Von (wüw) |
25.07.2009
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Weiden
Erzählen vom Unvorstellbaren
KZ-Überlebende Jack Terry und David Arben sprechen über ihre Erlebnisse in Flossenbürg
Weiden. (wüw) Vor Beginn wirkten einige Wirtschaftsschüler etwas desinteressiert. Als die Veranstaltung dann losging, war davon nichts mehr zu merken. Die Schüler hörten gebannt zu, obwohl in den folgenden zwei Schulstunden hauptsächlich englisch gesprochen wurde.
Mit Jack Terry und David Arben waren zwei Überlebende des Konzentrationslagers (KZ) Flossenbürg nach Weiden gekommen, um mit den Schülern der Klassen 9Ha und 9Hb sowie der Projektgruppe KZ Flossenbürg über ihre Erlebnisse zu sprechen. Als die beiden 1945 aus der Haft befreit wurden, waren sie etwa im Alter eben dieser Schüler und hatten in den Jahren davor unvorstellbare Qualen erleben müssen.
Dennoch kommt Terry seit einigen Jahren regelmäßig nach Flossenbürg, um an die Opfer aber auch die Täter zu erinnern. "Es ist nicht leicht, weil hier viele Erinnerungen hochkommen. Ich träume oft von meiner Familie wenn ich in Deutschland bin", erklärt Terry, der einst in Polen geboren und wegen seines jüdischen Glaubens inhaftiert wurde. Seine Familie hatten die Deutschen bereits im Jahr 1943 ausgelöscht, damals war Jack gerade 13 Jahre alt.
Alte Überlebende
Dennoch empfindet er es als besonders wichtig, die junge Generation über die Geschehnisse der damaligen Zeit zu informieren. "Wir Überlebende sind inzwischen alt geworden. Es ist wichtig, dass wir unsere Erfahrungen an junge Menschen weitergeben."
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KZ-Überlebende Jack Terry und David Arben sprechen über ihre Erlebnisse in Flossenbürg
Dass er dies noch kann, verdankt er Glück und Geschick. Denn Terry musste sich älter machen, um als arbeitsfähig zu gelten. Wer nicht arbeiten konnte, wurde sofort getötet. Über Umwege kam er aus seinem polnischen Dorf nach Flossenbürg, wo er im Steinbruch arbeiten musste und nur knapp Anstrengungen und Schikanen der deutschen Aufseher überlebte. Seine Erfahrungen schrieb er in dem Buch "Jakubs Welt" nieder.
Eine ähnliche Geschichte hatte Arben zu erzählen. Auch er stammte aus Polen, und auch sein einziges "Verbrechen" war der jüdische Glaube. Gemeinsam mit Terry lebte er in Flossenbürg in der Jugendbaracke. Frei kam Arben anders als Terry auf dem Todesmarsch Richtung Dachau. "Die SS-Wachen hatten ihre Waffen weggeworfen, weil sie Angst hatten vor den nahenden Amerikanern", erinnert sich Arben, der später als Geiger im "Philadelphia Sinfonieorchester" spielte. Diese Chance nutzte er zur Flucht. Lacher gab es, als Arben sein erstes Treffen mit einem Amerikaner schilderte. Der war nämlich schwarz und kaute Kaugummi, was den frisch geflohenen 17-jährigen Arben Rätsel aufgab.
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KZ-Überlebende Jack Terry und David Arben sprechen über ihre Erlebnisse in Flossenbürg
Beide schilderten, wie sie die Erlebnisse aus Flossenbürg auch in Freiheit weiter verfolgen. Gerade in den ersten Jahren nach der KZ-Zeit wollte niemand ihre Geschichte hören. "Das war nicht nur in Deutschland so. Auch in Amerika hatte niemand Interesse. Wir konnten den Menschen mit Worten nicht vermitteln, was wir erlebt hatten", so Terry, der heute 79 Jahre alt ist.
Projektgruppe
Nach den Erzählungen hatten die Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dank der Vorbereitung durch die Leiterin der Projektgruppe Flossenbürg, Ursula Soderer, und ihres Kollegen Thomas Kostial entwickelte sich trotz des Altersunterschieds eine angeregte Diskussion.
"Jakubs Welt" - Die Erinnerungen des Jack Terry, von Jack Terry und Alicia Nitecki, 142 Seiten, München 2005, 1. Auflage. Das Buch gibt es kostenlos bei der Landeszentrale für Politische Bildung in München.
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