Außergewöhnliche Krimi-Lesung: Klüpfel und Kobr begeistern über 500 Zuhörer bei Weidener Literaturtagen
Weiden. Eine Lesung im Doppelpack? Ja logisch, wenn schon im Duett geschrieben wird: Die ehemaligen Kemptener Schulfreunde Volker Klüpfel und Michael Kobr, die sich nicht nur ihren Sinn für Wortwitz und Situationskomik, sondern sogar auch eine gemeinsame Urgroßmutter teilen, stellten am Samstag bei den 26. Weidener Literaturtagen im Evangelischen Vereinshaus mit "Rauhnacht" ihren fünften Allgäuer Heimatkrimiband vor.
Grantiger Kommissar
Kommissar Kluftinger ermittelt im neuen Band unfreiwillig zur Silvesterzeit in einem abgelegenen Berghotel, das seine Wiedereröffnung mit kostümierten Gästen bei einem Krimiabend eröffnet. Hier übernimmt der grantige Kommissar Kluftinger als Ehrengast die Rolle von Agatha Christies (auf Allgäuerisch: "Aggahda Grischdi") Meisterdetektiv Hercule Poirot. Doch aus dem unterhaltsamen Suchspiel wird bald blutiger Ernst, als ein Gast ermordet in seinem Zimmer gefunden wird. Das Hotel wird eingeschneit, die Lawinengefahr steigt, alle Kommunikationsmöglichkeiten mit der Außenwelt brechen ab, die Lage spitzt sich zu...
Außergewöhnliche Krimi-Lesung: Klüpfel und Kobr begeistern über 500 Zuhörer bei Weidener Literaturtagen
Mit "Rauhnacht" erstürmte das Bestsellerduo die Spitze der einschlägigen Verkaufslisten binnen kürzester Zeit. Insgesamt haben die Kluftinger Krimis schon Millionenauflagen erreicht. Die Verfilmung des zweiten Bands "Erntedank" wurde bereits letzten Herbst im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt. In Jeans und Turnschuhen (ergänzt durch einige Accessoires aus "Kluftis Kiosk") präsentieren sich die beiden Enddreißiger, der Augsburger Kulturredakteur Volker Klüpfel und der Memminger Realschullehrer Michael Kobr, dem erwartungsvollen Weidener Publikum. Obwohl der fünfte Krimi des Autorenduos ganz dem Plot des klassischen britischen Rätselkrimis folgt, ist an ihrer Lesung rein gar nichts klassisch.
Hier wird der Krimi zur Komödie, die Autorenlesung fast zur Show, das ständige gegenseitige Gefrotzel zur Slapsticknummer. Klüpfel und Kobr stellen die Handlung halb szenisch dar, lesen mit verteilten Rollen in verschiedenen Dialekten und fremdländischen Akzenten. Das gezierte Französisch nimmt man zwar Volker Klüpfel, aber keinesfalls dem schrulligen Kluftinger ab. Denn der dominante zischlautlastige Allgäuer Dialekt, gegen den (so Klüpfel und Kobr) "das Sächsische und Klingonische wie eine Mozart Sinfonie klingen", trägt viel zur Komik bei.
Außergewöhnliche Krimi-Lesung: Klüpfel und Kobr begeistern über 500 Zuhörer bei Weidener Literaturtagen
Witziger Schlagabtausch
Die Lachmuskeln der Zuhörer werden arg strapaziert. Irgendwann lässt sich kaum noch unterscheiden, ob nun das rivalisierende Geplänkel zwischen Kluftinger und seinem mitgereisten Intimfeind Landarzt Dr. Langhammer oder der wechselseitige Schlagabtausch der beiden Autoren witziger ist.
Die Frage nach dem Mörder wird immer mehr zur uninteressanten Nebensache. Alles wartet nur auf die nächste Pointe, die nächste Peinlichkeit, in die sich der unbeholfene Antiheld Kluftinger nicht nur bei der Leichenbeschau und dem Silvesterfeuerwerk bringt, das von Dr. Langhammer zur großen Kür eines Männlichkeitsrituals benutzt wird.
Als Botschafter des Allgäus in ganz Deutschland unterwegs, gehört bei Klüpfel & Kobr auch eine kleine Sprachkunde über die variabel zu gestaltende Universalfrage "Hä?" und ein unglaublicher Dialog aus Allgäuer Ortsnamen zum kurzweiligen Programm. Derweil misst pausenlos ein "Gscheitometer" (aus pinker Pappe) den Intelligenzwert des Publikums. Vom Amberger Messergebnis von minus 8 schnellte das Weidener Ergebnis (allerdings nicht ganz unmanipuliert!) in Weiden auf plus 94 hoch. Da war man doch sehr zufrieden!
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