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Von (Von Kristina Dunz, dpa, und Alexander Pausch)  |  23.07.2009  | Netzcode: 1924790  |  2234 Mal gelesen.
Berlin/Weiden

US-Drohne kommt Deutschen zu Hilfe

Raketen auf Aufständische - Luftunterstützung für Bundeswehr und afghanische Soldaten im Norden

Ein unbemanntes amerikanisches Kampfflugzeug vom
Ein unbemanntes amerikanisches Kampfflugzeug vom Typ MQ-1 Predator kam am Sonntag deutschen und afghanischen Soldaten beim nordafghanischen Kundus zu Hilfe. Die Soldaten waren von Aufständischen mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten beschossen worden. Die Drohne feuerte eine Rakete vom Typ AGM-114 Hellfire auf deren Stellungen ab. Danach verstummte das gegnerische Feuer, teilte die US-Luftwaffe mit. Bild: US-Luftwaffe/Oberstleutnant Leslie Pratt
Eine Offensive dieses Ausmaßes hat die Bundeswehr in ihrem nordafghanischen Verantwortungsbereich noch nicht geführt. "Das ist die qualitative Veränderung", sagte der oberste Soldat der deutschen Streitkräfte, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, am Mittwoch in Berlin. 300 Bundeswehrsoldaten und 900 afghanische Sicherheitskräfte, darunter 100 Polizisten, gehen seit Tagen gegen radikalislamische Taliban im Raum Kundus vor. Dass die Deutschen bei ihrer Unterstützung dieser afghanischen Operation mit dem Codenamen "Adler" erstmals Schützenpanzer und Mörser einsetzen, spielte er herunter: "Das ist keine neue Qualität."

Der Vier-Sterne-General betonte, der Truppe stehe dieses Kriegsgerät schon seit langer Zeit zur Verfügung. Allerdings standen die Schützenpanzer vom Typ Marder bislang in Masar-i-Scharif im Feldlager und waren vor allem zu Übungen ausgerückt. Vor etlichen Tagen waren sie nach Kundus verlegt worden. "Es war jetzt einfach an der Zeit, diese Eskalation vorzunehmen, ... auch um Abschreckungseffekte zu erzielen", sagt Schneiderhan. Dabei machte er zugleich klar: "Wir sind in einer asymmetrischen Auseinandersetzung ... Unser Problem ist nicht, Überlegenheit im Feuer herzustellen. Die ist da. Es ist nicht unser Problem, Führungsüberlegenheit herzustellen. Die ist da. Gegen uns rennen ja keine gepanzerten Formationen an. Unser Problem ist Aufklärung - zu wissen, wo sich was gegen uns oder die afghanische Bevölkerung zusammenbraut." Seit März aber, so erklärte Schneiderhan, hätten die Aufständischen ihre Taktik geändert und seien von Sprengstoffanschlägen zu einer "militärähnlichen Verhaltensweise" wie Hinterhalte und Gefechte übergegangen. Man müsse die Lage wieder in den Griff bekommen, um für geordnete afghanische Präsidentschaftswahlen im August zu sorgen.

Seit Sonntag durchsuchen afghanische Sicherheitskräfte im Distrikt Chardara (Chahar Dara) - den Raketendörfern, wie die Taliban-Hochburg in der Provinz Kundus von Bundeswehrsoldaten genannt wird - Ort für Ort. Sie suchen nach Verstecken der Aufständischen. Die Bundeswehr sichert diese Operation ab. Dabei wurden die Soldaten in heftige Gefechte mit den Taliban verwickelt - und die Deutschen oder die Belgier, die die afghanischen Truppen als Beobachter begleiten, forderten deshalb Luftunterstützung an.

Am Sonntag eilte ein US-Kampfflugzeug vom Typ A-10 Thunderbolt II Isaf-Kräften zu Hilfen, die bei Kundus von Aufständischen mit Handfeuerwaffen beschossen wurden. Allerdings feuerte der Militärjet keine Waffen ab, sondern überflog die feindlichen Stellungen nur. Im Militärjargon wird dieses Manöver "show of force" genannt. Danach sei das feindliche Feuer eingestellt worden. Zum Waffeneinsatz kam es bei einem zweiten Zwischenfall, ebenfalls am Sonntag. Eine US-Drohne feuerte in der Nähe von Kundus eine Rakete vom Typ AGM-114 Hellfire auf Stellungen von Aufständischen ab. Diese hatten zuvor deutsche und afghanische Soldaten mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten angegriffen. Nach dem Einsatz des unbemannten US-Kampfflugzeuges vom Typ MQ-1 Predator verstummte das generische Feuer, teilte die US-Luftwaffe mit. Ein Einsatzbericht, wie er tagtäglich aus dem heiß umkämpften Süden Afghanistans übermittelt wird.

Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) betonte dennoch am Mittwoch erneut: "Wir machen einen Stabilisierungseinsatz und keinen Krieg." Über vier Fähigkeiten müssten die deutschen Soldaten verfügen: "Kämpfen, vermitteln, helfen und schützen." Der Minister betonte zugleich, dass Afghanistan rein militärisch nicht zu gewinnen sei. "Das muss uns immer im Bewusstsein bleiben."

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