Von Stefan Voit |
18.11.2009
| Netzcode: 2086554 | 272 Mal gelesen.
"Lange genug warf die Vergangenheit ihre Schatten"
KZ-Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit stellt neues Buch über "Erinnerungsort Flossenbürg" in Weiden vor
Weiden. "Alles muss verschwinden, was den Charakter des Lagers hat. Ein wohnliches Dorf soll entstehen!" Dieses Zitat aus den 50er Jahren zeigt, wie schwer es die Gemeinde Flossenbürg im Umgang mit dem ehemaligen Konzentrationslager hatte. Dieser und vielen anderen Fragen ist Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte, in seinem Buch "Erinnerungsort Flossenbürg" (¤ 39,90, Wallstein Verlag) nachgegangen. Das fast 400 Seiten umfassende Werk, gleichzeitig seine Doktorarbeit an der TU Berlin/Zentrum für Antisemitismusforschung, stellte er am Montag in der Weidener Buchhandlung Rupprecht vor.
Vergessenes Lager
Nach der Befreiung des KZ im April 1945 durch die US-Armee beginnt ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Grenzgemeinde. Gerade diese Randlage trägt mit dazu bei, dass Flossenbürg schnell zu einem vergessenen KZ wird. Für die Amerikaner spiegelt sich die eigentliche Befreiung auf den Todesmärschen wider, die 1600 im Lager verbliebenen Häftlinge sind ohne große Bedeutung.
Von Stefan Voit |
18.11.2009
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"Lange genug warf die Vergangenheit ihre Schatten"
KZ-Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit stellt neues Buch über "Erinnerungsort Flossenbürg" in Weiden vor
Das Stigma der grausamen Geschichte bleibt allerdings im Ort zurück. Daran ändert auch der Friedhof nichts, der auf Druck der Befreier am 3. Mai 1945 im Ort errichtet wird. Das Lager wird weiterhin benutzt: Nach den Häftlingen kommen SS-Angehörige, später Heimatlose, dann Flüchtlinge.
Christliche Vorzeichen
Das Erinnern gestaltet sich unter christlichen Vorzeichen mit der Errichtung der Gedächtniskapelle. "Die Frage nach Schuld, Opfern und Tätern wird nicht gestellt", betont der Autor. "Das christliche Konzept schließt auch den Gedanken der Versöhnung mit ein."
Skriebeleit geht in seinem Vortrag auf die späten 40er, 50er und 60er Jahre ein, in denen die KZ-Geschichte in den Hintergrund und der wirtschaftliche Aufschwung in den Vordergrund rückt. Da man in der Gemeinde Platz brauchte, gab es erste Überlegungen, das KZ-Gelände dauerhaft zu besiedeln - auch, um so das Stigma baulich loszuwerden.
Ein besonderes Anliegen stellt der Historiker an diesem Abend in den Vordergrund: "Es geht mir nicht um Anklage. Es geht um einen besonderen Ort, und es geht mir um eine Beschreibung dessen, was ich vorgefunden habe."
Von Stefan Voit |
18.11.2009
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"Lange genug warf die Vergangenheit ihre Schatten"
KZ-Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit stellt neues Buch über "Erinnerungsort Flossenbürg" in Weiden vor
Das Lager dient ab 1958 als Erweiterung des Ortes, als "infrastrukturelle Ressource". "Lange genug warf die Vergangenheit ihre Schatten", ist eine Aussage aus dieser Zeit. Aus dem "Tal des Todes" will man ein "Tal des Lebens" machen. Immer mehr wird die Gemeinde aber auch vonseiten des bayerischen Staates im Stich gelassen. Man versucht die Erinnerung an das Gewesene zu mildern und übergibt das Gelände in die Aufsicht der Seen- und Schlösserverwaltung - aus dem ehemaligen KZ wird eine Parklandschaft.
Lange Prozesse
Inzwischen wurde die komplette Geschichte des Lagers wissenschaftlich erforscht. Die Gemeinde ist mit der Bewältigung der Vergangenheit gewachsen und positiv umgegangen: "Flossenbürg ist heute eine große, etablierte Gedenkstätte. Die Erinnerung an die NS-Zeit ist keineswegs selbstverständlich und musste in langen Prozessen erkämpft werden", so Skriebeleit in seinem Schlusswort.
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