Von Thomas Dobler |
30.04.2009
| Netzcode: 1810890 | 428 Mal gelesen.
Regensburg/Wackersdorf
Im Mahlstrom des kollektiven Widerstands
Regensburger Schriftstellerin Angela Kreuz veröffentlicht ihren Roman "Waahnsinnszeiten"
Für diesen Abend hatte sie sich extra "verkleidet", gestand die Regensburger Schriftstellerin Angela Kreuz schmunzelnd. Das Outfit der 40-Jährigen wurde dominiert von einer alten Jeans-Jacke ("die habe ich schon 20 Jahre"), dazu einen früher in der linken Szene obligatorischen "Stoppt Strauß"-Sticker und das damals unvermeidliche Palästinenser-Tuch, locker um den Hals getragen.
Solchermaßen waren die Besucher der Gäste im Turmtheater in Regensburg schon einmal optisch eingestimmt auf den folgenden Text, den Passagen aus Angela Kreuz' Roman "Waahnsinnszeiten". Dieser Titel ist kein Schreibfehler und bezieht sich auf die vor Jahren in der Region omnipräsenten drei Buchstaben "WAA", die meist in der Kombination "WAA nein" auf Hauswänden, Brückenpfeilern und Autoaufklebern Stimmung machen sollten gegen das Großprojekt der atomaren Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf.
Wahnsinnige Jahre
Tausende, nein Hunderttausende lehnten sich in den achtziger Jahren gegen dieses Vorhaben von Politik und Industrie auf. Es waren, vor allem in der Oberpfalz, wilde, ja wahnsinnige Jahre, "Waahnsinnszeiten" eben, die das soziale und politische Gefüge der Region durchschüttelten. Angela Kreuz hat diese Zeit zur Folie genommen, auf der sie die Schicksale einer Handvoll junger Menschen darstellt, die sich im Widerstand gegen die WAA treffen und politisieren - so wie es damals vielen gegangen ist.
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Regensburg/Wackersdorf
Im Mahlstrom des kollektiven Widerstands
Regensburger Schriftstellerin Angela Kreuz veröffentlicht ihren Roman "Waahnsinnszeiten"
"Ich habe festgestellt, dass es zum Thema WAA noch keinen Roman gibt und dass sich das Ende der WAA heuer zum 20. Mal jährt", plauderte die Autorin nach ihrer Lesung ein bisschen aus dem Nähkästchen. Da sie selbst ein paar entscheidende Jahre zu jung ist, um den Kampf im Taxöldener Forst bei Wackersdorf in allen Phasen miterlebt zu haben, hat sie für ihr Buchprojekt viel Quellenstudium getrieben, mit Aktivisten geredet und dabei ein recht authentisches Bild der Ära gewonnen. Ein literarisches Stipendium schaffte schließlich die Möglichkeit, die "Waahnsinnszeiten" niederzuschreiben.
Brutale Polizisten
Erzählt wird darin, wie die politische Arbeit in der Anti-WAA-Bürgerinitiative auch das erwachende Liebesleben der angehenden Biologiestudentin Anna Ferstl beeinflusst, wie sie Aktivisten und gewaltbereite Anarchisten, brutale Polizisten und Spitzel kennen lernt, in der öffentlichen Auseinandersetzung reift und politisch und persönlich erwachsen wird.
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Regensburg/Wackersdorf
Im Mahlstrom des kollektiven Widerstands
Regensburger Schriftstellerin Angela Kreuz veröffentlicht ihren Roman "Waahnsinnszeiten"
Das Taschenbuch, das im Regensburger Spielberg-Verlag erschienen ist, ist mit 170 Seiten nicht sehr dick und so geschrieben, dass es sich flott liest. Sicherlich ist "Waahnsinnszeiten" nicht "der" WAA-Roman, aber er macht mit seinen vielen Anspielungen und Nennungen realer Personen und Orte nicht nur jenen Spaß, die damals live dabei waren, als das Hüttendorf gebaut und geräumt wurde, als die größten Musiker zum Anti-WAA-Festival gekommen sind und als schließlich der Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß in Regensburg starb und mit ihm das Milliardenprojekt zu Grabe getragen wurde.
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