Von Stefan Voit |
29.06.2009
| Netzcode: 1889347 | 276 Mal gelesen.
"Eine Herrlichkeit, wie es keine gibt auf Erden"
Begeisternde Freilichttheater-Premiere "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" auf der Luisenburg
Wunsiedel. Wir alle wünschen uns das ewige Leben und wissen doch, dass wir eines Tages an die Himmelstür klopfen müssen. Diese Erfahrung macht auch der Brandner Kaspar, der sich in keinster Weise nach dem Jenseits sehnt, vermeintlich dem Tod ein Schnippchen schlägt und am Ende doch den Weg alles Irdischen gehen muss.
Extrem kurzweilig
Dies alles gab es am Freitag in dem Stück "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" zu sehen, das in einer Inszenierung von Intendant Michael Lerchenberg, der auch den Boandlkramer spielt und Regie führt, auf der Luisenburg Festspielpremiere hatte. Zu Herzen gehend, süffisant, hinterlistig und extrem kurzweilig war dieser Bilderbogen, mit der Lerchenberg begeisterndes Freilichttheater zeigt und mit der Stückauswahl den Geschmack des Publikums trifft: 123 000 Karten gingen bereits im Vorverkauf weg.
Als den Häusler Brandner (hervorragend: Alfred Schedl) auf einer Treibjagd ein Streifschuss trifft, denkt er nicht im Geringsten daran, dass dies ein Hinweis auf sein nahes Ende sein könnte. Erst als der Boandlkramer (überragend: Michael Lerchenberg) bei ihm zu Hause auftaucht, ahnt er, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat. Als der Tod, als liebevoller Freund dargestellt, ihm das "Ende der Zeitlichkeit" verkündet, versucht er ihn zu überlisten. Mit einem weltlichen "Kerschgeist" macht er den klapperigen Gesellen erst betrunken und beschummelt ihn anschließend noch mit dem Grasober beim Kartenspiel. Sein Gewinn sind weitere 18 Jahre Leben.
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"Eine Herrlichkeit, wie es keine gibt auf Erden"
Begeisternde Freilichttheater-Premiere "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" auf der Luisenburg
Während auf Erden alles seinen Gang geht, bringt der hinterlistige Deal im Himmel alles gehörig durcheinander. Als Brandners geliebte Enkelin Marei (liebenswert: Ina Meling) tödlich verunglückt, fliegt der Schwindel auf. Der heilige Portner (kraftvoll: Dieter Fischer, Hauptdarsteller in der Fernsehserie "Der Kaiser von Schexing") fordert den Boandlkramer auf, den Kaspar sofort zu holen. Der Brandner hat allerdings nach dem Tod der Marei keine rechte Freude mehr am Leben, will aber auch mit dem Tod nicht mitgehen, als ihn dieser wieder aufsucht. So wendet diesmal der Boandlkramer eine List an: Er bietet dem Alten einen Blick ins Paradies.
Als dieser den bayerischen Himmel mit seiner barocken Herrlichkeit, den Weißwürsten, prächtigsten Gewändern, der Waldsassener Klosterbibliothek und vor allem Marei sieht, steht sein Entschluss fest: Er gesteht seine Fehler ein und nimmt die Buße auf sich. Doch man zeigt sich gnädig - sehr zum Ärger von Erzengel Michael (grandios: Jürgen Fischer) - und vergibt Brandner seine Sünden.
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"Eine Herrlichkeit, wie es keine gibt auf Erden"
Begeisternde Freilichttheater-Premiere "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" auf der Luisenburg
Michael Lerchenberg zeigt auf der Luisenburg großes Theater: Volksstück, Komödie, Tragödie und Klassiker vereint er in seiner Inszenierung. Dazu gesellt er ein Ensemble mit glänzenden schauspielerischen Leistungen, bringt mit Peter Engel ein Bühnenbild zustande, das nicht schöner hätte sein können: angefangen von der einfachen Stubn bis zum kräftigen und farbenfrohen Himmel, in dem sich allerlei Figuren der weiß-blauen Geschichte tummeln.
Fast philosophisch
Und er erzählt vom überlisteten Boandlkramer, der längst schon ein Stück bayerischer (Theater-)Geschichte ist, erfrischend, humorvoll, ja fast philosophisch. So macht Theater Spaß, so muss Theater sein!
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass wir nur Gast auf Erden sind und noch immer der liebe Gott bestimmt, wann wir abtreten müssen. Ein kleiner Trost möge uns Menschen sein, dass der bayerische Himmel der schönste von allen ist!
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