Nazi-Lager Hersbruck: Ausstellung macht Spuren der Vergangenheit wieder lesbar
Es war eines der größten und schlimmsten Außenlager des KZ Flossenbürg: Rund 9000 Menschen wurden 1944 und 1945 von den Nazis im Lager Hersbruck/Happurg, östlich von Nürnberg, gefangen gehalten. Zwangsarbeit, Folterungen, Hinrichtungen - jeder zweite Häftling überlebte nicht. Nach dem Krieg wurde das schreckliche Geschehen verdrängt, das Gelände neu bebaut. Erst jetzt werden die damaligen Ereignisse dem Vergessen entrissen: Eine Ausstellung, die heute in Hersbruck eröffnet wird, soll die Spuren der Vergangenheit wieder lesbar machen.
Stollensystem im Berg
"Hersbruck war nach Litomerice (Leitmeritz) in Tschechien das zweitgrößte Außenlager des KZ Flossenbürg", erläutert der Historiker Alexander Schmidt, der sich mit der Geschichte des Hersbrucker Außenlagers intensiv befasst hat und die von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg betreute Ausstellung konzipiert hat.
Oberhalb von Happurg, einem kleinen Ort in der Nähe, mussten KZ-Häftlinge ab Mitte 1944 ein Stollensystem in den Berg graben - dort sollten, geschützt vor den Bombenangriffen der Alliierten, Flugzeugmotoren produziert werden. Dazu kam es allerdings nicht mehr.
Nazi-Lager Hersbruck: Ausstellung macht Spuren der Vergangenheit wieder lesbar
Die Häftlinge kamen aus dem KZ Flossenbürg. "Zunächst entstanden im Mai und Juni 1944 Häftlingslager in Happurg selbst, ab August 1944 waren die KZ-Häftlinge in einem neuen Außenlager in Hersbruck gefangen", schildert Schmidt. Verborgen bleiben konnte dies niemandem: In Happurg veränderte das Bauprojekt mit Bahntrassen, Bauhof, Seilbahnen und tausenden Menschen in den Stollen die gesamte Gegend.
Auch die Bewohner Hersbrucks sahen die Häftlinge jeden Tag beim Marsch zur Arbeit und zurück ins Lager, das neben einer Kaserne des Reichsarbeitsdienstes errichtet wurde. Ständig wurden es mehr Gefangene: Mitte August 1944 befanden sich etwa 1900 Häftlinge in Hersbruck, Ende Februar 1945 waren fast 6000 gemeldet.
"Da jedoch teilweise bis zu 30 Menschen pro Tag an den Verhältnissen im Lager, durch Hinrichtungen, Hunger und brutale Gewalt der SS-Bewacher oder Lagerkorps starben, lag die Gesamtzahl der Hersbrucker Häftlinge mit etwa 9000 bis 9500 Menschen beträchtlich höher", erklärt Schmidt. Innerhalb nicht einmal eines Jahres starben in Hersbruck und Happurg zwischen 4000 und 4500 Gefangene. Im April 1945 wurde das KZ-Außenlager geräumt; auf Todesmärschen starben nochmals etwa 300 Menschen.
Nazi-Lager Hersbruck: Ausstellung macht Spuren der Vergangenheit wieder lesbar
Die meisten Nazi-Schergen wurden in Prozessen nach dem Krieg begnadigt, freigesprochen oder zu geringen Haftstrafen verurteilt. In der fränkischen Kleinstadt wollte kaum noch jemand etwas von dem Terror wissen. Eine Wohnsiedlung wurde auf dem Gelände gebaut, Tennisplätze entstanden. Als in den 80er Jahren ein Schüler eine Facharbeit über das Lager schrieb, führte dies zu einer heftigen Diskussion in der Stadt. Erst langsam setzte ein Umdenken ein. "Die Abwehrhaltung merkt man bei Teilen der Bevölkerung bis heute", meint Historiker Schmidt.
Auch viel Toleranz
Das räumt auch Bürgermeister Wolfgang Plattmeier (SPD) ein. Auf der anderen Seite gebe es aber auch viel Toleranz und Aufgeschlossenheit, hält er dagegen. Künftig werden Informationstafeln auf dem Gelände Ausmaße und Funktion des Lagers erläutern. Die Kommune hat der Stiftung Bayerische Gedenkstätten außerdem ein Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem ein Gedenkpavillon mit den Namen der Ermordeten entstehen soll. "Eine Stadt muss ihre Geschichte annehmen", mahnt der Bürgermeister, "auch wenn sie dunkle Seiten hat."
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