Von Michael Scheiner |
24.03.2010
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Regensburg
"Bin kein Savanarola der Musik"
Uraufführung von Franz Hummels 19. Oper "Zarathustra" am 24. April am Theater Regensburg
Die aufwendigste Premiere der Saison stemmt das Theater Regensburg am 24. April: "Zarathustra". Eine Oper von Franz Hummel, Leben und Werk des Dichters und Philosophen Friedrich Nietzsche gewidmet. Das Libretto verfasste Sandra Hummel, Regie führt Intendant Ernö Weil. Seit einigen Jahren lebt Hummel wieder in seinem Geburtsort Altmannstein, nahe bei Riedenburg. Die Kulturredaktion hat sich mit dem 71-jährigen Komponisten unterhalten.
Was hat sie bewegt, sich mit Friedrich Nietzsche zu beschäftigen?
Franz Hummel: Über Nietzsche wollte ich schon viel früher schreiben, aus anderen Gründen als heute. Das Thema lag mir seither wie eine Notwendigkeit auf der Seele - und passt sehr gut in eine katholische Stadt. Es hat ja ganz substanziell mit der Romantik zu tun, die von allen stilistischen Entwicklungen am meisten fasziniert. Ein ungeheurer philosophischer Aufbruch, der nicht nur Gutes hervorgebracht hat.
In der Oper geht es viel um die Person Nietzsches und den Missbrauch, der mit ihm getrieben worden ist, von seiner Schwester Elisabeth und anderen - und der bis heute mit ihm getrieben wird. Und es geht um das kulturelle Umfeld, also Lou Salomé, Richard Wagner - man kann Anklänge an seine Musik hören.
Von Michael Scheiner |
24.03.2010
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Regensburg
"Bin kein Savanarola der Musik"
Uraufführung von Franz Hummels 19. Oper "Zarathustra" am 24. April am Theater Regensburg
Die Oper ist ein Auftragswerk für das Theater Regensburg. Wie ist es dazu gekommen?
Hummel: Ernö Weil hat sich den "Zarathustra" gewünscht. Er wollte schon länger etwas von mir haben. Das hat nie geklappt, weil ich immer mit anderen Sachen beschäftigt war. Vorletzten Winter kam in Erfurt "Der Richter und sein Henker" heraus. Praktisch parallel dazu ist in Linz, der Kulturhauptstadt 2009, die Fouché-Oper uraufgeführt worden.
Jetzt Nietzsche, kein leichter Stoff. Hat uns dieser Denker heute noch etwas zu sagen?
Hummel : Er hätte uns was zu sagen, wenn wir ihn denn kennen und lesen würden! Unabhängig von einer Weltsicht könnte er uns wieder das Nachdenken lehren. Eine tiefere, substanzielle Betrachtung des äußerlich Scheinbaren, das ist uns doch ganz abhanden gekommen. In einer Beziehung geht es Nietzsche wie Wagner: Er wurde von den falschen Leuten geliebt und propagiert. Insbesondere von Hitler und seinen ihn umgebenden Idioten, sodass der Zugang der heutigen Menschen gefiltert ist durch dieses fürchterliche Gewicht.
Von Michael Scheiner |
24.03.2010
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Regensburg
"Bin kein Savanarola der Musik"
Uraufführung von Franz Hummels 19. Oper "Zarathustra" am 24. April am Theater Regensburg
Was kann man dagegen tun?
Hummel: Den Filter wegschieben! Nietzsches Leben und Werk muss - meine ich - unabhängig vom ganzen Schutt betrachtet werden, der auf ihm liegt. Ein ganzes Jahrhundert von Missverständnissen, wie sein angeblicher Antisemitismus ...
... und Kernsprüche wie "Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht!" ...
Hummel: ... nachweislich kein Ausspruch von Nietzsche! Es war die Reaktion auf ein inszeniertes Foto, wo die Frau Salomé die beiden Herren mit der Peitsche antreibt. Genau dieses falsche Gerücht aber ist haften geblieben. Wie die Idee vom Übermenschen, die auf so angstbesetzte Gehirne wie Hitlers gleich Eindruck gemacht hat, als Gebrauchsinstrument von Macht-Usurpatoren.
Und die Musik? Trotz ihres riesigen Erfolgs mit dem populären Musical "Ludwig II." ist Franz Hummel nicht gerade für leichte Kost bekannt.
Hummel: Das ist so ähnlich wie das Problem mit Nietzsche - die Angst davor, etwas nicht zu verstehen. Musik ist nichts als Musik, steht für nichts anderes. Die Oper "Zarathustra" ist meiner Überzeugung nach von der Leidenschaft geprägt, die mich mit der Welt Nietzsches verbindet. Ich bin kein Savanarola der Musik. Aber wenn man in meiner akustischen Ausstellung die Ohren ein wenig aufsperrt, dann nimmt man das mit, was man seiner Persönlichkeit gemäß gebrauchen kann.
Regensburg gilt nicht gerade als Hochburg mit Kunst der Gegenwart...
Hummel: Wenn ich in einem Theater aufgeführt werde, das nicht als Avantgarde verschrien ist, freut mich das besonders. Es ist doch sonnenklar, dass ich etwas lernen kann, wenn ich Gegner habe. Ich möchte mich ja weiter entwickeln.
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