Von Marielouise Scharf |
15.05.2010
| Netzcode: 2323472 | 952 Mal gelesen.
Sulzbach-Rosenberg
Ein stählerner "Sommernachtstraum"
Theaterensemble "Rampenfieber" spielt Shakespeares Klassiker im früheren Kraftwerk der Maxhütte
Ventile an Kesseln, dickes Gestänge, fette Rohre, frei schwebende Podeste - in diesen industriellen Zauberwald pflanzen Regisseur Winfried Steinl und seine erweiterte Schauspieltruppe "Rampenfieber" einen ganz neuen Drama-Baum, wie man ihn so noch nie gesehen hat. Gut gedüngt mit einem Gemisch aus dem antiken Athen, etwas aufgemotztem Shakespeare und marginaler Maxhütte-Vergangenheit wächst da ein Prachtexemplar hoch hinauf in den Theaterhimmel. Selbst bei mageren Temperaturen gedeiht er prächtig im ehemaligen Kraftwerk der stillgelegten Maxhütte.
Neugierige von nah und fern eilten an Christi Himmelfahrt herbei, um bei der ersten Vorstellung dieser Super-Theaterpflanze dabei zu sein. "Kraft-Werk(s) Sommernachtstraum" heißt das Projekt, das in drei Stunden von allen Seiten hervorragend beleuchtet und mit großer Raffinesse herausgeputzt (Kostüme von Barbara Brzoza, Maske: Barbara Söllner) demonstriert wurde. Dazu rieselten zauberhafte Sphärenklänge von Toby Maierl, Anna Lena Neger und Mackl Strobl vom Himmel.
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15.05.2010
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Sulzbach-Rosenberg
Ein stählerner "Sommernachtstraum"
Theaterensemble "Rampenfieber" spielt Shakespeares Klassiker im früheren Kraftwerk der Maxhütte
Antike Liebespaare
Von der Wurzel bis zur Krone ihres theatralischen Wunderbaums lenkt Steinl die Blicke, und natürlich beginnt die Präsentation im Untergeschoss. Im ersten Bild herrscht hierarchische Ordnung: Oben auf der Reling sind die goldbekränzten Geister, eine Etage tiefer ein Sekretärinnen-Geschwader. Dazwischen der Fürst Theseus (Wolfgang Schrüfer) und seine Braut Hippolyta (Maria Dirnberger). Diese beiden sind sich in harmonischer Liebe zugetan.
Ganz anders die jungen Liebespaare: Helena (Judith Hellmuth), die Demetrius (Patrick Santy) liebt, der wiederum Hermia (Nicola Lang) begehrt, Hermia, die wiederum Lysander (Veit Stephan) haben will, der schlussendlich Helena liebt. Bleibt noch der verbohrte Vater Egeus (Winfried Steinl) zu nennen, der ganz andere Pläne verfolgt: Er verlangt, dass seine Tochter Hermia bestraft wird, wenn sie seiner Forderung, Demetrius zu heiraten, nicht folgt. Worauf der Fürst droht, Hermia müsse entweder in ein Kloster oder sterben, falls sie sich nicht fügt - altes Athener Recht. Ob solch schauriger Bestrafung plant das Liebespaar die Flucht.
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Sulzbach-Rosenberg
Ein stählerner "Sommernachtstraum"
Theaterensemble "Rampenfieber" spielt Shakespeares Klassiker im früheren Kraftwerk der Maxhütte
Zu den Charakteren der Maxhütten-Welt gehören der Schmelzer Zettel (Jürgen Huber) und Herr Schlucker (Roman Kuhn), außerdem die Damen vom Chef-Vorzimmer, von der Buchhaltung und vom Röhrenverkauf: die Squenzin (Marina Pilhofer), die Schnockin (Kathrin Lehnerer), die Flautin (Dagmar Müller) und die Schnauzin (Eva Lehner). Ein toller Haufen mit noch tolleren Spielideen für die tragische Komödie von "Pyramus und Thisbe".
Platzwechsel zum Hauptspielort. Es ist eng auf den Tribünenpodesten. Aber das Geschehen ist unglaublich spannend. Mit dem Auftritt von Feenkönig Oberon (Burkhart Häusler), seiner glitzernden Gattin Titania (Brigitte Dotzler) und dem schnuckeligen Lustknaben (Max Meeks) in eng anliegenden, güldenen Beinkleidern, gerät die Maxhütten-Zauberwelt vollends aus den Fugen.
Heldenhafte Akrobatik
Die Akteure turnen halsbrecherisch zwischen den toten Gussstahl-Ungeheuern hindurch. Sie springen von hohen Plateaus und sprechen mit überdeutlicher Artikulation, um die hallende Akustik des Spielortes auszugleichen. Puck (Stephanie Heike), der auch "Schabernack der Nacht" genannt wird, macht seinem Namen alle Ehre.
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Sulzbach-Rosenberg
Ein stählerner "Sommernachtstraum"
Theaterensemble "Rampenfieber" spielt Shakespeares Klassiker im früheren Kraftwerk der Maxhütte
"Verliebten und Verrückten kocht das Hirn", säuseln die Elfen (Stefanie Bachl, Stephanie Benker, Ingrid Biebl, Samantha Chambers, Jennyfer Hake und Sandra Koller). Und der Mond baumelt etliche Meter über der Erde und blinkt sein Licht dazu.
Alle tragen sie dick auf, nicht nur mit dem Lippenstift, wie die beiden Athenerinnen. Alle sind sie stolz auf das gelungene Ergebnis. Alle stehen sie hinter ihrem Theater-Guru, dem Winfried Steinl.
Er hat mit diesem Projekt wieder einmal mehr seine Ausnahmestellung als Vollblut-Theatermann bewiesen. Gespickt mit witzigen Ideen, mit berührender Symbolik und authentischer Bildführung überzeugt diese muntere Shakespeare-Adaption voll und ganz. Sie hat die kalten Hallen mit neuem Leben erfüllt. So können neue Bäume in den Himmel wachsen. Hut ab!
Weitere Aufführungen am16. 21.und22. Maijeweils um 21 Uhr. Ein Shuttle-Bus bringt die Zuschauer um 20 Uhr, 20.20 Uhr und 20.40 Uhr vom Maxhütten-Eingang (Erzhausstraße) zum Spielort. Nach 20.40 Uhr kein Einlass. Karten bei den Buchhandlungen Volkert (Sulzbach-Rosenberg) und Lieret (Amberg).
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