevaucherie durch ungeheure Agilität, lustvolle Saitenschnalzer und perkussivem Einsatz des Corpus.
Nicht in die instrumentalen Fußstapfen ihrer Väter gestiegen zu sein, aber dennoch das ungeheure musikantische Talent zu nutzen, war wohl eine kluge Entscheidung der beiden mitwirkenden Musikersöhne gewesen: Weit mehr als einen Pausenfüller stellte Jean-Baptiste Franc am Fügel mit seinen Eigenkompositionen wie "New JB" , "Stand still" und "Glockenspiel" dar. Immer wieder fragte man sich, ob dieses Bandmitglied tatsächlich nur zehn Finger habe. Bei seinen Soli bei "John Fantasy" bewegte sich der Daniel Bechet auf seine wirkliche Leistungsfähigkeit zu, bot ein farbiges Schlagzeugfeuerwerk der Extraklasse. Bescheiden lenkte er den ihm geltenden Applaus des Publikums auf das Neueste vom Neuen, sein blitzsauberes Schlagwerk aus der auf 20 Exemplare limitierten "Tama Artstar Special Edition", so als habe er nur am Rande mit dem eben Gehörten zu tun.
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Das einzige Stück des Abends, das nicht angekündigt wurde, war Sidney Bechets berühmteste Eigenkomposition, die seit über einem halben Jahrhundert von den Spatzen von den Dächern gepfiffen wird. Und bei dieser traurig-schönen "Petite Fleur" blühte denn auch die Saxophonstimme besonders vibratoreich auf, schraubte sich das Saxophon in die Höhen, sang sich durch die Ohrwurm-Melodie, malte magische Kreise in die Luft.
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