Von Andrea Prölß |
24.08.2009
| Netzcode: 1968804 | 243 Mal gelesen.
Wurz
Zeitlose Würde und Erhabenheit vom Heuwagen
Eine bereichernde neue Hörerfahrung: das estnische Vokalensemble Heinavanker zu Gast bei den Wurzer Sommerkonzerten
Wehe, wenn Musik die breiten Pfade der leicht konsumierbaren Kost verlässt. "Trotzdem", dachte sich die Veranstalterin und setzte weltlich-geistliches Liedgut aus Estland aufs Programm. "Gut so!", sei im Namen der rund hundert Besucher hinterhergeschickt, für welche der Samstagabend mit dem estnischen Vokalensemble Heinavanker zu einer bereichernden neuen Hörerfahrung geriet.
Übersetzt bedeutet Heinavanker Heuwagen, was zunächst nach einer lustig-bunten Folkloretruppe klingen mag. Doch die vier Herren und zwei Damen aus Estland haben anderes im Sinn. In liturgische Gewänder gekleidet entführen sie in geistlich geprägte "Musik aus Klöstern und Hütten". In die ferne Welt estnischer Volkschoräle sowie in längst vergessene Klangwelten von Gregorianik und Choralvertonungen der frühen Renaissance. In eine Zeit, in der Musik vorrangig im Dienst des Textes stand und derjenige, dem dessen kunstvolle Vertonung gelang, nicht als freischaffendes Genie, sondern als ein die Regeln beherrschender Handwerker gepriesen wurde.
Von Andrea Prölß |
24.08.2009
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Wurz
Zeitlose Würde und Erhabenheit vom Heuwagen
Eine bereichernde neue Hörerfahrung: das estnische Vokalensemble Heinavanker zu Gast bei den Wurzer Sommerkonzerten
Kunstvoll gefertigte Musik
Johannes Ockeghem, Meister der im 15. Jahrhundert aufblühenden franko-flämischen Vokalpolyphonie, gehört zu diesen vorzüglichen Handwerkern. Beispiele seiner Handwerkskunst erklangen im ersten Teil des Abends, der in der Wurzer Pfarrkirche stattfand.
Vom ersten Ton an beeindruckte das Ensemble mit seinem tief empfundenen Verständnis für die zeitlose Würde und Erhabenheit dieser kunstvoll gefertigten Musik. Hervorragend geschult die glasklaren Stimmen, welche in unprätentiöser Schlichtheit die transparente Architektur dieser Musik plastisch in den Kirchenraum zauberten.
Doch Heinanvanker ist mehr als nur die estnische Antwort auf das deutsche Ensemble Singer Pur. Was den jungen Esten ebenso sehr am Herzen liegt, ist das geistlich-musikalische Erbe ihrer Heimat. Und so wechselte in diesem ersten Teil artifizielle Vokalpolyphonie ab mit estnischen Volkschorälen, die liturgische Texte - zumeist aus dem lutherischen Gesangbuch entnommen - in traditionelle Weisen kleiden. Volkstümliche mehrstimmige Musik, vom Ensemble mit den bereits beschriebenen Klangeigenschaften vorgetragen, deren herber Zauber nicht nur in jenen "Drehern und Schleifern" liegt, die so typisch für die nordische Volksmusik sind.
Von Andrea Prölß |
24.08.2009
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Wurz
Zeitlose Würde und Erhabenheit vom Heuwagen
Eine bereichernde neue Hörerfahrung: das estnische Vokalensemble Heinavanker zu Gast bei den Wurzer Sommerkonzerten
Atmosphärische Dichte
Es sind vor allem die originäre Kraft und die atmosphärische Dichte dieser fest im Glauben verwurzelten Musik, welche den Hörer nicht nur im Kirchenraum, sondern auch später im Wurzer Pfarrgarten immer wieder gefangen nahmen. Eindrucksvoll die estnische Version von "O Haupt voll Blut und Wunden", von Altistin Kadri Hunt solistisch vorgetragen. Ernste Töne an einem herbstlichen Augustabend, der den Besucher besinnlich gestimmt in die Nacht entließ.
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